Freiheit statt Gleichheit

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Gesetzgeber und Revolutionäre, die Gleichsein und Freiheit zugleich versprechen, sind Phantasten oder Charlatans.

Leitgedanken

Neu

  • Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. Søren Kierkegaard
  • Jeder will Freiheit haben, und niemand will sie geben. Oliver Cromwell
  • Die Freiheit besteht darin, dass man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet. Matthias Claudius
  • Was ist denn die Gleichheit anderes als die Verneinung aller Freiheit, alles Höheren und der Natur selbst? Die Gleichheit ist die Sklaverei. Gustave Flaubert

A - E

  • Der Herr aber ist der Geist, und wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit. 2. Kor 3,17
  • Die Brüderlichkeit hat hienieden keinen schlimmeren Feind als die Gleichheit. Gustave Thibon
  • Die Freiheit ist immer in der Defensive und daher in Gefahr. Wo die Gefahr in einer Bevölkerung nicht mehr gespürt wird, ist die Freiheit fast schon verloren. Karl Jaspers
  • Die Menschen eignen sich zur bürgerlichen Freiheit im genauen Verhältnis zu ihrem Willen, dem eigenen Appetit moralische Fesseln anzulegen; im Verhältnis, in dem sie lieber auf den Rat der Urteilsfähigen und Rechtschaffenen als auf die Schmeicheleien von Lumpen hören; im Verhältnis, in dem ihre Liebe zur Gerechtigkeit ihre Habsucht übertrifft. Die Gesellschaft kann nicht existieren, ohne daß irgendwo eine Bremse des ungezügelten Willens und Appetits eingebaut ist, und je weniger die Menschen selbst in ihrem eigenen Innern darüber verfügen, umso mehr muß sie ihnen von außen angelegt werden. Es liegt im ewigen Lauf der Dinge beschlossen, daß Menschen von ungezügeltem Charakter nicht frei sein können. Edmund Burke
  • Es darf keine Freiheit geben zur Zerstörung der Freiheit. Karl Jaspers

F - Z

  • Frei ist wer seinem Gewissen gehorcht. Tu, was Gott von dir will! Herbert Madinger
  • Freiheit findet sich nur dann, wenn man die Macht nicht missbraucht; aber es ist eine ewige Erfahrung, dass jeder, der Macht hat, ihrem Missbrauch geneigt ist; er geht so weit, bis er auf Schranken stösst. So unwahrscheinlich es klingt: selbst die Tugend bedarf der Begrenzung. Charles de Montesquieu
  • Freiheit ist ein Gut, dessen Dasein weniger Vergnügen bringt als seine Abwesenheit Schmerzen. Jean Paul
  • Freiheit wird nicht mit dem Streben nach Freiheit, sondern mit dem Streben nach Wahrheit erlangt. Freiheit ist kein Ziel, sondern eine Folge. Lew Nikolajewitsch Tolstoi
  • Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu vereinen, ist bis heute noch keiner Regierung gelungen. Ernst Heim
  • Freiheit, Ungleichheit, Brüderlichkeit ! Christoph Bösch
  • Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Gal 5,13
  • Jeder soll nach seiner Façon selig werden. Friedrich II.
  • Niemand ist frei, der nicht über sich selbst Herr ist. Matthias Claudius
  • Nur die beiden Seiten einer Waage sind unparteiisch. Salvador de Madariaga
  • Wer nie in Banden war, weiß nichts von Freiheit. Jakob Bosshart

Sonstiges

Bewahren der Unterschiede

Es wird die katholische Haltung, die nicht sozial, sondern durch Nächstenliebe geprägt ist, zugunsten einer Kollektivhaltung aufgehoben. Es geht bei der katholischen Haltung nicht um das Gleichmachen, sondern um das Bewahren der Unterschiede zugunsten der Individualität und Eigenständigkeit und um das Begreifen des Schicksals, das durch Nächstenliebe gemildert werden kann, aber sich niemals ohne eigenes Begreifen auflösen läßt.

Der Fluch der Gleichheit

Der mythische Riese Prokrustes war der erste bekannte Gleichheitsfanatiker. Er war ein Wegelagerer und bot scheinheilig allen Reisenden, die bei ihm vorbeikamen, ein Bett an. Waren die armen Ankömmlinge für sein Bett aber zu groß, so hackte er ihnen die Gliedmaßen ab, bis sie hineinpassten. Waren sie zu klein, so schlug, dehnte und prügelte er sie auf seinem Amboss solange zurecht, bis sie seine Lagerstatt korrekt ausfüllten.

Tugendterror

Thilo Sarrazin, Ökonom, Politiker und anti-egalitärer Publizist, hat nach «Deutschland schafft sich ab» (2010) und «Europa braucht den Euro nicht» (2012) mit «Tugendterror» ein weiteres «politisch unkorrektes» Buch lanciert. Diesmal geht es um den Kern dessen, was hinter der umlaufenden Gleichheitsideologie steckt: ihre Träger, deren Ideenwelt und politische Strategien. Der Autor erkennt eine meinungsprägende «Medienklasse», der eine geistig unsichere Politikerklasse fast widerstandslos folgt.

Gleichheitswahn

Als der Fall Brüderle in ganz Deutschland zu einer Sexismus-Debatte führte, ergriff die Journalistin Birgit Kelle das Wort. Ihr provokanter Artikel "Dann mach doch die Bluse" zu im Magazin "The European" löste eine Welle von Zustimmung aber auch eine öffentliche Kontroverse aus. In ihrem Buch nimmt Birgit Kelle ebenfalls kein Blatt vor den Mund, denn sie ist es leid, ihr Leben als Frau und Mutter ständig rechtfertigen zu müssen. Dabei kratzt die Sexismus-Debatte ihrer Meinung nach nur an der Oberfläche des eigentlichen Problems: Männer und Frauen reden immer noch aneinander vorbei. Und nicht einmal die Frauen sind sich einig. Der Alt-Feminismus à la Schwarzer brachte zwar Rechtsgleichheit, hat aber einer modernen Frauengeneration nichts mehr zu sagen. Mehr noch: Er versucht, sie zu bevormunden. Und der Versuch, mit Gender Mainstreaming die Unterschiede zwischen Männern und Frauen aufzuheben, hat mehr Verwirrung als Erfolge gebracht. Es ist Zeit gegen diesen Gleichheitswahn aufzustehen. Männer und Frauen sind unterschiedlich und das ist auch gut so!

Freies Spiel ALLER Kräfte

„Sich vertragen“, heißt Verträge zu schließen. Vertragsfreiheit also. (Aber dazu braucht es ein freies Spiel ALLER Kräfte. Nicht nur der etablierten…)

Gottesbeweis aus der Freiheit

Das Unbedingte der Freiheit kann nicht aus dem Menschen selbst kommen

Gleichheit als höchstes Ideal

Die Welt muss von der Gleichheits-Neurose geheilt werden!

Seit der Französischen Revolution gilt Gleichheit als höchstes Ideal. Doch längst wurde übers Ziel hinaus geschossen, droht das Kind mit dem Bade ausgegossen zu werden. Nivellierung und Gleichmacherei sind fast zu einer Zwangs-Neurose geworden… Statt Vielfalt zu fördern, statt immer feiner zu differenzieren (es lebe der feine Unterschied!), wird immer stärker nivelliert. (Und da wir keine Zauberer sind, können wir meistens nur nach unten nivellieren… Das zeigt sich ja auch beim Euro: wer italienische Lire und deutsche Mark in einen Topf wirft, darf nicht erwarten, dass dann lauter DM heraus kommen!) Und das Hauptmotiv dahinter ist leider längst nicht mehr Gerechtigkeit, sondern vor allem Neid.

Echte Gleichheit gibt es nur auf materieller Ebene. Hier liegt das Problem. Der wissenschaftliche und ökonomische Materialismus sind Hauptgründe für den Niedergang Europas. Geld und „Wissen“ sind zu Götzen geworden. Auf Kosten von kreativer Wertschöpfung – von individuellem Denk- und Urteilsvermögen, von persönlichem Gewissen und autonomer Entscheidungsfähigkeit. EU bedeutet vor allem noch Kommerz, Konsum, Sozialismus und Zentralismus.

Wir brauchen eine „neue“ Revolution, eine individuelle. Die Befreiung der inneren Autorität jedes Einzelnen von all den äußeren, kollektiven Autoritäten! Persönliches Bewusstsein und Gewissen statt Ideologie… Wer hat denn wirklich etwas von absoluter Gleichheit – außer den „Gleichmachern“, die selbst daraus Profit schlagen? (Indem sie nämlich Macht, Geld und „Rechte“ umverteilen – um selbst mehr davon zu erhalten…) Das Seltene wäre doch eigentlich das Wertvolle.

Fortschritt und Kultur bedeuteten doch letztlich, dass immer feiner differenziert wird. Autonomie in Vielfalt. Ergänzung in Vielfalt… Freiheit, UNGLEICHHEIT, Brüderlichkeit, könnte also das neue Motto lauten.

Gleichheit vor dem Gesetz

Das Hauptziel des Kampfes um die Freiheit war die Gleichheit vor dem Gesetz. Diese Gleichheit unter den Regeln, die der Staat erzwingt, mag ergänzt werden durch eine ähnliche Gleichheit der Regeln, die die Menschen in ihren Beziehungen zueinander freiwillig befolgen.

Gleichheit der allgemeinen Gesetzes- und Verhaltensregeln ist jedoch die einzige Art von Gleichheit, die der Freiheit förderlich ist, und die einzige Gleichheit, die wir ohne Zerstörung der Freiheit sichern könnnen.

  • Friedrich A. von Hayek, Die Verfassung der Freiheit S110

Mutter Staat macht euch alle gleich

Schicksal statt Sozialismus

"Erfolg" bedeutet immer Ungleichheit.../ Auf längere Sicht lässt sich das freie Spiel der Kräfte nicht ausschalten – nicht einmal durch Barbarei. / Nur durch ungleiche Freiheit ist effektive Gleichheit überhaupt erzielbar... (Wenn alle das gleiche Maß an Freiheit haben, wird das Resultat niemals Gleichheit sein. Wer aber hat das Recht, Ungleiche(s) gleich zu machen? Immer nur jeder für sich - und zwar freiwillig...) / Die Hierarchien werden nie enden! / Recht kann überdies nie ganz gerecht sein – weil niemand frei von Vorurteilen – und unser Urteilsvermögen überhaupt sehr begrenzt ist… /Daher: Vertragsfreiheit statt Staatsideologie und - interventionismus./ Privatautonomie statt Verstaatlichung des Rechts./ Die einzige "echte" Minderheit ist das Individuum...

Echte Gleichheit wird es nie geben. Kann es nie geben. (Weil keine zwei Menschen jemals gleich waren (oder geboren wurden) – und sich daher übertriebene Gleichmacherei auf Dauer nie gefallen lassen werden… Andererseits gibt es auch ein Maß an Ungleichheit, das sich die Mehrheit ebenfalls nicht gefallen lässt. (Wenn es zu viele gibt, die „zu wenig“ zu verlieren haben – dann stellen diese eine Bedrohung dar für jene, die sehr wohl noch etwas zu verlieren haben…)

Gerecht ist nur die Freiheit

In Manchester stritten Liberale gegen Feudalismus und Armut. Seit 150 Jahren werden sie verleumdet.

Freiheit und Gleichheit

...; er beschreibt insbesondere das Verhältnis von Gleichheit und Freiheit. Tocqueville sieht darin keine Prinzipien von gleicher Wichtigkeit, sondern spricht sich deutlich für den Vorrang der Freiheit aus. Die in einem aufgeklärten Staat entstehende formale Gleichheit der Bürger hat nach Tocqueville verschiedene Auswirkungen. Zu allererst bringe der Wegfall ständischer Ordnungen und die Rechtsgleichheit aller Bürger jenen Raum, den ein freiheitliches Individuum überhaupt benötige. Der Wegfall von Autoritäten und die Unabhängigkeit der Menschen begründeten jene Freiheitsliebe, die demokratische Gesellschaften und ihre Institutionen auszeichnet. In einer daraus entstehenden Anarchie sehen die Kritiker die größte Gefahr einer demokratischen Ordnung. Tocqueville widerspricht dem nicht, sieht darin aber nicht das Hauptproblem des Gleichheitsprinzips. Vielmehr fürchtet er in seiner Ausgangsthese des vierten Teils des zweiten Bandes eine schleichende Beeinträchtigung des Freiraums der Bürger. „Die Gleichheit löst nämlich zwei Tendenzen aus: die eine führt die Menschen geradewegs zur Freiheit und kann sie auch plötzlich in die Anarchie treiben; die andere leitet sie auf längerem, verschwiegenerem, aber sicherem Wege in die Knechtschaft.“ Während sich ein demokratischer Staat gegen die Anarchie zu schützen wisse, sei die Abwehr vor dem Verlust des individuellen Freiraums durch Gleichmacherei schwieriger, da diese sowohl den Neigungen der Masse der Bürger entspreche als auch dem Staat gelegen komme.


Freiheit oder Gleichheit

Je intensiver Herrschaft ausgeübt wird, je mehr reguliert, verordnet und für andere geplant wird, desto mehr wird Gleichheit gefördert und individuelle Freiheit unterdrückt.

Freiheit und Gleichheit werden deshalb in einem Atemzug genannt, weil man meint, dass sie auch gemeinsam zu verwirklichen sind. Die Losungsworte der Französischen Revolution "liberté", "égalité" und "fraternité" sind ein prominentes Beispiel dafür. Gemeint war jene Freiheit, die sich als Gleichheit im Recht verstehen lässt und eine Grundforderung des Liberalismus ist. Von dieser Gleichheit ist heute leider kaum noch die Rede.

Nicht jeder Fortschritt nützt der Freiheit

Wenn sich weltanschauliche Desorientierung mit Erfolglosigkeit bei Wahlen paart, führt dies in der politischen Arena manchmal zu merkwürdigen Blüten. Eine solche ist die im schweizerischen Freisinn weit verbreitete und beliebte Behauptung, die Unterscheidung zwischen links und rechts im politischen Spektrum sei heute obsolet. Es gebe nur noch vorwärts blickende Fortschrittliche und rückwärts gewandte Strukturerhalter. Der Liberalismus sei quasi mit Fortschrittlichkeit gleichzusetzen. Auch der neue Parteipräsident der FDP, Fulvio Pelli, führte vor und nach seiner Wahl das Wort Fortschritt fast permanent im Mund. Die Popularität dieser falschen Assoziation hat vermutlich nicht zuletzt damit zu tun, dass sie halbwahr ist; Halbwahrheiten sind besonders schwer zu bekämpfen und zugleich besonders schädlich.

Richtig ist ohne Zweifel, dass der Liberalismus grundsätzlich für Entwicklungen und Veränderungen offen ist. Er ist nicht fortschrittsfeindlich. Liberale (in allen Parteien) werden wohlwollend alles Neue prüfen, nicht zuletzt im wissenschaftlichen und technischen Bereich. Immerhin werden sie es aber prüfen; blinde Fortschrittsgläubigkeit wird somit ihre Sache nicht sein. Was sich bewährt hat - und Traditionen sowie moralische Werte haben sich bewährt -, wird man daher nicht ohne weiteres über Bord werfen, sondern nur, wenn Neues und überzeugend Besseres an seine Stelle tritt. Insofern treffen sich die Liberalen da durchaus mit den Konservativen (in allen Parteien). Während diese aber von einer Art ängstlichem Misstrauen gegenüber allem Neuen geprägt sind, charakterisiert die Liberalen eher eine grundsätzliche Zuversicht. Vaclav Klaus, der tschechische Staatspräsident, betont deshalb in seinen Reden des Öfteren, dass Liberale eigentlich im Kern Optimisten seien, nicht unvorsichtig, aber doch mit einem Grundvertrauen in die Zukunft ausgestattet.

Besonders klar kommt dies im Vertrauen der Liberalen in den Markt zum Ausdruck. Seine Ergebnisse sind ja weitgehend unberechenbar. Konservative befällt daher beim Gedanken an diese Spontanität und Unvorhersagbarkeit leicht ein Unwohlsein. Und deshalb geht ihr Streben auch nicht danach, die Macht des Staates zu beschränken und den Staat zu verschlanken, sondern, eher im Gegenteil, diesen mit Persönlichkeiten zu besetzen, die dann für eine gewisse «Ordnung» und für eine «kontrollierte» Entwicklung sorgen. Sozialisten (in allen Parteien) wiederum haben Mühe mit dem Markt, weil seine Resultate nicht gleichmässig verteilt sind, was gezielt mit «ungerecht» verwechselt wird. Sie möchten die Ergebnisse des Marktprozesses kontrollieren und stehen damit den Konservativen näher als die Liberalen. Trotzdem ziehen ihre Sirenenklänge leider die Liberalen allzu leicht in den Bann, die glauben, dem Vorwurf der «sozialen Kälte» dadurch begegnen zu müssen, dass sie für einen gezähmten Markt eintreten.

Richtig ist auch, dass Liberale vor allem mit einer besonderen Art von Fortschrittsfeindlichkeit, der Besitzstandwahrung, rein gar nichts am Hut haben. Besitzstandwahrung sucht die Erhaltung des Bestehenden nicht aus weltanschaulichen Gründen, sondern schlicht, weil persönliche oder Gruppeninteressen verteidigt werden sollen. Kaum irgendwo sonst stehen Liberale so eindeutig auf der Seite der Veränderung, der Mobilität, des wirtschaftlichen Auf- und des Abstiegs, eben des strukturellen Wandels.

Richtig ist ferner, dass die liberale Ordnung einen hervorragenden Nährboden für wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Fortschritt bildet. Die Explosion von Wohlstand und Wissen in den entwickelten Staaten in den letzten 200 Jahren wäre ohne den Fortschrittsmotor Wettbewerb - zwischen Menschen, Unternehmen und politischen Einheiten - nie möglich gewesen (siehe auch «Themen und Thesen»). Das Entdeckungsverfahren des Wettbewerbs hat schöpferische Kräfte freigesetzt, wie sie der Konservativismus nie hätte mobilisieren wollen und der Sozialismus nicht hat mobilisieren können.

Richtig ist aber schliesslich auch, dass Wettbewerb zwar auf allen Gebieten des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens die Entwicklung und Entdeckung von Neuem fördert, dass er dabei jedoch nicht zwischen Gutem und Schlechtem unterscheidet. Fortschrittsbejahung wird daher zu inhaltsleerem Geschwafel, wenn sie nicht konkretisiert wird. Hier ist die Debatte der letzten Jahre in die Irre gegangen. Was wird doch nicht alles als Fortschritt verkauft, von der Aufweichung des Stabilitätspaktes bis zur Vereinheitlichung von Kinderzulagen, von weiteren Mehrwertsteuer-Sondersätzen bis zu Schulreformen, von einer Tobin-Steuer auf Kapitalmarkttransaktionen bis zur Abwertung der Ehe. Und ganz vieles von dem, was sich fortschrittlich nennt (oder genannt wird), läuft auf eine zunehmende Einschränkung der individuellen Freiheit hinaus.

Auch wenn Liberale im Prinzip für Fortschritt eintreten, sollte es ihnen in erster Linie um die Richtung der Veränderung gehen. Bewegungen in die falsche Richtung können aus liberaler Sicht gar nicht genug gebremst werden, ja sie müssen sogar aufgehalten und gewendet werden. In einer solchen Konstellation werden die Konservativen zu natürlichen Verbündeten der Liberalen. Falsch ist aus liberaler Sicht, was die Eigenverantwortung des Individuums schwächt oder missachtet, was in Richtung von kollektiven und erzwungenen Lösungen geht, was nach Betreuungs- und Gängelungsstaat riecht. Das gilt nicht nur in der Wirtschafts-, sondern genauso oder erst recht in der Gesellschaftspolitik. Liberale werden das Surfen auf der Modewelle der «political correctness» nicht mitmachen, sich nicht allem anbiedern, was neu und «in» ist, sondern nach einer Stärkung der individuellen Freiheit ohne das Stützkorsett des Staates streben.

Die Richtung liberalen Politisierens ist nicht zuletzt abhängig vom Ausgangspunkt. In einem Land, in dem viele liberale Ideale verwirklicht wurden, werden die Liberalen fast natürlicherweise zu Konservativen, die in der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik das Bestehende zu bewahren versuchen. In Ländern wie der Schweiz, die in den letzten Jahrzehnten die Eingriffe in das Privateigentum, die Einengung individueller Freiräume und das finanzielle und regulatorische Wuchern des Staates weit vorangetrieben haben, werden Liberale dagegen auf Veränderung drängen müssen. Liberale Fortschrittlichkeit bedeutet in einer solchen Konstellation aber Rückbau all dessen, was in die falsche Richtung gelaufen ist, und nicht etwa Ausbau des Begonnenen, also mehr vom Gleichen.

Die Stärke der Liberalen ist oder besser: wäre, dass sie - wie die Sozialisten - ein inhaltliches Programm haben, während die Konservativen, wie F. A. von Hayek in seiner «Verfassung der Freiheit» schreibt, eigentlich keine politischen Prinzipien haben. Sie wirken letztlich als Bremsklötze des Wandels und positionieren sich dabei häufig in der Mitte, ohne eigenes Ziel, sondern dem Glauben verhaftet, die Wahrheit liege zwischen den Extremen. Liberale dagegen sind für das Bestehende, nicht weil es althergebracht ist, sondern nur und wenn es ihren Idealen entspricht. Sie sind für das Neue, für Reformen, nicht um der Reformen willen, sondern nur und wenn diese den Idealen dienen, für die sie eintreten. Deshalb ist Fortschrittlichkeit kein Programm. Schon gar nicht eignet sie sich als Grundlage der Abgrenzung gegenüber andern weltanschaulichen Strömungen oder als Basis der Sammlung aller zukunftsoffenen Kräfte. Darunter befinden sich zu viele, die in eine andere Richtung streben. Es kommt in der Politik auch im 21. Jahrhundert auf die Inhalte an.

  • Gerhard Schwarz, Zürich

Die bedrohten «kleinen Kreise»

« Masse und Konzentration auf jedem Gebiet geben der modernen Gesellschaft das Gesicht; sie ersticken mehr und mehr den Bereich der Eigenverantwortung, des Eigenlebens und des Eigendenkens und geben dem kollektiven Denken und Fühlen den stärksten Auftrieb. Jene kleinen Kreise — von der Familie angefangen — mit ihrer menschlichen Wärme und ihrer natürlichen Solidarität, weichen der Masse, der Konzentration, der gestaltlosen Menschenanhäufung in den Großstädten und Industriezentren, der Entwurzelung, den Massenorganisationen, der anonymen Bürokratie der Riesenunternehmungen und schliesslich des Staates, der diese in Individuen zerbröckelnde Gesellschaft mit dem Zwangsapparat des Wohlfahrtsstaates, der Polizei und der Steuerbehörden zusammenhältt. »

Die Krise des Interventionismus

Der Interventionismus führt Schritt für Schritt von der freien Marktwirtschaft zur Planwirtschaft, von Wohlstand zur Armut, von der Freiheit zur Knechtschaft.

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