Mehr Ehrlichkeit
Inhaltsverzeichnis |
Vorwort
Die ältesten und kürzesten Wörter - "ja" und "nein" - erfordern auch das stärkste Nachdenken.
Leitgedanken
- Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Redewendung
- Die erste Gunst ist Gunst, die zweite schon Verpflichtung. Aus China
- Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen. Sprichwort
- Ein Nein aus tiefster Überzeugung ist besser und grösser als ein Ja, das nur gesagt wird, um zu gefallen oder um Schwierigkeiten zu vermeiden. Mahatma Gandhi
- Ehrlich währt am längsten. Redensarten
- Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte. George Bernhard Shaw
- Niemand kann ehrlichen Herzens versuchen, einem anderen zu helfen, ohne sich selbst zu helfen. Ralph Waldo Emerson
- Seid unparteiisch, wendet euer Antlitz nicht von jemandem ab, damit ich mein Antlitz nicht von euch abwende. Was du dem Geringsten angetan hast
- Versuche niemals, jemanden so zu machen, wie du selbst bist. Du weisst - und Gott weiss es auch - dass einer von deiner Sorte genug ist. Ralph Waldo Emerson
Sonstiges
Die drei Siebe des Sokrates
Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte:
„Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!"
„Halte ein!" unterbracht ihn der Weise, „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?"
„Drei Siebe?", fragte der andere voller Verwunderung.
„Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?"
„Nein, ich hörte es erzählen und..."
„So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst gut?"
Zögernd sagte der andere: "Nein, im Gegenteil..."
„Hm", unterbrach ihn der Weise, „so lasst uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?"
„Notwendig nun gerade nicht..."
„Also, sagte lächelnd der Weise, „wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit."
Für wen gehst du
Eine der chassidischen Geschichten, die Martin Buber gesammelt hat, erzählt eine denkwürdige Begegnung des Rabbi Naftali aus Ropschitz. In dieser Stadt beauftragten die Reichen, dessen Häuser einsam oder am Ende des Ortes lagen, Wächter, um nachts ihren Besitz zu schützen. Als Rabbi Naftali eines späten Abend am Rande des Waldes spazieren ging, begegnete er einem der Wächter: "Für wen gehst du?" fragte ihn der Rabbi. Der Wächter nannte den Namen eines Auftraggebers, fügte aber die Gegenfrage hinzu: "Und für wen geht Ihr, Rabbi?"
Das Wort traf den Gelehrten wie ein Pfeil. "Noch gehe ich für niemanden!", stammelte er. Lange schritt er schweigend neben dem Wächter einher. "Willst du mein Diener werden?" fragte er endlich. "Das will ich gern", antwortete jener, "doch was hab ich zu tun?" "Mich zu erinnern", sagte Rabbi Naftali.
Gute Menschen statt Gutmenschen
Wie/Wann können wir endlich die werden, die wir SIND, sein KÖNNTEN?
Wichtigstes Ziel der Gegenwart wäre es (meiner Meinung nach), Tugend und Charakter (wieder) zum "Statussymbol" zu machen. (Wie in der Antike, Renaissance.)
Nicht wer am meisten hat, ja nicht einmal wer am meisten kann - sondern wer der "beste" Mensch ist, sollte ein König sein...
(Und wer ist der beste Mensch? Vielleicht wer wirklich sein Potential auslebt - und dabei auch die anderen nicht vergisst. Selbsbestimmt - aber gemeinsam.)
"Gute" Menschen sind (nur) Menschen - mit allen menschlichen Schwächen! Keine soziologischen (oder auch theologischen oder biologischen) Konstrukte. Jeder so gut er kann - aber das wirklich... Und jeder die eigene Rolle - weil es für ihn/sie, aber auch für die anderen das Beste ist.
Der Mensch "an sich" ist wohl weder gut noch schlecht - aber er hat einen mehr oder weniger freien Willen. Jede (kleine) Entscheidung zählt - und hat auch Vorbildwirkung auf andere. (Es ginge also weniger um absolute Vergleiche, eher um die Richtung: In jeder Hinsicht immer besser zu werden - statt schlechter.)
Mut, Mitgefühl und Ehrlichkeit
Es gibt immer ein Ja
aber auch ein Aber...
Wir brauchen Regeln, aber wir müssen uns auch trauen, sie zu brechen... Prinzipien, aber auch die Größe über sie hinaus zu wachsen. Werte, aber auch Bereitschaft, sie zu relativieren. Geistesgegenwart, Güte, Humor, Gelassenheit und eine gewisse Bescheidenheit: Über den Dingen, wie in einem Film, etwas distanziert...
Das Leben ist ein Kräfteparallelogramm aus Selbst- und Fremdbestimmung; Freiheit und Zwang; Hoffnung und Angst; Eigennutz und Altruismus...
Sturheit ist das Fundament jeder Tragödie. Und Schuld: Eingebildet, wie real. Reue kann die Voraussetzung für Umkehr und Regeneration sein; oder aber auch eine der destruktivsten Kräfte überhaupt.
Ehrlichkeit, Einsicht, (Selbst-)Erkenntnis könnten fast jedes Problem bewältigen. Dazu bedarf es scharfer Wahrnehmung, aber auch der Bereitschaft und Fähigkeit zur Kommunikation.
Nichts ist absolut - also auch das... Alles ist relativ - also...
Der Staat ist ein Casino
Auch die Verlierer sind freiwillig ins Casino gegangen…
Wer meint, Staatsanleihen seien sicherer als Aktien oder Unternehmensanleihen, könnte sich irren. Auch Staaten „zocken“, riskieren die Zukunft ihrer Bürger, leben über ihre Verhältnisse. Nicht, weil Politiker etwa schlechtere Menschen wären – sondern, weil wir alle nur Menschen sind... (Als Bürger, Wähler, Käufer und Medienkonsumenten.)
Konsumsucht und – abhängigkeit ist in der globalisierten Welt ziemlich „gleich“ verteilt. „Nachhaltigkeit“ andererseits, bedeutete in erster Linie Ehrlichkeit. Probleme also nicht zu verdrängen, sondern zu lösen. Schulden aller Art (also auch gegenüber Kultur, Natur und Schöpfung) nicht auf andere Menschen, spätere Generationen oder die wehrlose „Natur“ abzuschieben, wie den Schwarzen Peter; sondern sich selbst um Bereinigung, Klärung, Bewältigung zu kümmern. Wir alle haben (mehr oder weniger) mit gezockt.
Billiger Konsum, immer mehr Abfall, Verlust an schöpferischer Kreativität, persönliche und kollektive Identitätskrisen, gesundheitliche Schäden und ökologische Probleme… Warum eigentlich, machen wir überhaupt weiter? Die Antwort lautet wohl: Sucht – also Zwang zu ständiger Dosissteigerung; weil Ersatzbefriedigungen nie wirklich befriedigend sein können – wie jede Kompensation.
Auch der Staat verspielt unsere Zukunft im Casino. Und er spielt nicht einmal sehr gekonnt… Wachstum muss man zulassen, man kann es nicht „machen“: (Da reißt man höchstens die Pflänzchen aus.) Auch Fortschritt ist kein Selbstzweck, keine Zirkusnummer: Mehr, schneller oder vielfältiger, muss nicht unbedingt besser bedeuten. Nicht was machbar ist, sollte eigentlich zählen – sondern was spürbaren Nutzen stiftet - Menschen also auch subjektiv zufriedener macht.
Risiko ist gut und wichtig, aber es sollte möglichst von jenen getragen werden, die auch davon profitieren. Und mit einer gewissen Disziplin gepaart sein - um wirklich etwas bewirken zu können! Gefährlich wird es, wenn Risiken eingegangen werden, deren Folgen von anderen getragen werden müssen. Sei es nun durch den Staat, die Forschung oder durch verantwortungslose Unternehmer. Wer spielt, kann immer auch verlieren...