In medias res

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

In medias res, auch medias in res, ist eine lateinische Phrase und bedeutet „mitten in die Dinge“.

Leitgedanken

  • Außer der Zeit gehört uns nichts. Seneca
  • Die wahre Gemeinde entsteht nicht dadurch, daß Leute Gefühle füreinander haben (wiewohl freilich auch nicht ohne das), sondern durch diese zwei Dinge: daß sie alle zu einer lebendigen Mitte in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen und daß sie untereinander in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen. Das zweite entspringt aus dem ersten, ist aber noch nicht mit ihm allein gegeben. Lebendig gegenseitige Beziehung schließt Gefühle ein, aber sie stammt nicht von ihnen. Die Gemeinde baut sich aus der lebendig gegenseitigen Beziehung auf, aber der Baumeister ist die lebendige wirkende Mitte. Martin Buber
  • Dreissig Speichen gehören zu einer Nabe, doch erst durch das Nichts in der Mitte kann man sie verwenden; man formt Ton zu einem Gefäss, doch erst durch das Nichts im Innern kann man es benutzen; man macht Fenster und Türen für das Haus, doch erst durch ihr Nichts in den Öffnungen erhält das Haus einen Sinn. Laotse
  • Mensch sein heißt Verantwortung fühlen, sich schämen beim Anblick einer Not, auch wenn man offenbar keine Mitschuld an ihr hat, stolz sein über den Erfolg der Kameraden, seinen Stein beitragen im Bewußtsein, mitzuwirken am Bau der Welt. Antoine de Saint Exupery
  • Seit dreißig Jahren habe ich eine Klientel aus allen Kulturländern der Erde. Viele Hunderte von Patienten sind durch meine Hände gegangen. Unter allen meinen Patienten jenseits der Lebensmitte, das heißt jenseits der 35, ist nicht ein einziger, dessen endgültiges Problem nicht das der religiösen Einstellung wäre. Ja, jeder krankt in letzter Linie daran, dass er das verloren hat, was lebendige Religionen ihren Gläubigen zu allen Zeiten gegeben haben, und keiner ist wirklich geheilt, der seine religiöse Einstellung nicht wieder erreicht. Carl Gustav Jung

Sonstiges

Mut zur Demut

Ubi humilitas - ibi sapientia. Wo Demut ist, dort ist Weisheit.

An dieses Wort des spanischen Mystikers und Kirchenlehrers Johannes vom Kreuz knüpft der Autor an, wenn er davon spricht, daß durch die Macht und die Erfolge der Technik die zeitgenössische Naturwissenschaft eine so hohe Autorität erlangt hat, daß viele Menschen nicht mehr die Demut haben, an Gott zu glauben, weil sie an die Wissenschaft glauben.

Der Mut zur Demut, an Gott zu glauben, ist der große Mut der Heiligen. Der Mut zum Hochmut, IHN zu leugnen, oder noch schlimmer, IHN zu ignorieren, ist der kleine Mut der Spießer. Die Maschine produziert Spießer, die Maschine hat die Spießer in der Welt vermillionenfacht.

Der Spießer will die Welt so machen, daß er bequem und komfortabel darin leben kann, er will sich in der Welt - ohne Gott - für immer einrichten. Der Preis für den Komfort aus der Maschine ist hoch, und es wird immer deutlicher, daß er zu hoch geworden ist. Es ist der Preis des Hochmuts, sein zu wollen wie Gott.

Mit der Naturwissenschaft des Mutes zur Demut, davon war Max Thürkauf überzeugt, werden wir eine Technik der Demut hervorbringen. Sie wird die Technik der kommenden Kultur sein: der Kultur des gelebten Christentums.

Ethik

Die Frage des Menschen:

  • Wer bin ich?
  • Was soll ich tun?

Das christliche Verständnis von einer objektiv und allgemein gültigen Sittenlehre setzt beim menschlichen Bewusstsein als unwiderleglichem Zeugnis für die Einsicht des Menschen in sein Menschsein an. Es gibt nicht nur äussere Erfahrung (Empirie), sondern auch die Erfahrung innerer Tatsachen des menschlichen Bewusstseins und damit sittlicher Ordnung. Uralte ethische Fragestellungen lauten: Wodurch wird der Mensch glücklich? Worin besteht der Sinn des Lebens? Es gibt dementsprechend in allen Kulturen sittliche Gebote und Verbote, die als unbedingte Pflicht eingesehen werden. Man kann sie zwar übertreten (freier Wille), ist sich dabei jedoch der Schuld bewusst. Wir sprechen vom Sittengesetz, von sittlich gut und böse. In diesem Sinn ist jener ein guter Mensch, der verwirklicht was er ist, was sein Menschsein erfordert. Gut sein ist so der Weg zum Glück. Gut sein, das ist, das Gute zu tun oder die Tugenden zu üben.

So hat der Mensch die Gaben des Verstandes nicht nur um logischer Erkenntnisse willen, sondern auch, um seine eigene Würde und Bestimmung zu erkennen und dadurch sein "besseres Ich" zu werden! Dieses sittliche Bewusstsein zeigt sich im Gewissen als ganz persönliche Einsicht in das für den Menschen Gute und das dementgegenstehende Böse. Auf diese Einsicht spricht sein Wille an: Tue das Gute, meide das Böse! Mit dieser sittlichen Erfahrung erwächst in Evidenz das sittliche Apriori, die Einsicht in die absolute Geltung solcher allgemein sittlicher Sätze.

Zur näheren Begründung der sittlichen Wahrheit und des allgemeinen Sittengesetzes hat es in der Geschichte der Ethik zahlreiche Theorien gegeben. Für die christliche Ethik ist der Ansatz von Aristotoles über Thomas von Aquin entscheidend geblieben. Es geht aus von der Einsicht, dass der Mensch vermittels seiner Vernunft das seinem Wesen (seiner Natur) Gemässe oder Entsprechende erkennen und infolgedessen auch tun kann.

Johannes Messner weist nach, dass der Mensch (im Anschluss an die Lehre von Thomas von Aquin von den inclinationes naturales) "existentielle Zwecke" seines Lebens vorgezeichnet findet, die ihm Einsicht in das für ihn wahrhafte Gute geben. Dieses Gute ist das Kriterium der Sittlichkeit. Er unterscheidet folgende Zwecke:

  1. Die Selbsterhaltung sowohl hinsichtlich der körperlichen Unversehrtheit als auch der gesellschaftlichen Achtung (Ansehung des Menschen).
  2. Die Selbstvervollkommnung des Menschen im Bezug auf die Entfaltung seiner psychischen wie auch geistigen Fähigkeiten; dies auch wieder im Bereich der individuellen wie der sozialen Lebensbedingungen.
  3. Die Ausweitung der Erfahrung und des Wissens zu einem erfüllten Leben in geistiger Hinsicht (Werte).
  4. Die Fortpflanzung in geschlechtlicher Liebe, die Erziehung der Nachkommen und die liebende Ergänzung von Mann und Frau.
  5. Die wohlwollende Anteilnahme an der geistigen und materiellen Wohlfahrt der Mitmenschen als gleichwertigen menschlichen Wesen.
  6. Die gesellschaftliche Verbindung zwecks Förderung des allgemeinen Wohles, d.h. insbesondere die Sicherung von Frieden und Ordnung, die Ermöglichung materieller und kultureller Wohlfahrt der Gemeinschaft und die Förderung der Kenntnis, Beherrschung und Bewahrung der Umwelt.
  7. Die Gewinnung gesicherter Erkenntnis über die Stellung des Menschen in der Welt als Ganzes und seiner endgültigen Bestimmung; in Verbindung damit die Kenntnis und Verehrung des Schöpfers.

Die existentiellen Zwecke umschreiben die conditio humana oder die Naturverfassung des Menschen als sittliche Person, sein Stehen unter dem sittlichen Naturgesetz. Nur ein solches Leben aus und nach dem Gewissen und der sittlichen Norm ist ein erfülltes Leben! "Im Namen seines Gewissens entdeckt der Mensch ein Gesetz, das er sich nicht selbst gibt, sondern dem er gehorchen muss und dessen Stimme ihn immer zur Liebe und zum Tun des Guten und zur Unterlassung des Bösen aufruft ... Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott".

  • Rudolf Weiler, Einführung in die katholische Soziallehre

Gretchenfrage

Als Gretchenfrage bezeichnet man eine direkte, an den Kern eines Problems gehende Frage. Sie ist dem Gefragten meistens unangenehm, da sie ein Bekenntnis verlangt, um das dieser sich bisher herumgedrückt hat. [...] „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“

Verbindungen