Diskussion:Wort zum Mittwoch
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Christoph Bösch
Quellen und Flüsse
Die Quellen und die Flüsse: Der Fluss bleibt immer mit seinem Ursprung in Verbindung, bewegt sich jedoch in der Gegenwart ständig weiter. Das ist ein gutes Bild für die Kultur. Die Quellen und Ursprünge nicht vergessen, aber immer in der (Geistes-)Gegenwart bleiben...
Und Wertschöpfung sollte wohl bei sich beginnen, beim Individuum. Aus sich selbst heraus. Dem eigenen Empfinden. Eigenen Ideen. Die eigene Kraft(quelle) fließen lassen. Statt andere auszunützen, die Natur auszubeuten, Ideen zu kopieren, fremde Rollen zu spielen.
Ernst Heim
Niemals
Versuche niemals, alles zu verstehen -
manches wird nie recht viel Sinn machen.
Sträube Dich niemals, Deine Gefühle zu zeigen -
wenn Du glücklich bist, zeige es!
Wenn Du es nicht bist, finde Dich damit ab!
Scheue Dich niemals davor, etwas zu verbessern -
die Ergebnisse könnten Dich überraschen.
Lade Dir niemals die Last der Welt
auf Deine Schultern.
Lass Dich niemals von der Zukunft einschüchtern -
lebe einen Tag nach dem anderen.
Fühle Dich niemals der Vergangenheit schuldig -
was geschehen ist, ist nicht mehr zu ändern.
Lerne von den Fehlern, die Du gemacht hast.
Fühle Dich niemals allein,
es gibt immer jemanden, der für Dich da ist
und an den Du Dich wenden kannst.
Vergiss niemals, daß alles,
was Du Dir nur vorstellen kannst,
auch erreichbar ist.
Stell Dir das vor!
Es ist nicht so schwer, wie es aussieht.
Höre niemals auf zu lieben.
Höre niemals auf zu glauben.
Höre niemals auf zu träumen.
Die Botschaft des Brunnens
In der Mitte eines alten Bauernhofes steht ein Ziehbrunnen. Generationen schöpften täglich ihr Wasser daraus. Köstliches, kühles Wasser aus der Tiefe des Erdreiches. Dann kam das technische Zeitalter. Der junge Bauer deckte den alten Brunnen zu und legte eine elektrische Pumpe an. Nach Jahren erinnerte sich der Mann an das frische, köstliche Wasser aus dem Brunnen in der Mitte des Gehöfts. Er deckte ihn auf und war überrascht, dass der Brunnen ausgetrocknet war. Jahrhunderte hatte er seinen Vorfahren Wasser gespendet, jetzt war er versandet. Ein Geologe erklärte es ihm. Ein Brunnen, und so ist es auch mit einer Quelle, speist sich aus vielen kleinen Wasseräderchen. Wenn man nicht ständig Wasser daraus schöpft, versanden die kleinen Bäche und der Brunnen trocknet aus, oder die Quelle versiegt. Eine Quelle, die ich nicht ständig aufsuche, versiegt. Wo sind sie, die Quellen in meinem Leben, die mir köstliches, kühles Wasser spenden? – Lasst uns aufbrechen und sie suchen!
Michael Twardosz
Sich selbst ändern
« Jeder der sich selbst verbessert, dient der Menschheit mehr als tausend, die die Welt verbessern wollen. »
Zu dem trefflichen Spruch: ich bin der Überzeugung, dass man überhaupt nur sich selbst ändern kann; das ist der einzige Weg für ein gedeihliches Zusammenleben in der Ehe und Partnerschaft und mit den Kindern („erziehen“ heißt nämlich vorleben). Es ist gar nicht möglich, andere Menschen zu ändern, denn auch die können nur sich selbst ändern!
Der schlimmste Fehler in meinen Augen ist in diesem Zusammenhang, wenn man versucht, anderen den eigenen Wertekatalog aufzuzwingen. Selbst Werte, die man als „absolut“ erkannt hat (oder erkannt zu haben glaubt!), können anderen nichts bedeuten. Das Studium des Buddhismus hat mich gelehrt, andere Sichtweisen nicht von vornherein abzulehnen sondern zu prüfen. Häufig wird dazu der folgende Auszug aus einer Lehrrede des Buddha zitiert (und ist daher vielen schon bekannt):
« Geht, Kālāmer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters! Wenn ihr aber, Kālāmer, selber erkennt: 'Diese Dinge sind heilsam, sind untadelig, werden von Verständigen gepriesen, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Segen und Wohl', dann, o Kālāmer, möget ihr sie euch zu eigen machen. »
- Die Rede an die Kālāmer A.III. 66
- « Der archimedische Punkt, von dem aus ich an meinem Orte die Welt bewegen kann, ist die Wandlung meiner selbst. » Martin Buber, Der Weg des Menschen; EH
Das überrascht mich, zumal Martin Buber ja einem jüdischen religiösen Sozialismus das Wort redete und – so wie ich das beurteile – ständig als Weltverbesserer unterwegs war. Ich habe den Verdacht, da hat er Anleihe genommen, ohne sich selbst strikt dran zu halten. Vgl. Der Weg des Menschen
- Sprichwörtlich: "Wasser predigen und Wein trinken" ? EH
So „scharf“ würd ich es nicht ausdrücken wollen; ich denke mich in diesen religiösen Menschen hinein und vielleicht ist ihm der (uns jedenfalls erscheinende) Widerspruch nicht aufgefallen oder er hätte eine perfekte Erklärung dafür gehabt? Vielleicht ist es auch noch viel einfacher: die Chassidim waren für ihn wohl eine religiöse Autorität, die er zitierte (von dorther kommt das u.a. Zitat ja offenbar), ohne gleich sein „Weiterdenken“ aufzugeben.
Das Christentum ist in seiner „Jesus“-Fassung (Bergpredigt!) ja zweifellos auch „sozialistisch“ oder gar „kommunistisch“; erst die „Paulus“-Fassung entspricht der späteren Entwicklung und dem – vorläufigen – heutigen Stand. Keine Frage, dass der Zeitgeist sich lieber auf Jesus als auf Paulus beruft. Ob zu Recht, sei dahingestellt, denn die Katholiken im Gefolge der 1968er-Revolution (Prototyp: „Wir sind Kirche“) klaubt sich jeweils heraus, was genehm ist. (Demut wäre zum Beispiel ein Aspekt des Jesus-Urchristentums, den die sich halt nicht so gar nicht herausgepickt haben.)
Da könnte man jetzt stundenlang argumentieren…
- Ich bezeichne Jesus als Liberalen !
- Er trat doch eindeutig für die Vertragsfreiheit ein: « Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. » Mt 20,2 ff; EH
Wahrscheinlich haben wir nicht den gleichen Begriff von „liberal“. Auf das Gleichnis vom Weinberg mag ja noch zutreffen, was Sie sehen, obwohl das Prinzip, dass – auf Grund willkürlicher Festlegung des Lohnes durch den Besitzer des Weinbergs – die Letzten die Ersten sein werden (und umgekehrt) wohl eher dem Feudalismus entspricht, als einem liberalen Marktgeschehen. Ich habe mich in meiner Festlegung auf die Bergpredigt mit den Seligpreisungen bezogen. Mt 5 oder LK 6
Die Heilslehre des Jesus Christus spiegelt sich wohl am ehesten in den Phänomenen des Urchristentums wider, der Zeit, als die Christen sich noch als jüdische Erneuerungsbewegung verstanden, die Zeit vor dem Umbau zur neuen Religion durch Paulus.
Peter Streitberger
Rudolf Schmidheiny
Alle meine Quellen sind in Dir
Charles E. Cowman's Andacht - Buch heisst, wenn ich mich richtig erinnere: Alle meine Quellen sind in Dir, wen er meinte musst'e ausdenken oder nachlesen. Dann gab's mal so 'n Jeremia-Heiny, der sprach zum Volk von vertrockneten Quellen. Von dort könnte Cowman sich inspiriert haben.
(Es ist mir zutiefst zuwider mit Bibelworen um mich zu werfen, ich zitiere hier einfach den Quelltext, der Teil unserer abendländischen Kultur ist, zu der ich mich hoffentlich zählen darf, ohne mich dafür entschuldigen zu brauchen) Jeremia 2,10-14 "Denn geht hin zu den Inseln der Kittiter und schaut, und sendet nach Kedar und gebt genau acht und schaut, ob's daselbst so zugeht: ob die Heiden ihre Götter wechseln, die doch keine Götter sind. Aber mein Volk hat seine Herrlichkeit eingetauscht gegen einen Götzen, der nicht helfen kann! Entsetze dich, Himmel, darüber erschrick und erbebe gar sehr, spricht der HERR. Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: mich, die lebendige Quelle verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und kein Wasser geben." In jedem Buch ist es immer besser, wenn man den Gesamtzusammenhang beachtet, darum, falls Du nachliest, bereite Dich drauf vor, etwas Zeit zu haben. (schau nach Jer. 17, 13 mit Kontext)
Brunnen, Wasser: Welch ein Thema in der Bibel, welch ein Lebensthema. Ohne Wasser keine Reinigung, ohne Reinigung kein Leben, Durst, Elend, Tod. So kam doch einer - man werweiste noch, wer er sei, zuletzt brachten sie ihn an der Stelle eines Mörders um -, der mit einer Hure auf dem Brunnenrand sass, der behauptete: "Wer an mich glaubt, wie die Schrift (die Quelle der Wahrheit?) sagt, von des Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fliessen" ... schau weiter bis Offenbarung 22,1 (das letzte Kapitel meiner Bibel):"Und er zeigte mir einen Strom des lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes, Auf beiden Seiten des Stromes mitten auf der Gasse ein Baum des Lebens, der trägt zwölfmal Früchte und bringt seine Früchte alle Monate, und die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker" .... V 17 " Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! und wer es hört, der spreche Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme Wasser des Lebens umsonst." Jetzt bin ich am Schluss und denke doch an den Anfang, Genesis 1, 1-2: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe: und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser" und so weiter und so fort. Du findest in der Bibel Brunnen, du findest die Flut, Trockenheit, bitteres Wasser, süsses Wasser, Meerwasser, Jordanwasser ... Das löst fast eine Sonntagspredigt aus, was du da angezettelt hast.
Übrigens war es m.W. Erasmus von Rotterdam, der zu den Quellen zurückrief, es kamen die Reformer, die alle schön Katholiken waren und es bis heute geblieben sind. Nur die Kirche von Rom hat sich von ihnen distanziert. Die Reformierten waren sich sicher, dass sie, indem sie sich den Quellen zuwandten, mindestens so sehr zur Gesamtkirche (katholisch, allumfassend) gehörten, wie die römischen Papisten. Die Reformer hatten keine neuen Kirchen oder Sekten gegründet, sondern die alte Kirche umgekrempelt, durch das Wort der Predigt vor allem. Da kommt mir das Wort Rohrmosers unweigerlich wieder in die Quere, resp. seines Nachlassverwalters: Die Philosophie, die uns in die heutige geistig, gesellschaftlich, soziale, ökonomische, theologische, pädagogische (oder was immer) Schieflage gebracht hat, kann uns nur helfen, die heutige Lage zu verschlimmern. Um rauszukommen, brauchen wir eine neue Philosophie, die "Wiederaneignung unserer Herkunftskultur inklusive ihrer Stiftungsreligion". War das das Ende der Predigt? Gott weiss, wo und wie die weitergehen wird. HEINY HILFT auch Predigten auszuarbeiten, wenn er gefragt wird. [...] Nur wer die Geschichte kennt - ich kann dies für mich nicht beanspruchen - kann in etwa abschätzen, was für Wirkungen davon ausgehen können, wenn wir die Quellen aufsuchen.
