Diskussion:Schicksal und Zufall
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Christoph Bösch
Das Schicksal ist zumutbar
Ungleichheit kann ungerecht, aber Gleichheit muss nicht immer gerecht sein
Wirkliche „Gleichberechtigung“ wird es nie geben. Vielleicht „Rollengerechtigkeit“, eine gerechtere Rollenverteilung wäre möglich. Jeder spielt (s)eine Rolle... Gleichheit ist eigentlich ohnehin kein Wert an sich. Eher eine Vorstellung. Und oft ein Vorwand zur Entmachtung der Bürger. Unter dem Motto, „Jedem das Deine“, werden dann Steuergelder zwecks Wählerstimmenmaximierung umverteilt… (Und wenn das Geld knapp wird, verteilt man eben „Rechte.“) Das eigentliche Ziel ist aber vor allem eine Umverteilung der Macht vom Volk zum Parteienstaat.
Doch der Staat ist nur ein Hygienefaktor, Schutznetz. Er hätte in erster Linie jenen zu helfen, die ihn überhaupt darum bitten. Oberstes Ziel könnte es dabei sein, möglichst vielen zu helfen, sich einmal aus ihrer eigenen Abhängigkeit zu befreien. (Von Parteien, Experten, Medien und Konsum.) Doch die Abhängigkeit beruht ja längst auf Gegenseitigkeit: Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien wollen gar keine eigenständigen Verantwortungsträger…
Wenn es wirklich um Gleichheit ginge, dürfte man nicht nur beim Geld umverteilen. Denn Intelligenz, Schönheit, Gesundheit – aber auch „Glück“ (zweideutig!) sind ja auch ungleich verteilt – doch sie lassen sich nicht so leicht messen… Warum aber, soll man eigentlich Ungleiche(s) überhaupt gleich behandeln? Ein Elefant ist keine Eintagsfliege. Ehrliche Gerechtigkeit wäre ohnehin weit eher eine Empfindung als eine Norm – also nie wirklich objektiv. Doch wir haben unser Leben „verwissenschaftlicht“ – zum Schaden für Mensch, Natur – aber auch Kultur.
Ungleich-Berechtigung für alle - „gleiches“ Recht ist eine Fiktion
Gleichheit setzt Vergleichbarkeit voraus. Objektivität bedarf der Quantifizierbarkeit. Qualität muss dabei vernachlässigt werden, weil sie relativ und schwer bewertbar ist… Der Mensch, das Leben, ist subjektiv. Jede Situation ist anders. Auch Menschen unterscheiden sich – bei aller Ähnlichkeit.
Der Gleichheitswahn ist eine Begleiterscheinung der Verwissenschaftlichung des Lebens. (Kein Wissen in der Welt wird je das gesunde Empfinden ersetzen. Wissen muss immer aus der Vergangenheit sein - in der Gegenwart kann ich nur denken, empfinden, meinem Gewissen folgen... Daher ist es auch naiv, an objektive „Rechte“ zu glauben.) Beweisen kann man nur Dinge. Für das Leben selbst gibt es keine Beweise.
Gleichheit gibt es in der Mathematik, Mechanik, vielleicht noch in der Soziologie. Aber nicht im Leben. (Wir werden nie gleich gut sein können, höchstens gleich schlecht.) Wir degradieren uns selbst zu Nummern. Reduzieren Menschen krampfhaft auf quantifizierbare Kriterien...
Schicksal per Gesetz ?
Überall mischt sich der Staat ein. Ständig werden neue Rechte erfunden - noch bevor überhaupt die alten mit Inhalt erfüllt sind. Mit den Rechten gehen meist Verbote einher - und/oder neue Steuern. Wie Sisyphos versucht man, Schicksal umzuverteilen. Denn auf eines scheinen wir kein Recht zu haben: eigenes Schicksal.
Hat jeder Mensch die gleichen Rechte ?
Jeder sollte vor allem ein Recht auf eigenes Schicksal haben!
Rechte und Pflichten, Freiheit und Verantwortung, sind kommunizierende Gefäße. Freiheit verpflichtet, Verantwortung befreit... Welche Rechte bringen die größte Freiheit; den größten Nutzen, bei geringsten Kosten - ohne andere einzuschränken? Zuerst wohl das Recht auf individuelle Eigenart.
Das Individuum wäre die Minderheit schlechthin. All die anderen Minderheiten und ihre Rechte sind relativ; sie polarisieren und bleiben in einer Demokratie außerdem Theorie - bis sie von einer Mehrheit akzeptiert werden.
Die wichtigste Verteilungsfrage wäre dann die Rollenverteilung: Gerecht ist, wenn jeder seine eigene Rolle spielen kann. Doch wir belohnen Menschen dafür, dass sie sich verstellen. Dabei wird der vielleicht größte Wert vernichtet, den jeder hat: Sein Schicksal.
Leid und Verdrängung
Ich bin auf der Seite der Leidenden. Wenn mir das Leid oft noch realer scheint als das Glück… Man könnte sich fragen: Was im Leben ist es wert, so zu leiden, wie es viele tun - immer getan haben…? Hängen wir einfach zu sehr am Leben? Vielleicht leiden viele nur deshalb so sehr.
Wenn nichts Bedeutung hat, wird das Leben natürlich leer, sinnlos. Wenn andererseits alles zu große Bedeutung hat, kann Leben auch zur Qual werden… Dann kann es besser sein, die Welt mehr als Bild, Gleichnis zu sehen – sich weniger damit zu identifizieren, mehr Abstand zu gewinnen. (Lebenskunst bedeutete vielleicht auch, die Flamme nicht ausgehen, aber auch nicht zu hoch lodern zu lassen...)
Ich sehe mich als Mediator – selbst wenn nicht beide Seiten zumindest teilweise Recht haben sollten, müssen sie dennoch ernst genommen werden… Schon aus pragmatischen Gründen. Es muss ja nicht immer nur darum gehen, Recht zu haben - sondern auch zu helfen, etwas konkret, wenigstens ein bisschen, zu verbessern. Was für mich zählt, ist die Lösung von Problemen. Das Leid auf der Welt ist nicht zu leugnen. Ich bin auf der Seite der Leidenden. (Weniger auf der Seite der Jammernden - speziell, wenn sie im Namen Dritter jammern!) Und sehr oft bedeutet Glück wohl wirklich vor allem auch Abwesenheit von Leid...
Ein zentraler Punkt ist auch die Verdrängung. Die „Wahrheit“ ist doch meist das Unangenehme. Denn das Angenehme wird ja kaum verdrängt – und daher auch nicht als „die“ Wahrheit bezeichnet. Wie verdrängen wir? Sehr oft einfach mit Hilfe von (fixen) Vorstellungen. Man schaut dann nicht nach außen und innen, hört nicht auf sich oder andere – sondern verschließt sich, sowohl nach innen als auch nach außen - gegenüber Wahrnehmungen, Empfindungen und dem „Bewusstsein der jeweiligen Gegenwart“.
Verdrängt wird aus dem Bewusstsein und aus dem Empfinden... Eigene und fremde (vor allem aber alte) Vorstellungen verdrängen Bewusstsein aus der jeweiligen Gegenwart. (Und Vorstellungen sind meist „gemacht“ - nicht „von selbst" gewachsen – um einem bestimmten Zweck zu dienen.)
Schicksal kann man nicht verbieten
Jede Plan- und Machbarkeit hat ihre Grenzen
Wissenschaft und Staat, Fortschritt und Wachstum – alles hat seine Grenzen. Im freien Spiel der Kräfte, wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die Menschheit kann aus Erfahrung lernen – nicht immer jedoch, führt diese Erfahrung zu entsprechenden Handlungen. Etwa, weil Emotionen oft über die Vernunft siegen… Die Aufklärung hat Adel und Klerus entmachtet – nicht jedoch die Götter (so es welche geben sollte) und die Kraft des Schicksals. Das Verdienst der Aufklärung ist der Zweifel einerseits – und die Offenheit für Alternativen andererseits... Erwiesen ist in Fragen des Schicksals dadurch aber nicht mehr als zuvor. Letztlich gibt es ja im Leben überhaupt meist eher Indizien, sehr selten echte Beweise. Die Wissenschaft hat uns viele nützliche Erkenntnisse gebracht, endgültig sind sie nicht. Der (Rechs-)Staat regelt unser Zusammenleben – schränkt es aber auch ein. Die Demokratie kann eine effektive Herrschaftsform sein, wenn sich die Beteiligten als reif dafür erweisen.
Wie frei ist unser Wille? Gibt es eine „Bestimmung“ (und wenn ja, woher kommt sie?) Die Aufklärung hat die Götter verdrängt – aber wer oder was kann sie ersetzen? Der Feudalismus wurde zurückgedrängt, nicht jedoch zahlreiche feudale Strukturen. Die Archetypen „Gott“ und „König“ leben in uns fort – und suchen nach kompensatorischen Identifikationsfiguren. Man kann ein Herrscherhaus stürzen – die Sehnsucht nach starken Führungspersönlichkeiten bleibt jedoch so lange, bis die meisten Menschen ihre Autorität in sich selbst finden, Eigenverantwortung übernehmen. Und Gott kann man nicht einfach „abschaffen“, nur in Frage stellen – und es dann jedem Einzelnen überlassen, ob oder was er glaubt…
Die Hand Gottes
Ich glaube es (dass sich so etwas - wie NK - niemand mehr zu sagen getraut) liegt daran, dass die Menschen es nicht mehr so sehen wollen. Sie wollen selbst die Verantwortung haben (seit der Aufklärung). Ich glaube, man kann es in beide Richtungen übertreiben - aber was WISSEN wir schon? Jeder muss wohl selbst entscheiden, WAS er glaubt (und ich etwa glaube, was und wie ich empfinde - nicht, was mir A oder B sagen - jedenfalls nehme ich mir dies vor...)
"Der Mensch ist die Hand Gottes", ist ein Zitat, das mir recht gut gefällt. (Zu viel Ehrfurcht ist nicht gut, weil wir dann die Verantwortung abgeben; gar keine vielleicht noch schlimmer, weil es letztlich zum Größenwahn führt...)
Jemand hat einmal gesagt: Wieso kann der Mensch an allem schuld sein, wenn Gott die ganze Macht hat?
Nikolaus von Kues war ein großer Visionär, den ich sehr schätze - und der den geistigen Niedergang in der Neuzeit schon sehr früh prophezeit hat.
Zufall ist Schicksal
Schicksal ist das "Kräfteparallelogramm" aus Bestimmung und freiem Willen
(wobei Zufall auch Teil einer Bestimmung sein könnte - wenn z.B. etwas genau eine Wahrscheinlichkeit von 50% hat, - die Götter könnten ja auch den Zufall "eingeplant" haben...)
Wenn vom "freien Spiel der Kräfte" die Rede ist, denke ich immer auch an die (griechische) Mythologie... im Christentum gibt es einen (dreifaltigen) Gott - dafür aber viele Heilige (Geister, Dämonen, Engel...?) alles gar nicht so einfach...
Fazit für mich: "Gefühle sind die Sprache Gottes" (meiner Intuition kann ich folgen...) Mut und Demut...
In der Astrologie sind übrigens die einzelnen Kräfte (entsprechend antiken Göttern) in ihrer Form, Kraft und in ihrem Zusammenspiel erfasst (regelmäßige Zyklen in immer neuen Kombinationen, die die Einmaligkeit der Zeitqualität, aber auch der Persönlichkeit abbilden - als Modell - oder als Rollenbeschreibung, Drehbuch - wobei es auch um Wahrscheinlichkeiten, nicht um Sicherheit geht - denn es ist ja nur die BESTIMMUNG vorgegeben, nicht jedoch das Schicksal "selbst" - weil das ja auch vom freien Willen abhängt - dem eigenen und jenem der anderen...)
So, wie es Orte der Kraft gibt, gibt es wohl auch "Zeitpunkte der Kraft"...
Ernst Heim
Vorbild des absoluten Geistes
« Gott schafft und formt als der absolute Künstler, Held und Denker, und die großen Menschen schaffen ihre Werke, Systeme und Gebilde nach dem Vorbilde des absoluten Geistes. Gottes Wirken ist nicht unverständlicher als das Schaffen eines menschlichen Künstlers. Gott wirkt, wie sich der große deutsche Kardinal Nikolaus von Kusa ausdrückt, - alle seine Werke dazu, damit die Welt ein stetig zusammenhängendes einheitliches vollendetes Ganzes sei: ut sit unum continuum perfectum universum. »
Welcher Mensch traut sich das heute noch zu schreiben ?
Mangelhafte Begriffsbestimmung
Die Festlegung « Zufall ist der Übergang aus einer Ausgangssituation in eine von mehreren möglichen Endsituationen. Bei wiederholtem Vorliegen derselben Ausgangssituation können genauso - ohne erkennbare Ursache - die anderen Endsituationen eintreten. Umgangssprachlich wird der Begriff Zufall verwendet, wenn ein Ereignis nicht kausal erklärbar ist. » bedarf mE einer Verbesserung.
Wesentlich werden
« Mensch, werde wesentlich: denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht. »
- Das Wesentliche ist ja wohl vor allem das dem WESEN jedes Einzelnen Entsprechende. CB
Vor allem hilft das dem WESEN Widersprechende, den eigenen WEG zu finden.
Vera-Patricia Dubinski
Nimm dir Zeit
Nimm dir Zeit! Nimm dir Zeit zu denken - das ist die Quelle der Macht. Nimm dir Zeit zu lesen - das ist die Grundlage der Weisheit. Nimm dir Zeit zu arbeiten - das ist der Weg zum Erfolg. Nimm dir Zeit zu spielen - das ist das Geheimnis ewiger Jugend. Nimm dir Zeit zu ruhen - das ist die Quelle der Kraft. Nimm dir Zeit zu träumen - das ist Elixier für dein Leben. Nimm dir Zeit zu lieben - das ist das Vorrecht der Götter. Nimm dir Zeit, zärtlich zu sein - das ist die Quelle des Glücks. Nimm dir Zeit zu lachen - das ist Musik der Seele. Nimm dir Zeit, freundlich zu sein - das verändert die Welt. Nimm dir Zeit zu trösten - das ist Balsam für die Seele. Nimm dir Zeit, barmherzig zu sein - das ist der Weg zum Himmel. Nimm dir Zeit zu leben - das ist die Erfüllung deines Lebens.
(nach einem alten irischen Segenswunsch)