Diskussion:Freiheit statt Gleichheit

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Inhaltsverzeichnis

Christoph Bösch

Wir brauchen neue Steuern

Wer intelligenter ist als der Durchschnitt - oder andere Fähigkeiten hat, der sollte dafür zur Kasse gebeten werden. Denn was hat er oder sie denn dafür geleistet? Auch Menschen, die besonders schön, attraktiv oder sympathisch sind, müssen zahlen – denn auch sie genießen einen Vorteil. Das gleiche gilt natürlich auch für Leute, die nie krank werden, immer gut gelaunt oder gar glücklich sind. Es ist natürlich auch ungerecht, dass manche Menschen älter werden als andere – doch das lässt sich steuerlich leider schwer ausgleichen… Aber in der Schule darf es jedenfalls nicht sein, dass manche andauernd bessere Noten bekommen als andere – denn das ist gerade der kindlichen Psyche schwer zumutbar. Jedes Kind müsste daher schon im Kindergarten wissen, dass ihm zumindest ein Magistertitel dereinst garantiert sein wird!

Fest steht, dass es die Pflicht der Gesellschaft ist, jede Ungleichheit sofort und rigoros auszugleichen. Problematisch in dieser Hinsicht sind natürlich auch Seriensieger im Sport; Leute, die im Lotto - oder gar im Casino-Kapitalismus – gewinnen; oder aber auch Politiker, die mehr als eine Wahl gewinnen. Letztlich ist jede Form unmenschlichen Wettbewerbs durch Nivellierung zu bekämpfen. Dies führt fast zwangsläufig zur staatlichen Partnervermittlung – weil es ja auch hier niemandem zuzumuten ist, immer wieder schmerzliche Niederlagen einstecken zu müssen…

Hilfe, wir sind benachteiligt

Wer heute nicht glaubhaft machen kann, dass er „benachteiligt“ ist, ist wirklich benachteiligt.

Daher einige Anregungen: Jeder Mensch sollte zumindest ein Recht auf einen Magistertitel haben. (Um ihm ein soziales Status-Trauma zu ersparen.) Überdies sollte jedem – zumindest für einen Lebensabschnitt – sein Traumpartner zustehen. (Der Staat muss Partner vermitteln – quer durch alle sexuellen Orientierungen...) Auch Charakterschwäche darf niemandem zum Vorwurf gemacht werden – im Gegenteil. Schlechter Charakter ist im Grunde ebenfalls Folge einer Benachteiligung, ja stellt letztlich sogar selbst eine Benachteiligung dar! Nicht nur Erbschaften, Gewinne und Vermögen sind folglich progressiv zu besteuern – wir müssen endlich konsequent Schicksal in all seinen Aspekten umverteilen. Wer gute Gene erbt, zahlt. Wer gesund, intelligent, schön, nett oder erfolgreich ist, hat eine Verpflichtung gegenüber allen Benachteiligten… Die Ersten werden die Letzten sein – und zwar nicht erst im Jenseits, sondern hier und jetzt.

Wahrheit und Freiheit

Primat der Politik?

Womit hätte sie sich denn den verdient? Der Staat ist schwach, weil er viel zu „groß“ ist. Wer kämpft gegen die Gefahr von Links, gegen Political Correctness und Entmündigung, gegen Gehirnwäsche, Gebetsmühle, Manipulation, Gesinnungsterror?

Das sozialistische/kollektivistische Projekt des Gleichheits- und Einheitsstaates "EU"? Kontinentale Umverteilung, Bevormundung, Nivellierung.

Kernfrage für EU, aber auch Österreich: Bekommen wir eher eine Diktatur des nationalen oder des internationalen Sozialismus?

Konjunktur durch Konsum?

Ernüchterung statt Dosissteigerung!

Und die Medien? Zynismus: Der Versuch, aus der Froschperspektive noch, auf die Welt herab zu blicken.

Political Correctness

... ist eine Mode, kein „Fortschritt“! Daher: Ehrlichkeit statt Political Correctness! (Die größte „Terrorgefahr“ kommt längst schon von der Political Correctness. Orwell!)

Wahrheit statt Gleichheit

... - denn Gleichheit bleibt immer eine Illusion. (Und Political Correctness eine Lüge, die zu schön ist, um wahr zu sein!)

Daher: "Wahrheit und Freiheit" - statt PC und "Gleichheit" (also Gleichmacherei/Nivellierung/ Kollektivismus/Umverteilung)

Und daher auch: Mehr Freiheit, weniger "Rechte": denn jedes neue "Recht" beschränkt die Freiheit. (Und die "alten" Rechte.)

Die Welt verbessern

Wir können die Welt nur verbessern wenn wir uns nicht zu viel vornehmen; indem wir Leid bekämpfen, statt Glück zu verheißen.

Wir können die Welt wohl nicht über ein gewisses Maß hinaus verbessern. (Das freie Spiel der Kräfte kann nur „kultiviert“, also in immer konstruktivere Bahnen gelenkt werden.) Menschenrechte sollten vorzugsweise „negativ“ formuliert sein: Vor Leid schützen, statt Glück zu versprechen. (Frei sein von, statt ein Recht zu haben, auf ...) Menschenrechte sind quasi „Hygiene-Faktoren“ – wer (sich) zu viel verspricht, muss enttäuscht werden. Was allen „zusteht“, muss relativ bescheiden formuliert sein. Menschenrechte sind wie Staatsschulden: Leicht zu beschließen, schwer zu verantworten/zu garantieren.

Freiheit, UNgleichheit und Brüderlichkeit

Wie wäre es mit: Freiheit, UNgleichheit und Brüderlichkeit? Das könnte sich ausgehen... (Denn: Gerecht ist nur die Freiheit! Und: Sicherheit ist mit Gerechtigkeit schwer vereinbar - "man" nimmt die Ungerechtigkeit einfach in Kauf...)

INTELLIGENZ KANN MAN NICHT UMVERTEILEN ...

GESUNDHEIT, SCHÖNHEIT, TALENTE (LEIDER) EBENFALLS NICHT ...

... also macht man es eben beim Geld. Oder, indem man versucht, Ungleiches per Gesetz gleich zu machen...

Wir haben keine bessere Alternative - aber Demokratie könnte an sich auch als „sozialistisch“ bezeichnet werden: One man, one vote... Unabhängig von Verdiensten, demokratischer Partizipation, individuellen Fähigkeiten und Charakter.

Sogar für politische Parteien wird oft quasi "Artenschutz" gefordert: Wären gar 24 Parteien mit jeweils etwas mehr als vier Prozent der Stimmen das Ideal? Käme es nicht weniger auf die Parteien an, eher auf die Bürger und deren optimale Vertretung?

Wenn man wirklich etwas verbessern möchte, müssen manchmal auch "ketzerische Fragen" gestellt werden.

Das Leben ist ungerecht

Ungleichheit ist gottgewollt !

Das Leben ist ungerecht – daran können auch ökonomisches Wachstum, technologischer Fortschritt und staatliche Umverteilung nichts ändern ...

Auf der Suche nach Gerechtigkeit, kommt man schwer an drei berühmten Fragen vorbei: Woher kommen wir, wohin gehen wir, wozu sind wir hier? Muss alles immer für alle gleich sein? Die meisten Menschen sind einander mehr oder weniger ähnlich. Das Seltene ist eigentlich das Wertvolle ... Wir müssten die Kraft des Subjektiven stärken: Freiheit, Gewissen, Mitgefühl.

Beim Schutz für Mensch, Kultur und Natur gibt es erhebliche Interessenskonflikte. Der Anspruch auf (objektive) Gerechtigkeit nährt meist nur Materialismus: Ökonomisch, aber auch wissenschaftlich. Wäre es nicht viel wichtiger, wie sich Menschen subjektiv fühlen: Persönliches Glück und individuelle Zufriedenheit statt krampfhafter Gleichmacherei ?

Freiheit ist ein Risiko

..., ohne welches das Leben sinnlos wird!

Markt bedeutet immer auch Konkurrenz. (Siehe „Heiratsmarkt“.) Es wird immer Konkurrenz geben. Also auch Konflikte. (Und keine Regeln werden je so „gut“ sein, dass sich alle daran halten.) Jede Gleichmacherei kann Konkurrenz und Konflikte sogar noch verschärfen. Ein gewisses Maß an Ungleichheit erhöht die durchschnittliche Lebensqualität aller! (Ein gewisses Maß an Unsicherheit und Unfreiheit allerdings auch… Aber wie viel? Menschen haben unterschiedliche Präferenzen: Freiheit, Sicherheit und Gleichheit haben nicht bei jedem den gleichen Stellenwert.)

Freiheit, Sicherheit und Gleichheit stehen meist auch in Widerspruch zueinander. (Wobei Gleichheit per se am wenigsten bringt, weil sie den Kuchen weder besser, noch größer macht.) Jede Verabsolutierung eines einzelnen „Rechtes“ relativiert zwangsläufig alle anderen Rechte. Und wenn jeder alle seine Rechte ausübt, bleiben bald keine mehr übrig... (Jeden Freiraum kann man nur einmal füllen.)

Je mehr „Rechte“ es gibt, desto schwächer müssen sie sein… (Die Katze beißt sich in den Schwanz.) Kein Recht, kein Wert, sollte je zum Selbstzweck werden. Welcher „Gott“ gewährt eigentlich „soziale“ Menschenrechte oder Interessen? (Wer hat das Recht, in das Leben anderer Menschen zu (Un-)Gunsten Dritter einzugreifen?)

Charakter und Ethos als (kulturelle) Statussymbole, als Schlüssel zu „mehr“ Menschenrechten? (Wir haben nur jene Rechte, die wir einander gegenseitig zugestehen.)

Themen der Zeit

Wie weit darf man gehen als Tierschützer? Darf man Gesetze brechen, um Demokratie und Rechtsstaat zu „verbessern“? Welcher Zweck heiligt welche Mittel? Tierschützer sind vielleicht oft auch Menschen, die sich selbst „benachteiligt“ fühlen, sich dann mit den Tieren identifizieren – und in deren Namen gegen jene kämpfen, von denen sie sich unterdrückt fühlen… Andererseits sind viele auch mutig und opferbereit – und könnten so für andere zum Vorbild werden.

Ist der Missbrauchsskandal in der Kirche ein Beweis dafür, dass die Kirche eine „böse“ Institution ist? Steht der Staat, stehen andere Institutionen auf höherem ethischem Niveau? Steht es ihnen daher zu, sich in die Belange der Kirche einzumischen? Sofern die Kirche in den Staat „hinein wirkt“, sicher – aber sonst? Eine schwierige Frage – denn Gesetze sind ja immer „nur“ Menschenwerk.

Ist die Diskussion über Teile des NS-Verbotsgesetzes allein, schon ein Verstoß gegen dieses Gesetz? (Das Leugnen von Tatsachen wäre ja wohl weniger eine Frage der Meinungsfreiheit; eher eine Frage der mangelnden Bildung oder Intelligenz - oder aber von Böswilligkeit.) Ist es andererseits sinnvoll, Menschen vorzuschreiben, was sie zu denken oder zu sagen haben? Wenn wir ganz ehrlich sind: Letztlich werden wir niemals vorschreiben können, was jemand zu denken hat - ist es da sinnvoll, ihm zu verbieten, es auch auszusprechen? (Solange er nicht andere aufhetzt.) Oder machen gerade erst die Verbote die Sache interessant? (Denn wer gegen ein gerade herrschendes System opponiert, wird wohl immer dazu tendieren, justament genau das zu tun, was gerade am strengsten verboten ist.) Auch hier eine Gratwanderung... Einfach alles zu verbieten, mag einfacher sein. Aber schiebt man damit nicht auch die Verantwortung ab? Tabus sind immer gefährlich - wie gefährlich auch die Sache sein mag, die sie betreffen... (Zumal sich manche Tatbestände gar nicht so leicht eindeutig definieren lassen.) Österreich könnte es sich gar nicht leisten, die Gesetze zu ändern - darüber nachdenken, ob sie auch Nachteile haben könnten, mag aber durchaus erwägenswert sein. (Jedes Verbot kann zur Opposition herausfordern - auch wenn diese gar nicht "so gemeint" sein mag. Das bringen Tabus einfach mit sich. Allerdings könnte dies umgekehrt auch wieder missbraucht werden, um unter dem Vorwand irgendwelcher "Freiheiten" billige Instinkte auszuleben oder zu schüren...)

Sind die Studenten, die sich am Donnerstag Wortgefechte mit der neuen Ministerin Karl geliefert haben, die Elite von morgen? Genügt es, Vorwürfe zu machen und Ansprüche zu stellen?

Kann es jemals wirklich so etwas wie Chancengleichheit geben? Und wozu eigentlich überhaupt auch? Sind wir denn Gott? Wollen wir „Chancengleichheit“ mit Jesus Christus? Letztlich wohl mehrheitlich eher nicht.

Ernst Heim

Herstellung von Gleichheit

Nicht die Herstellung von Gleichheit, sondern die Bekämpfung der Armut auf der Welt wäre den Schweiß der Edlen wert. Dass beides gerne verwechselt wird, ist der eigentliche Skandal: Als ob die Armen etwas davon hätten, dass man die Reicheren ärmer macht.

Geistige Gesetze

Unser großer Dichter Johann Wolfgang von Gothe hat einmal gesagt: „Nur wer unter den geistigen Gesetzen steht ist wirklich frei.“

Die geistigen Gesetze oder besser gesagt die »hermetischen Prinzipien«, wurden das erste Mal 1908 im Kybalion niedergeschrieben. Es ist ein praktisches Lehrbuch zum Verständnis unserer göttlichen magischen Fähigkeiten. Sie haben ihre Wurzeln in den Hermetischen Gesetzen die sich als Lehre der übergeordneten Naturgesetze verstehen und dessen legendäre Figur Hermes Trismegistos war, der diese Gesetze des Urwissens auf der »Tabular Smaragdina« verewigt haben soll; mit dem berühmten Wie oben, so unten«.

Die Zehn Gebote eines Liberalen

  1. Fühle dich keiner Sache völlig gewiss.
  2. Trachte nicht danach, Fakten zu verheimlichen, denn eines Tages kommen die Fakten ans Licht.
  3. Versuche niemals, jemanden am selbständigen Denken zu hindern, denn das würde dir gewiss gelingen.
  4. Wenn dir jemand widerspricht, und sei es dein Ehegatte oder dein Kind, bemühe dich, ihm mit Argumenten zu begegnen und nicht mit Autorität, denn ein Sieg, der von Autorität abhängt, ist unrealistisch und illusionär.
  5. Habe keinen Respekt vor der Autorität anderer, denn es gibt in jedem Fall auch Autoritäten, die gegenteiliger Ansicht sind.
  6. Unterdrücke nie mit Gewalt Überzeugungen, die du für verderblich hältst, sonst unterdrücken diese Überzeugungen dich.
  7. Fürchte dich nicht davor, exzentrische Meinungen zu vertreten; jede heute gängige Meinung war einmal exzentrisch.
  8. Freue dich mehr über intelligenten Widerspruch als über passive Zustimmung, denn wenn dir Intelligenz soviel wert ist, wie sie dir wert sein sollte, dann liegt im erstgenannten eine tiefere Zustimmung als im letztgenannten.
  9. Befleißige dich peinlich der Wahrheit, selbst dann, wenn sie nicht ins Konzept passt; denn es passt noch viel weniger ins Konzept, wenn du versuchst, sie zu verbergen.
  10. Beneide nicht das Glück derer, die in einem Narrenparadies leben, denn nur ein Narr kann das für Glück halten.

Michael Twardosz

Gerechtigkeit statt Gleichheit

Festzuhalten ist erst bei gebotener Kürze einmal:

  • Gerechtigkeit ist eine spezifische Haltung (oder eine Zielvorstellung dafür).
  • Gleichheit hingegen ist eine Eigenschaft, die ich zuschreiben oder absprechen kann.

Ich kann "gerecht" handeln, aber ich kann nicht "gleich" handeln, sondern nur „gleich“ behandeln.

Beide Begriffe sind für mich auf verschiedene Weise Postulate, etwas, das man anstreben, ja fordern kann. Da aber die Begriffsinhalte durch persönliche Wertvorstellungen definiert sind, so müssen auch die daraus resultierenden Postulate unterschiedlichsten Inhalts sein.

Bleiben wir zunächst beim Gleichheitsbegriff.

Das individuelle Urteil darüber, ob etwa eine Person (oder ein Gegenstand) einer anderen (oder einem anderen) gleich erachtet wird (noch nicht zu reden davon, ob er gleichgestellt werden soll), führt notwendigerweise zur Frage: worin, also in welcher Hinsicht? Dazu kommt noch die Frage: in welchem Ausmaß?

Ist die Eigenschaft, auf die sich die Frage nach der Gleichheit bezieht, objektiv messbar, so wird die Antwort leichter fallen. Leicht lässt sich feststellen, dass die Körpergröße zweier Menschen gleich ist, oder aber dass sich die Gleichheit im definierten Bereich verhält (unter 150 cm Kinderfahrschein). Selbst im Falle von messbaren Eigenschaften ist dennoch größte Umsicht geboten (Kinderfahrschein auch für Zwergwüchsige ?!) Die Zusammenhänge, die Komplexität von Beziehungen des Gemessenen im Verhältnis zu anderen Eigenschaften, dürfen beim Messen nicht übersehen werden. Wenn etwa zwei Menschen jeweils 70 kg wiegen, so wird man zumindest die jeweilige Körpergröße, ja sogar das jeweilige Lebensalter in die Prüfung einbeziehen müssen, ob Gleichheit vorliegt.

Die Schwierigkeit entsteht also offenbar an der Schnittstelle, wo bewusst oder unbewusst keine Einigung über Art und Maß der objektiven Feststellbarkeit der nachgefragten Eigenschaft(en) besteht und zudem keine Übersicht und/oder Einigung über die Komplexität der Zusammenhänge.

Einen etwa so definierten Gleichheitsbegriff nun zum Beispiel auf gesellschaftliche Bedingungen anzuwenden, sollte nach diesen Feststellungen als entsprechend nur individuell oder als allgemeine Zielvorgabe und nicht objektiv lösbar begriffen werden können. Keiner, so meine ich, kann sich auf eine Allgemeingültigkeit einer bestimmten Definition ex ante berufen. Jeder muss die Relativierbarkeit als Recht des Anderen akzeptieren, wenn er sich nicht der Missachtung dieses Anderen schuldig machen will.

Nun zum Begriff der Gerechtigkeit.

Die meisten Menschen meinen, es gebe so etwas wie einen allgemeinen Begriff, was gerecht sei. Man spricht vom "gerechten Urteil", von "gerechter Strafe", von "sozialer Gerechtigkeit", von "Gott, dem gerechten". Sehr oft, das wird wohl nicht zu leugnen sein, gehen die Meinungen aber doch auseinander, nämlich zum Beispiel derjenigen, auf die die "Gerechtigkeit" angewendet wird und derjenigen, die sie anwenden. Die Geschichte des Hiob, in der Gott dem Teufel gestattet, einem gottesfürchtigen und wohlhabenden Mann schwerste Prüfungen aufzuerlegen, hat einen seltenen Ausgang, da doch der Geprüfte dennoch seinem Gott nicht untreu wird. Heute hingegen fragen sogar jene, die sich selbst wissentlich in Gefahr begeben und Schaden genommen haben, nicht nach eigener Schuld, sondern rufen nach Gerechtigkeit in der Bestrafung anderer vermeintlicher Schuldiger.

Offensichtlich ist also die Frage des gerechten Handelns, eines Handelns, das immer in Beziehung zu anderen Personen (oder vielleicht auch Tieren, die erleben) verstanden werden muss, engstens mit dem Objekt des Handelns verbunden. Um Gerechtigkeit zu üben, bedarf es offenbar eines gerecht Handelnden und eines gerecht Behandelten. Bei allem Verständnis für das Bestreben, einen objektiven und praktikablen Gerechtigkeitsinhalt zu generieren (was in der Gesellschaft ohne Unterlass in allen Lebensbereichen versucht wird), darf also auch in dieser Frage die Individualität des Empfindens der aktiv und passiv Betroffenen nicht unberücksichtigt bleiben.

Es geht ja maßgeblich um den Zusammenhang mit einem Schadensbegriff, und ob nun die "gerechte Kompensation" dieses zugefügten bzw. erlittenen (oder aber abzuwendenden) Schadens durch das Prinzip "Aug um Auge, Zahn um Zahn" (oder dessen Androhung) gelöst wird, oder durch Zahlung von Geldeswert oder durch Freiheitsentzug für den Schädiger; allein dieser Teilaspekt sorgt schon für weitreichende Fragestellungen.

Für das operative Zusammenleben in der Gesellschaft wird aber über die Frage der Gerechtigkeit faktischer Konsens entstehen und anzuerkennen sein. Konventionen bilden sich aus und werden automatisch wirksam. In allen gesellschaftlichen Bereichen, in der Familie, in der Schule, im Spiel, im Sport, in der Wirtschaft - überall bilden sich im Laufe der Zeit solche Konventionen stillschweigend oder gesatzt. Nicht in allen, aber in vielen Fällen bedürfen solche Normen auch der Durchsetzung, sind also "sanktionsbedürftig" im Falle ihrer Verletzung. Das Zusammenleben erfordert es also offenbar, dass Konventionen oder Kontrakte zwischen den handelnden Personen bestehen, deren Einhaltung auch erzwingbar sein muss. Woraus sich der Inhalt von solchen "Gesellschaftsverträgen" (Konventionen) oder Verträgen (zwischen Individuen oder Gruppen davon) ableitet und woher die Legitimität zur Durchsetzung bezogen wird, ist nach meinem Dafürhalten vom philosophischen Liberalismus sehr zutreffend untersucht worden, aber hier nicht unser Gegenstand.

Gerechtigkeit und Gleichheit sind somit zwei so fundamentale philosophische Begriffe, dass es sich fast schon verbietet, locker "private" Meinungen dazu zu äußern. Jedenfalls sind es für mich Kategorien eines Wertekanons jeder einzelnen Person und lassen sich daher kaum auf eine endgültige, bei allen Zustimmung findende Definition reduzieren. Religion und Humanismus versuchen bekanntlich Moral und Ethik allgemeingültig zu erfassen. Wer aber leugnet, dass es keinen zwingenden Konsens in diesen Fragen geben kann, macht sich selbst etwas vor. Ich betone: für mich sind religiöse Fragen und Antworten Essenz meiner Lebenshaltung, aber ich würde mich nie daran wagen, meine (oft provisorischen) Lösungsansätze anderen aufzuzwingen. Dies nur als Schlussbemerkung, denn legitim muss es dann natürlich doch sein, die eigene Meinung zu artikulieren, ja ich halte es sogar auch noch für legitim, zu versuchen, andere davon zu überzeugen, auch wenn ich mir noch nie große Hoffnungen auf Erfolg in diesem Bemühen gemacht habe.

Damit komme ich zum gestellten Thema: Gerechtigkeit statt Gleichheit.

Gerechtigkeit heißt ideelle oder materielle Schadensfreiheit durch Prävention oder Wiederherstellung derselben durch Kompensation. Sie wird durch konsensuales oder kontraktkonformes Verhalten gewahrt und darf unter Sanktion bei dessen Verletzung stehen.

Gleichheit ist die individuelle Zumessung von zumindest einer Eigenschaft beim Vergleich zweier Personen oder Sachen. Auf diesem individuellen Werturteil beruht die vermeintliche Gleichbehandlung, die wegen der Relativiertheit des zugrundeliegenden Gleichheitsbegriffs eine Illusion sein muss.