Diskussion:Pro Vorarlberg

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Inhaltsverzeichnis

Armin Brunner

Die Grundlagen der Freiheit

Mein Gegenvorschlag: « Die Selbständigkeit Vorarlbergs: VERPASST, VERGESSEN, VERRATEN »

Arnulf Häfele

Als Vorarlberg zur Schweiz wollte

Herzlichen Dank für die großartige Serie von Hans Jakob Reich. Da wird noch gründlich gearbeitet. Toll, dass es solche Leute gibt. Jetzt sind die Werdenberger und die Obertoggenburger besser über die Frage des Schweizer Anschlusses informiert als die Vorarlberger.

Wem war der "Kanton übrig" übrig ?

Kommentar in den „Vorarlberger Nachrichten“ vom 29.12.2008

In der Säulenhalle des Parlaments in Wien wird derzeit gerade eine sehenswerte Ausstellung zum 90-Jahr-Jubiläum der Republik gezeigt. Führende österreichische Historiker blicken zurück und befassen sich am Rande auch mit uns. Es heißt dort über den versuchten Seitensprung unseres Bundeslandes nach dem Ersten Weltkrieg: „In Vorarlberg wird im Mai 1919 eine Volksabstimmung zur Einleitung von Verhandlungen über den Anschluss des Landes an die Schweiz abgehalten – über 80 Prozent sprechen sich dafür aus. Die Schweiz zeigt allerdings kein Interesse an solchen Bestrebungen. Sie befürchtet eine Störung des Gleichgewichts zwischen Sprachen und Religionen im eigenen Land. Später steht ein Anschluss an die Schweiz nicht mehr zur Diskussion.“ Hier irren die Herren der Geschichtswissenschaft aber gewaltig, und man sieht an ihrer Aussage, wie wenig man sich in Innerösterreich mit der Vorarlberger Geschichte befasst. Die Schweiz hatte großes Interesse an der Einverleibung Vorarlbergs als 23. Kanton. Schon die Volksabstimmung im Mai 1919 wurde auf Geheiß der Schweiz durchgeführt. Die Eidgenossen waren ganz wild auf die Arlberg-Strecke der Bahn. Auch militärische Gründe ließen für sie einen Anschluss Vorarlbergs als sinnvoll erscheinen. Unserem Land drohte damals gemeinsam mit dem übrigen Restösterreich der Anschluss an das Deutsche Reich, das wie wir den Ersten Weltkrieg verloren hatte. Solange diese Gefahr bestand, versuchten die Schweizer mit großen Anstrengungen, Vorarlberg zum eidgenössischen Kanton zu machen. Sie hatten damals bereits genaue verfassungsmäßige Überlegungen für die Umwandlung des Bundeslandes in einen Schweizer Kanton in der Schublade. Die Eidgenossen hatten riesige Angst vor einer verlängerten Grenze zum Deutschen Reich. Dem konnte nur abgeholfen werden, wenn man sich Vorarlberg einverleibte. Die Störung des Gleichgewichts zwischen Sprachen und Religionen war angesichts der großen Vorteile für die Schweiz zu vernachlässigen. Die 140.000 Vorarlberger wären nicht wirklich ins Gewicht gefallen.

Als im Vertrag von St. Germain am 10. September 1919 festgelegt worden war, dass sich die bestehenden Grenzen nicht verschieben dürfen, hätte man auf Schweizer Seite eigentlich das Buch über den Anschluss Vorarlbergs schließen müssen. Aber der eidgenössische Außenminister Calonder hat noch am 22. November 1919 im Ständerat das Interesse der Schweiz an Vorarlberg bekundet. Eine Grenzänderung war nicht mehr möglich. Es solle aber – wie er sagte – das freie Selbstbestimmungsrecht des Vorarlberger Volkes gewahrt werden, damit es sich, falls es sich von Österreich trennen sollte, wie Liechtenstein als selbständiger Staat mit wirtschaftlicher Anlehnung an die Schweiz konstituieren könne. Sein Ziel war ein späterer Anschluss.

Die Historiker der Parlamentsausstellung sind wohl auch dem weit verbreiteten Irrtum erlegen, die Bezeichnung „Kanton Übrig“ sei von den Eidgenossen erfunden worden, die alle einen Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz abgelehnt hätten. In Wahrheit wurde der abschätzige Ausdruck aber von dem deutschnationalen Landtagsabgeordneten Dr. Anton Zumtobel aus Dornbirn in die Welt gesetzt und in einem Flugblatt verbreitet, das derzeit in der Ausstellung „Kanton Übrig“ im Landesmuseum in Bregenz gezeigt wird. Zumtobel hat für einen Anschluss Vorarlbergs an das Deutsche Reich gekämpft und musste deshalb den Eindruck erwecken, Vorarlberg sei bei den Eidgenossen unerwünscht. Er hat wohl selber nicht geahnt, was er mit der griffigen Fügung vom „Kanton Übrig“ anstellen werde. Er konnte damit selbst noch 90 Jahre später die Historiker der Republik-Ausstellung in der Säulenhalle aufs Kreuz legen. Auch das ist eine Art Jubiläum. Dass nicht alles der Wahrheit entspricht, was im Parlament gesprochen wird, haben wir schon lange gewusst. Dass auch nicht alles stimmt, was im Parlament ausgestellt wird, haben wir nun lernen müssen.

Christoph Bösch

Vorarlberg macht sich selbständig

- und dann tritt Österreich Vorarlberg bei.

Daniel Witzig

Zuderells Dissertation

@ Ernst Heim. Vielen Dank für Ihren Hinweis auf eine Neuedition von Zuderells Dissertation. Selbstverständlich kenne ich diese Diss. Ebenso mein Professor an der Uni- Basel, Edgar Bonjour. Da Zuderell praktisch über sehr wenige Archivalien verfügte, entschlossen wir uns zu einer Neubearbeitung des Themas. Deshalb frage ich mich, weshalb diese Dissertation neu aufgelegt wurde. Haben Sie eine Ahnung?

Eduard Stäuble

nebensächliche Frage

Darf ich aber noch eine Bemerkung in Ihrem Brief aufgreifen, die ich nicht recht verstehe. Sie schreiben, dem Vorarlberger Volk sei 11. Mai 1919 „eine nebensächliche Frage zur Abstimmung vorgelegt“ worden. Was meinen Sie damit ? Wieso „nebensächlich“ ? Das täte mich interessieren.

Ernst Heim

Irreführung durch Nebensächlichkeiten

Die Ausstellung im Vorarlberger Landesmuseum hat vorwiegend über Nebensächlichkeiten der "Anschlussbewegung an die Schweiz" berichtet.

Harlan Kurtz Cohen schrieb über das Scheitern der Anschlussbewegung in seiner Dissertation eindeutig: "In seinem Kampf um Selbstbestimmung beging Vorarlberg den Fehler, zu unschlüssig und ängstlich zu sein. Auch wurde der Fehler begangen, nicht sofort die Unabhängigkeit von Deutsch-Österreich zu deklarieren und alle Beziehungen abzubrechen. Die in Vorarlberg im Umlauf befindlichen Kronen-Noten wurden nicht gestempelt, weiters wurden Eisenbahn, Post, Telefon- und Telegrafensystem sowie andere Dienste nicht sofort unter Kontrolle genommen. Der Bewegung fehlte die Entschlossenheit und Organisation, um wirkungsvoll zu handeln." Quelle: Harlan Kurtz Cohen, The Vorarlberg Question 1918-1922, Cambridge 1975

Übrig ist die Geschichtsfälschung

@ Tobias G. Natter, Direktor, c/o Vorarlberger Landesmuseum

im Rahmen der Sonderausstellung mit der irreführenden Bezeichung « Kanton Übrig » findet ua die Präsentation eines Schülerprojektes mit dem Titel "Was wäre wenn ..." statt. Sehen Sie eine Möglichkeit, mich mit dem Projektleiter bekanntzumachen ?

In diesem Zusammenhang will ich Sie auf die demnächst erscheinende Wiedergabe der Zuderell-Dissertation « Die Vorarlberger Anschlussbewegung an die Schweiz 1918 -1921 » und auf die von mir mitunterzeichnete Beschwerde an den Landesvolksanwalt aufmerksam machen.

SWR-Studio Friedrichshafen Regionalnachrichten

Redaktion: Annette Schwenck

Ihre Berichterstattung vom 03.11.08 zur Vorarlberger Anschlussbewegung an die Schweiz war im letzten Satz falsch ! Der Schweizer Bundesrat hat mit der sogenannten Calonder-Konklusion im Nov. 1919 einen für die Anschlussbewegung durchaus positiv zu wertenden Beschluss gefasst. Die wahren Gründe für das Scheitern sind bis heute nicht zuverlässig geklärt.

Die Vorarlberger Frage

@ Eduard Stäuble,

In den von mir verfassten 10 Thesen zu « Pro Vorarlberg » habe ich im Mai 2006 geschrieben:

Petitionen und Volksbegehren sind bei der geltenden (Vorarlberger) Landes- und (Österreichischen) Bundesverfassung keine brauchbaren Mittel zur Durchsetzung des Volkswillens. Die (Vorarlberger) Volksabstimmungen « Anschluss an die Schweiz » (1919) und « Mehr Selbständigkeit » (1980) sind an der falschen Fragestellung gescheitert. Eine echte Landes-Volksabstimmung ist bisher nur gegen das « Betriebsaktionenverbotsgesetz » (1957) gelungen.

Die Frage zur Vorarlberger Volksabstimmung vom 11. Mai 1919 lautete:

« Wünscht das Vorarlberger Volk, dass der Landesrat der Schweizerischen Bundesregierung die Absicht des Vorarlberger Volkes, in die Schweizerische Eidgenossenschaft einzutreten, bekanntgebe und mit der Bundesregierung in Verhandlungen eintrete? JA / NEIN »

Als nebensächlich betrachte ich die Frage zu allfällig notwendigen Mitteln. Angesichts der damaligen landes-politischen Lage hätte die einzig richtige Frage lauten müssen:

« Wollen Sie den staatsrechtlichen Anschluss des Landes Vorarlberg an die sozialistische Republik Deutsch-Österreich ? JA / NEIN »

Ich zweifle nicht daran, dass mehr als 90 % der Vorarlberger mit NEIN gestimmt hätten. Die Beauftragten der provisorischen Landesversammlung hätten damit eine klare Vorgabe für Verhandlungen mit Schwaben, Bayern, Schweizern, Liechtensteinern, Tirolern usw. erhalten. Das wollte ein kleiner Kreis von selbsternannten Demokraten offensichtlich aus kurzsichtigen partei-politischen Überlegungen nicht.

Zu meinem Bedauern haben sich bisher weder Österreichische noch Schweizer Fachleute mit der Legalität der provisorischen Vorarlberger Landesversammlung und mit der staatsrechtlichen Gültigkeit deren Entscheidungen wirklich gründlich befasst. Da sehe ich einen sinnvollen Ansatzpunkt für eine künftige grenz-überschreitende Forschungsarbeit zur sogenannten « Vorarlberger Frage ».

Die Schweiz – ein Kunstwerk

@ Eduard Stäuble,

ich beziehe mich auf Ihren Artikel und unser heutiges Telefongespräch. Ich zitiere: « Als 1919 achtzig Prozent der Vorarlberger für einen Anschluss an die Schweiz stimmten, hat die Schweiz diesem Wunsch nicht entsprochen. » Damit unterstreichen Sie einmal mehr die von Schweizerischen und Österreichischen Irr-Lehrern verkündete Un-Wahrheit.

  1. Die Wahrheit ist, dass dem Vorarlberger Volk am 11. Mai 1919 eine nebensächliche Frage zur Abstimmung vorgelegt wurde.
  2. Die Wahrheit ist, dass der Schweizerische Souverän nie Gelegenheit hatte, über die Vorarlberger Anschlussfrage abzustimmen.

Ferdinand Riedmann, der Initiator der Vorarlberger Anschlussbewegung und seine namhaften Schweizer Freunde haben eine späte Rehabilitierung verdient.

Einzig Sigmund Widmer, der ehemalige Stadtpräsident von Zürich, bringt es auf den Punkt: « Das Verhalten des Bundesrates in dieser Angelegenheit darf man schlicht und einfach als einen Fehler bezeichnen. » (Illustrierte Geschichte der Schweiz, Zürich 1982 S416)

Eine ähnliche Bewertung muss sich die damalige provisorische Vorarlberger Landesversammlung gefallen lassen. Dafür will ich mit meinen Freunden per Internet sorgen.

verpasst - vergessen - verraten

@ Freunde,

dank der Anregung von Armin Brunner übernehme ich obigen Spruch (Schlachtruf, Slogan) - bis auf Widerruf - als Arbeitsbezeichnung.

Im konkreten Fall geht es mir um die Frage: « Wer hat die Mitglieder der provisorischen Landesversammlung ermächtigt, mit dem Beschluss vom 15.03.1919 den eindeutigen Willen des Landesvolkes auf hinterhältige Weise zu umgehen ? »

Pro Vorarlberg

@ Daniel Witzig,

wie Sie sehen, ist das von Ihnen in 70-er Jahren sehr gründlich bearbeitete Thema wiederholt Gegenstand von Diplomarbeiten. Davon zeugen ua die neuesten Arbeiten von Dietmar Hagen (2003) und Margarethe Lang (2004).

Von Ulrich Vetsch habe ich dankenswerterweise einen ausführlichen Nachruf erhalten und hier veröffentlicht.

Die Grundlagen der Freiheit

@ Freunde,

ich hatte die Gelegenheit mit M.L., einer jungen Vorarlberger [...]-Diplomandin, zu sprechen. Dabei habe ich ua auch den gleichlautenden Artikel in «  Landstände und Landtag in Vorarlberg » von Benedikt Bilgeri erwähnt.

Was meint ihr zu einem neuen wiki-Artikel « Verlorene und vergessene Souveränität » ? Gegenstand der Untersuchung müsste es ua sein, wie dem Vorarlberger Landesvolk in den vergangenen Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten seine historisch mehrfach bewiesene Souveränität (für alle Fremdwörter gibt es auch deutsche Ausdrücke; die Frage ist, ob diese aussagekräftiger sind bzw. besser verstanden werden) abhandengekommen und diese auch praktisch in Vergessenheit geraten ist.

Fritz Danner

Die Grundlagen der Freiheit

Wenn jemand in der Lage und Willens ist dies zu tun, wäre es für den Impuls zur (Wieder-?) Einführung der direkten Demokratie in unserem Lande eine kräftige Unterstützung.

Hanno Wehinger

Geschichtsbild

Zum Leserbrief „Kanton übrig“ vom 14. Jänner: Wenn bei der Volksabstimmung von 1919 mehr als 80 % der Vorarlberger für einen Beitritt zur Schweiz stimmten, ist dies der Beweis dafür, dass der überwiegende Teil unserer Vorfahren die damaligen deutschnationalen Tendenzen ablehnte und diesen zu entkommen suchte. Man sah das Unheil schon heraufziehen. Trotzdem versuchen viele Historiker der Nachkriegsgeneration (Alt-68er), ein völlig anderes Geschichtsbild zu zeichnen: Vorarlberg hätte die Deutschnationalen „mit fliegenden Fahnen“ begrüßt! Dahinter stecken Zwänge: Wer das von oben verordnete Geschichtsbild nicht akzeptiert und eigene Forschungen anstellt, erhält keine öffentlichen Förderungen. Er setzt sich auch einer „Gesinnungsjustiz“ aus, die jedes Bemühen um historische Wahrheiten mit harten Strafen ahndet. Wer das verordnete Geschichtsbild bezweifelt, wird schnell zum „Wiederbetätiger“. Belohnt wird nur, wer noch irgendwo einen „Ehemaligen“ aus dem Grab holt, um damit zu beweisen, so wären „alle“ gewesen. Dazu wird gesagt, wir müssten aus der Vergangenheit lernen. Aus welcher Vergangenheit? Aus der von oben verordneten oder jener, die der historischen Wahrheit entspricht?

  • Hanno Wehinger, Feldkirch / WANN & WO, 11.02.2009

Peter Streitberger

Pro Vorarlberg

jeder mensch, der sich schon einmal von unseren politikern als dumm verkauft, über den tisch gezogen, als überheblich zur seite gestellt etc. empfunden hat, muss das interesse an einer veröffentlichung der 10 thesen haben !

Rudolf Schmidheiny

Werdet rechte Eid-Genossenschafter

Was man bereits ist, kann man bekanntlich nicht mehr werden. Bin ich denn kein Eid–Genosse? Kommt doch einfach zu uns in die Schweiz und werdet rechte Eid-Genossenschafter. Wir haben immer weniger davon. Oder führt den Anschluss nach hundert Jahren Vorarbeit jetzt einfach durch. Wie wäre das?

Ich glaube, dass die Anschlussgeschichte dazu geeignet ist, aus Fehlern zu lernen: die Schweizer Anschlussbefürworter (Vetsch, Engensperger, Gelpke, Winiger usw) kamen vorwiegend aus der "politischen Elite"; die Vorarlberger Anschlussbefürworter (Riedmann und seine Verbindungsleute in den Gemeinden) waren dagegen vorwiegend "gewöhnliche Leute". Die einen wollten die Angelegenheit "von oben nach untern", die anderen "von untern nach oben" betreiben. Da gab es offensichtlich von Beginn an Verständigungsschwierigkeiten.
Was ich suche sind allerdings nicht "Papier-Eidgenossen", sondern "Werk-Eidgenossen". Und die sind aus meiner Erfahrung nicht so einfach zu finden. Aber bekanntlich gilt grenzüberschreitend: "suchet, so werdet ihr finden" Mt 7,7 EH