Diskussion:Mehr Gerechtigkeit

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Christoph Bösch

Ist „soziale Gerechtigkeit“ ungerecht?

„Soziale Gerechtigkeit“, ist eines der beliebtesten Schlagwörter unserer Tage. Was aber bedeutet das genau? Wenn Gerechtigkeit gerecht ist – was ist dann “soziale Gerechtigkeit”? Warum wird das Wort „sozial“ vorangestellt? Würde es nicht völlig genügen, einfach von Gerechtigkeit zu sprechen?

Hierarchien enden nie

Es lebe das freie Spiel der Kräfte !

Es wird immer ein freies Spiel der Kräfte geben – auch zwischen Sozialismus und Liberalismus, zwischen Nivellierung und Individualismus.

  • Was ist gerecht ?
  • Wie viel Ungleichheit ist gerecht ?

Das persönliche Gerechtigkeitsempfinden ist subjektiv. Echte Gleichheit wird es nie geben und kann es nie geben. Weil zwei Menschen niemals gleich waren oder geboren wurden – und sich daher übertriebene Gleichmacherei auf Dauer nicht gefallen lassen werden.

Andererseits gibt es auch ein Maß an Ungleichheit, das sich die Mehrheit nicht mehr gefallen lässt. Wenn es zu viele gibt, die „zu wenig“ zu verlieren haben – dann stellen diese eine Bedrohung dar für jene, die sehr wohl noch etwas zu verlieren haben.

Gleichheit und Ungleichheit - Nivellierung und Differenzierung - verlaufen in Zyklen. Irgendwann wird doch fast jeder zum Sozialisten, Kapitalisten, Konservativen usw. – die einen früher, andere eben später. Die meisten Leute sind jedenfalls bereit - ja wollen sogar - gewisse Risiken eingehen, um Erfolg zu haben. Und Erfolg bedeutet, fast per definitionem: Ungleichheit.

Objektives Recht

Der Staat gewährt ein Recht auf Aufenthalt, der Staat weist aus. Er sperrt Kranke in Quarantäne, kann eine Impfpflicht verfügen. Der Staat bestimmt, wer wen wo heiraten darf. Der Staat macht Gesetze, genauer gesagt, sind es Politiker, noch genauer gesagt, Parteien.

Kaum jemand genießt in Österreich geringeren Respekt als Politiker. Sie sind es andererseits, die unsere Gesetze machen. Wie groß kann da der Respekt vor den Gesetzen sein? Und die Justiz? Auf welchem Auge ist sie (gerade) blind? Ideologische Modeströmungen…

Es „gibt“ kein Recht auf irgendetwas.

Soziale Ungerechtigkeit

Als Tocqueville-Paradox bezeichnet man in der Soziologie das Phänomen, "dass sich mit dem Abbau sozialer Ungerechtigkeiten gleichzeitig die Sensibilität gegenüber verbleibenden Ungleichheiten erhöht".

Echte Gerechtigkeit bedeutet Rollengerechtigkeit

Jetzt wird wieder überall nach Umverteilung gerufen. Die Wiedereinführung einer Erbschaftssteuer ist dabei eine beliebte Forderung. (Müsste man dann konsequenter Weise nicht gleich auch eine Steuer auf die Vererbung „guter“ Gene einführen?) Warum soll denn eigentlich nur beim Geld umverteilt werden? Gibt es nicht auch große Ungleichheit betreffend Intelligenz, körperliche Gesundheit, Attraktivität und andere Fähigkeiten? Haben nicht manche Menschen außerdem einfach unverschämtes Glück? Man müsste das Schicksal umverteilen, doch das ist unmöglich. Gerechtigkeit durch Gleichheit ist letztlich illusorisch. Möglich wäre nur eine Rollengerechtigkeit: Elefant ist nicht gleich Eintagsfliege! (Jeder hat andere Bedürfnisse und Fähigkeiten.) Man kann nur jedem Menschen den Freiraum lassen, sich seinem Wesen gemäß zu entfalten. Seine Fähigkeiten zu entwickeln, einen entsprechenden Beitrag zu leisten – dafür Gegenleistungen zu erhalten… Bedürfnisse hängen schließlich von unserer Eigenart ab, sind unterschiedlich. Und es wird (und muss wohl) immer Hierarchien geben. Bessere und Schlechtere. (Nicht jeder kann eine Hauptrolle spielen. Es bleibt immerhin jedoch die Hoffnung gemäß der Bergpredigt: Die Letzten werden die Ersten sein.)

Systematische Gleichmacherei macht viele Menschen zum Hans-im-Glück: Man gibt auf, was man kann und hat (das primäre Kapital wären ja eigentlich unsere Fähigkeiten, Ideen, eigenen Energien!) – bis am Ende immer weniger übrig bleibt. („Sozialfall“.) Die Entwurzelung vieler Menschen entsteht ja gerade erst dadurch, dass sie sich selbst verleugnen, verlieren, verkaufen. Dass sie schon als Kinder aus sich selbst vertrieben werden – indem man sie dafür belohnt, dass sie sich verstellen. Für das Kollektiv, die Norm, den Markt; gemäß der Wissenschaft, gängigen Ideologie, gültigen Machtstruktur. Denn wer sich selbst verliert, wird abhängig. Und genau das wollen ja die etablierten Parteien, Konzerne, Militärs usw.

Umverteilung ist fast immer auch Verschwendung. Denn die Dinge kommen meist nicht dort hin, wo sie den größten Nutzen stiften. Wer aber nicht hat oder bekommt, was er wirklich braucht, sucht und nimmt natürlich Ersatz… Wirklich befriedigend ist dies nicht. Also muss die Dosis gesteigert werden - bis zur Sucht. Und das erhöht wiederum die Abhängigkeit und nützt dem „Establishment der Einäugigen“. (Mittelmaß) Um an der Macht zu bleiben, trotz Mittelmäßigkeit. In Summe jedoch, geht es ständig abwärts. (Trotz Wirtschaftswachstum und technologischem Fortschritt.) Rollengerechtigkeit ist ein Recht, bedeutet Freiheit – aber natürlich auch eine Verpflichtung. Zu geben, was man hat – und nicht zu nehmen, was man gar nicht braucht. So könnte der Teufelskreis der Kompensationen (des Neides, der Frustration und Vergeblichkeit) und Fehlsteuerungen durchbrochen werden. Alles und jeder an seinem Platz! Durch Innenorientierung – statt ständig nur auf die Symptome früherer Fehler zu reagieren… Ein gordischer Knoten: Neubeginn von innen heraus.

Gerechtigkeit für Kakteen

Der Verein "Gleiches Recht für den Kaktus" fordert:

Die Diskriminierung der Kakteen muss ein Ende haben. Es geht nicht an, dass man den Kaktus - eine schützenswerte Minderheit unter den Pflanzen - weiter im Trockenen stehen lässt! Während etwa Schilf oder Seerose ständig im Wasser stehen, Weide und Sumpfdotterblume zumindest feucht gehalten werden, enthält unsere unfaire Gesellschaft den Kakteen gnadenlos ihr "gleiches Recht auf Wasser" vor.

Daher: Umverteilung jetzt! Mehr Wasser in die Wüste! Lasst die armen Kakteen endlich schwimmen...

Während den armen Seerosen das Wasser schon bis zum Halse steht, ist der Kaktus weiter am Verdorren... Schuld daran ist natürlich das komplette Versagen des neoliberalen Finanz-Markt-Kapitalismus - dem Verteilungsgerechtigkeit bekanntlich ein absolutes Fremdwort ist!

Hier muss die internationale Staatengemeinschaft - da die Staaten aber alle selbst vom neoliberalen Kapitalismus -Virus infiziert sind, vor allem die NGOs dieser Welt - endlich rigoros ein- und durchgreifen!

Lasst die Gletscher schmelzen - aber bitte endlich für ein GUTEN Zweck...