Benedikt Bilgeri

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Inhaltsverzeichnis

Person

Hard / Vorarlberg, 1906–1993, Lehrer und Historiker

Sonstiges

Laudatio für Professor Dr. Benedikt Bilgeri

Hofrat Dr. Arnulf Benzer zur Verleihung des Oberrheinischen Kulturpreises 1982

Prof. Theodor Mayer, seinerzeit Präsident der Monumenta Germaniae historica und Begründer des in der Fachwelt bekannt gewordenen Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte, hat öfters gelobt, daß seit Jahrzehnten aus den österreichischen Landesarchiven Historiker herausgewachsen sind, deren Arbeiten dank der ihnen von den Dienstherren gewährten Möglichkeiten nicht nur für ihre Bereiche, sondern für die gesamthistorische Forschung von Bedeutung geworden sind. Ehe unser Preisträger, im Alphabet der erste, Professor Benedikt Bilgeri, an ein solches Institut, nämlich an das Vorarlberger Landesarchiv berufen wurde, war er längst durch viele Vorarbeiten für diese Berufung ausgewiesen.

Bilgeri ist 1906 in Hard am Bodensee geboren, nur wenige Kilometer von der Stelle entfernt, wo der Alpenrhein in den See mündet. Hard liegt, geographisch gesehen, eher peripherisch in dem Land, das sich vom Arlberg bis zum Bodensee erstreckt. Dazwischen befindet sich mitten am Rande der großen Ostbucht Fussach, historisch bedeutsam, Burg der Montforter, Hafen der Mailänder Boten über die Bündner Pässe nach Süden, Verweilort Goethes auf dem Rückweg von Italien, Platz vorarlbergischen Selbstbewußtseins im Jahre 1964. Der Blick Bilgeris erfaßte — fast symbolisch gemeint — von hieraus und von unten nach oben die Zusammenhänge, die geschichtlich bestimmend waren. Bestimmend sind für den Historiker Bilgeri die politischen, in Sonderheit die demokratischen und sozialen Aspekte. Er untersuchte deshalb die soziale Stellung des Vorarlberger Volkes, Ursprung und Wesen der Landesverteidigung, den mittelalterlichen Landesausbau, die Funktion von Landstände und Landtag, die Landgemeinden, den Getreidebau, und publizierte seine Untersuchungen laufend. Übergreifende Arbeiten waren: Der Bund ob dem See — Vorarlberg im Appenzeller Krieg. Die geographischen Grundlagen Vorarlbergs, eine zunächst noch in Kürze gefaßte politische Geschichte Vorarlbergs. Alle diese Leistungen erbrachte Bilgeri vornehmlich in den Jahren 1954 bis 1968. Detailabhandlungen widmete er dem Bregenzerwald in der ländlichen Verfassungsentwicklung Vorarlbergs, dem Arlberg und den Anfängen der Stadt Bludenz, dem churrätischen Rankweil, der Siedlungsgeschichte von Bregenz, die er zur großen, 760 Seiten umfassenden und 1980 erschienenen Geschichte der Stadt Bregenz: Politik — Verfassung — Wirtschaft ausweitete. Eine gleich wichtige Publikation über die politisch und kulturell maßgebliche Herrschaft und Stadt Feldkirch, der einzigen österreichischen Gemeinde, die am Rhein angesiedelt ist, wird folgen. Für das Nachbarland schuf Bilgeri das Liechtensteinische Urkundenbuch. Selbstverständlich gibt es eine Geschichtsschreibung in Vorarlberg. Mit den Zeugnissen antiker Schriftsteller über das Bodenseegebiet fängt sie an. Es gibt bedeutsame Weistümer und Chroniken. Die berühmte Weltchronik des Rudolf von Ems wird soeben neu aufgelegt. Die Schwäbische Chronik des Thomas Lirer stammt aus dem 15. Jahrhundert. Ladislaus Suntheim verfasste im gleichen Jahrhundert eine Landesbeschreibung Vorarlbergs. Jakob Mennel, in Bregenz geboren, 1526 in Freiburg gestorben, war der Hofhistoriograph Kaiser Maximilians I. Der Schweizer Staatsmann und Historiker Ägidius Tschudi berücksichtigte in seinem in Basel herausgegebenen Werk «Alpisch Rhetia» Vorarlberg sehr stark. Der «Catalogus legum antiquarurn» des Johann Ulrich Zasius aus Bregenz wurde vom Straßburger Pädagogen Sturm 1555 in Paris herausgegeben. Kenner und Freunde sammelten um 1800 die sogenannten Merkwürdigkeiten des Landes Vorarlberg. Zu einer geschlossenen Landeskunde rafften sich mit dem Erscheinungsjahr 1839 Franz Josef Weizenegger in Nachbearbeitung von Meinrad Merkle auf. Dreißig Jahre später schrieb Joseph Ritter von Bergmann eine Landeskunde. Teilarbeiten lieferten eine Reihe von Forschern. In der Folge herausgehoben müssen die größeren Arbeiten werden: «Die Geschichte Vorarlbergs von der Urzeit bis zur Gegenwart» von Adolf Helbok 1925, «Die Verfassungsgeschichte Vorarlbergs von Otto Stolz 1950 und Ludwig Weltis «Siedlungs- und Sozialgeschichte Vorarlbergs» von 1973.

Diese wichtigen und ehrenwerten Vorstufen zu einer Geschichte des seit jeher um seine Selbständigkeit ringenden Landes haben Bilgeri in Verwertung seiner gründlichen Studien und der Diskussionen im eingangs erwähntem Konstanzer Arbeitskreis zu einer Gesamtplanung für eine grundlegende Geschichte seines Landes veranlasst. Bilgeris Lebenswerk, vor dem wir nicht ohne Bewunderung und allseitige Anerkennung stehen, kulminiert in einer mehrbändigen Darstellung, von der der Band IV soeben zur Auslieferung gelangt.

Der Verfasser ließ sich dabei nach seinen eigenen Worten von folgenden Grundsätzen leiten:

  1. Landesgeschichte muß in erster Linie politische Geschichte sein, der sich die teils in weiteren Räumen ablaufende Kulturgeschichte einordnet, soweit sie politisch wirksam ist. Ein Standpunkt, der eine thematische Konzentration von vornherein anzeigt.
  2. Die besondere Lage des kleinen Landes zwischen den größeren Gebieten Oberschwabens, der Ostschweiz, Liechtensteins und Graubündens zwingt, die Grenzen der Betrachtung sehr weit zu spannen.
  3. Vorarlberg, einziges Restland des vorderösterreichischen Territoriums, nimmt eine von der gesamtösterreichischen völlig abweichende und bisher kaum bekannte Entwicklung ein. Sie betrifft vor allem die substantielle demokratische Komponente. Diese herauszustellen, war staatspolitisch höchst notwendig.

Bilgeri hat sein historisches Gewissen mit einer geradezu ehrgeizigen Akribie eingesetzt, um seine Forschungsergebnisse und seine Textstellen quellenmäßig und mit einem Literaturreichtum ohnegleichen zu belegen. Von insgesamt 1702 Seiten in den bisherigen 3 Bänden sind 651 Seiten, also 38 % Anmerkungen. Das heißt, diese Geschichtsdarstellung, welchen Anschauungs- und Wertveränderungen sie künftig und naturgemäß unterworfen sein könnte, steht als Quellenwerk ein für allemal gültig und unentbehrlich da.

Ehe Benedikt Bilgeri im Jahre 1964 in den Archivdienst des Landes Vorarlberg eingetreten ist und dort völlig freie Hand für seine Forschungen erhielt, hatte er über 30 Jahre lang sein Können und Wissen an der Basis der studierenden Jugend investiert. Er kann deshalb als Erzieher und als Forscher mit Recht sagen: «Ich widme mein Werk dem lebendigen Vorarlberg der Zukunft als eine Grundlage wirklicher Erkenntnis der Vergangenheit.»

Im GOETHE-Jahr sei gestattet, der Stiftung dankbar und sinnvoll mit einem Goethe-Zitat zu bekennen:

«Wer mit einem Talente zu einem Talente geboren ist, findet in demselben sein schönstes Dasein!»

Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung, Basel

Dr. Burmeister und Vorarlberg

« Seit Monaten versucht der Leiter des Vorarlberger Landesarchivs, DDr. Burmeister, meine „Geschichte Vorarlbergs“ in einer unanständigen, geradezu hysterischen Hetze in Druck und Rundfunk herunterzumachen. Seit der Samstagsendung (22. 11.) ist das Neueste seine Erklärung, daß mein fünfter und letzter Band, der nächstes Jahr erscheint, den er also noch gar nicht kennt, veraltet sei.

Burmeister liegen meine Bände schwer im Magen. Zwar hat er die ersten drei für sein dünnes Geschichtsbüchlein stillschweigend benützen können, aber der vierte und fünfte fehlen ihm für das 19. und 20. Jahrhundert. Darum dort ein Nichts, wie Prof. Pichler wörtlich bezeugt. Burmeisters rasende Profilierungssucht lässt ihm keinen anderen Ausweg, als alles um jeden Preis anders zu sehen, zu „bearbeiten“, bis zur groben Unwahrheit. Oder kann er vielleicht, von einem Humanistenbiographiechen abgesehen, auf irgendeinen, auch nur einen einzigen grundlegenden Beitrag zur eigentlichen, der politischen Geschichte hinweisen? Er möge mit der Aufzählung nicht zögern. Schon sein Lehrer, Professor Elstner, sprach mit Verachtung über seine ergebnislosen „Bearbeitungen“ von Themen, die andere behandelt hatten.

In Wahrheit ist ihm die Geschichte Vorarlbergs, um die andere fünfzig Jahre bemüht waren, als Rheinländer von Krefeld und Wahl-Lindauer innerlich völlig fremd, und seine deutsche Ausbildung hat ihm die ganz anderen Verhältnisse der freien Alpenländer Tirol, Vorarlberg und Schweiz nicht näher bringen können. Immer wieder treibt es ihn, Umarbeitungen vorzunehmen, mit Hass verfolgt er die Vorarlberger Tradition — und sitzt im Stuhl eines Viktor Kleiner! Das beginnt schon bei den rätischen Vorfahren. Sämtliche römischen und griechischen Schriftsteller bis in die späten Jahrhunderte standen unter dem tiefen Eindruck ihrer heroischen Verteidigung der Heimat, sie berichten von verzweifelten Kämpfen um die Höhenbürgen. Nur Burmeister weiß von kampfloser Übergabe! Die freien Bregenzerwälder, Dornbirner, Vorderländer und Montafoner schwindelt er in seinen kleinen Machwerken zu Leibeigenen um, trotz dutzendfacher Überlieferung in unseren Quellen. Dem Freiheitsbund ob dem See, dem die Hoffnungen ganz Süddeutschlands gehörten, haben die Vorarlberger nicht gerne angehört, behauptet er keck, obwohl genug direkte Berichte das Gegenteil beweisen. Diese systematische Verhunzung unserer in Wahrheit stolzen Geschichte setzt er auch für die Neuzeit fort, lobt die Bayern und ihre brutale Diktatur über den grünen Klee und schämt sich nicht, Dr. Anton Schneider als mutmaßlichen Verräter „wissenschaftlich“ zu erweisen.

Die Vorwürfe, die er mir macht, Schönfärberei und antiösterreichische Haltung, sind lächerlich oder eher bösartig. Als Vorarlberger ist mir vorarlbergerischer Patriotismus selbstverständlich. Den Sonderfall Vorarlberg, den jeder Wissende längst kennt, durch die Jahrhunderte zu verfolgen, Fortschritte und Rückschläge in der politischen Geschichte mit Freude oder Beklemmung mitzuerleben, ist wohl noch gestattet. Burmeisters Feldkircher Judengeschichte ist für die Entwicklung der Freiheit unseres Landes ganz nebensächlich. Wer aber erfahren will, was B. verschweigt, merke sich die Tatsache, daß das Stadtrecht von Feldkirch die Juden in Schutz nimmt und daß die Feldkircher Bürgerschaft 1443 geflohene Juden, die man in Konstanz hinrichten wollte, nicht auslieferte: „sy woltents nit thun“. — Schärfste Verurteilung des österreichischen Absolutismus, der das Land im 18. und 19. Jahrhundert empörend misshandelte, ist wohl legitim.

So zieht er herum, mit seinem Bündel grober Unwahrheiten, und sucht Vorarlbergs Geschichte auf seine eigene Trostlosigkeit zu nivellieren. Er schadet auch in Innsbrucks Hörsälen, wenn ein einsamer Hörer sich zu ihm verirrt. Er weiß über alles Erdenkliche Bescheid, wenn ein ahnungsloser Radioreporter an ihn gerät; seit Samstag wissen wir z. B., daß Föderalismus nicht Stärkung der Länder, sondern Stärkung des Bundes bedeutet. Er soll nicht über Separatismus dozieren, sondern endlich einmal über seine schändliche Art, wie er seinen ehemaligen Vorgesetzten Dr. Grabherr, dem er seine ganze Position verdankt und der ihn dummerweise unglaublich förderte, ohne Not brutal heruntermachte! » Dr. Benedikt Bilgeri

« Wer das Burmeister-Interview am Samstag im Radio hörte, kam nicht aus dem Staunen, wie dieser Landesbeamte aus dem Archiv Land und Leute ab qualifizierte. Scheinbar begeistert ihn nur sein Fußballklub im Rheinland. Mit hörbarem Grinsen fiel er über den verehrten Benedikt Bilgeri her, ließ sich als „ersten Historiker“ hofieren, denunzierte brutal den Vorarlberger Föderalismus und setzte alles herab, was ihm vorgelegt wurde, außer sich selbst. Die Vorarlberger Landesregierung sollte sich dieses Interview anhören und Burmeister zur Entschuldigung auffordern oder ihm nahelegen, das Ländle zu verlassen. Was soll ihn denn hier halten, auf Kosten der Herabgesetzten ? » F(ranz) OR(tner)

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