Ernst Rüesch

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Inhaltsverzeichnis

Person

Dr. rer. publ. h. c., geb. 1928, aufgewachsen in Engelburg, Sekundarlehrer in Rorschach, als FDP-Regierungsrat Vorsteher der Erziehungsdirektion des Kantons St.Gallen, Präsident der Schweizerischen Hochschulkonferenz, Stiftungsrat des Nationalfonds, 1987-95 Ständerat, zahlreiche Verwaltungsratsmandate.

Geschichte und Politik

« Das Thema 'Geschichte und Politik' behandle ich aus der Sicht eines ehemaligen Berufspolitikers, dem die Geschichte nicht nur eine Hobby, sondern stets eine Orientierungshilfe war. » Vortrag für den Bekannten- und Freundeskreis, herausgegeben von Arthur Eugster, alt Privatbankier, St.Gallen 2006

Vom Nutzen der Geschichte für die Arbeit des Politikers

Der Wandel des Geschichtsbildes und der Einfluss der Politik auf die Geschichtsschreibung

Methoden, um die Geschichte für politische Zwecke zu schreiben oder umzuschreiben

  1. Die Geschichtsfälschung
  2. Die Schönung der Geschichte
  3. Glorifizierung und Verdammung
  4. Die gezielte Auswahl und das Totschweigen von Fakten: Gewisse Historiker benützen die Quellen wie einen Steinbruch, Passendes wird mitgenommen, Unpassendes liegen gelassen. Dokumente, welche in die vorgefasste Meinung passen, werden ausgewählt, gut isoliert und geschickt aneinander gereiht.
  5. Verzerrung der Massstäbe und Proportionen
  6. Die Demontage von Mythen und die Bildung von Gegenmythen
  7. Die Behauptung von angeblichen Legenden und Mythen und deren sofortige Zerschlagung
  8. Die Nutzbarmachung von Mythen für beliebige Zwecke
  9. Die Auswahl der Gutachter
  10. Beurteilung von Sachverhalten aus heutiger Sicht und nicht aus der betreffenden Zeit heraus

Schlussgedanken

Der Marburger Theologe Rudolf Bultmann vertrat in einer Vortragsfolge zum Sinn der Geschichte die Auffassung, je grösser die Verantwortung eines Menschen sei, desto mehr bedürfe er auch der Kenntnis der der Geschichte, aus der er komme. Die kritische Kenntnis der Vergangenheit sei eine dringende Pflicht.

Wenn der Politiker die Geschichte in der Vorbereitung d.h. in die Lagebeurteilung einbeziehen will, benötigt der nun erwähnten zehn Methoden, die Geschichte zu stilisieren, möglichst objektive Geschichte. Etwa in der Qualität, wie man nein Pater Iso Müller nachsagt: ‚Seine Studien sind völlig aus den gearbeitet und von unbestechlicher Qualität. Charakteristisch Müller seine Nüchternheit und Zurückhaltung, die sich ganz historischen Sachverhalt konzentriert, wie er aus den Quellen werden kann.’

Wie kommen wir der Objektivität näher? Willi Gautschi meint, Geschichtsschreibung umfasse auch den Anspruch, Auffassungen gerecht zu werden, die dem Forscher eher fremd sind, ihm vielleicht geradezu widerstehen. Schiller sagt in seiner berühmten Antrittsvorlesung: ‚Was heisst und zu welchem Zwecke studiert man Universalgeschichte, der Historiker müsse die Wahrheit mehr lieben als das System.’

Um der Objektivität näher zu kommen, postuliert der Philosoph Hermann Lübbe die Unterscheidung zwischen Begründungsobjektivität und Konsensobjektivität. Begründungsobjektivität haben Aussagen, die von jedermann überprüfbar sind. Konsensobjektivität haben Aussagen, die von zerstrittenen Parteien gemeinsam annehmbar sind.

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