Mehr Kultur

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Das Leben ist seinem inneren Wesen nach ein ständiger Schiffbruch. Aber schiffbrüchig sein heißt nicht ertrinken. Der arme Sterbliche, über dem die Wellen zusammenschlagen, rudert mit den Armen, um sich oben zu halten. Diese Reaktion auf die Gefahr des Untergangs ist die Kultur.

Leitgedanken

  • Ein Mensch erlebt den krassen Fall, / Es menschelt deutlich, überall – / Und trotzdem merkt man weit und breit, / Oft nicht die Spur von Menschlichkeit. Eugen Roth
  • Es gibt weder große Entdeckungen noch wahren Fortschritt, solange noch ein unglückliches Kind auf der Welt ist. Albert Einstein
  • Das grösste Werk des Menschen ist, anderen Gutes zu tun. Sophokles
  • Der ist ein Narr, der die Kultur von der Arbeit zu trennen gedenkt. Denn der Mensch wird zunächst einer Arbeit überdrüssig werden, die nicht mehr Teil seines Lebens ist, und sodann wird ihn auch eine Kultur nicht mehr befriedigen, die nur noch ein Spiel ohne Einsatz darstellt. Antoine de Saint-Exupéry
  • Iss, was gar ist / trink, was klar ist / red' was wahr ist. Martin Luther
  • Was du ererbt von deinen Vätern / Erwirb es, um es zu besitzen. Inschriften

Sonstiges

Die Welt verbessern

« Jeder der sich selbst verbessert, dient der Menschheit mehr als tausend, die die Welt verbessern wollen. »

Ich widerspreche vehement. Eine Welt, in der es nichts Böses, vor allem nur Gutmenschen gibt, was soll es da zu verbessern geben? - Ach, ich habe vergessen, dass es mich, widerspruchssüchtigen und total verderbten Menschen gibt. Verzeihung! Und da gab es noch einen, der sagte zu der ihm lauschenden Volksmenge, "Ihr, die ihr böse seid, wisst euren Kindern gute Gaben zu geben, wie viel mehr ..." Sprachen sie ihn an mit "guter Meister", widersprach er und behauptete, nur sein Vater sei gut. Wer sprach so? Einer, der die Menschen so "gut" kannte, dass er, wie es heisst, "sich ihnen nicht anvertraute". Einmal sollte er ihr König sein, ein andermal suchten sie ihn in den Abgrund zu schieben. Schliesslich haben sie ihn für sein Misstrauen (oder war es, weil er die Wahrheit verkörperte?) ans Fluchholz geschlagen und die Historiker seiner Zeit berichten, er hätte es im Grab nur drei Tage ausgehalten ...

Also, wer die Welt verbessern will, muss meines Erachtens eine von zwei möglichen Grundannahmen treffen:

  • Die Welt ist grundsätzlich schlecht, evt. nur der Mensch und dieser schlechte Mensch kann sich selber verbessern. Mit welchen Mitteln denn und nach welchen Kriterien? oder
  • Die Welt ist gut, auch der Mensch und weil das Eigenschaftswort "gut" sich nach "besser" und "am besten" steigern lässt, kann die Welt im dem Sinne verbessert werden, dass das Bessere stets der Feind des Guten war. Dann wäre das, was wir schlecht nennen, eigentlich gut, und nur darum schlecht, weil es noch verbessert werden kann. Aber auch hier die Frage: Mit welchen Mitteln denn und nach welchen Kriterien?

Habe ich eine Variante vergessen? Ich komme weder mit der einen noch mit der andern zurecht. Gibt es da irgenwie Hilfe?

Infolge einer Veröffentlichung erhalte ich möglicherweise eine hilfreiche Antwort auf meine Frage. Wir wissen doch vom Autor des Zitats, dass er mit der Gottesfrage nicht ganz klar gekommen war, oder nicht?

Und Stäuble meinte, dass "er zur Untätigkeit verdammt sei". EH
  • Rudolf Schmidheiny, CH-Ohringen

Grundlagen der Kultur

« Wer Ideen haben will, muss zuerst die Wahrheit wollen und sich die Spielregeln aneignen, die sie auferlegt. Es geht nicht an, von Ideen oder Meinungen zu reden, wenn man keine Instanz anerkennt, welche über sie zu Gericht sitzt, keine Normen, auf welche man sich in der Diskussion berufen kann. Diese Normen sind die Grundlagen der Kultur. Es kommt mir nicht auf den Inhalt an. Was ich sagen will ist, dass es keine Kultur gibt, wenn es keine Normen gibt, auf die wir und unsere Gegner zurückgreifen können. Es gibt keine Kultur, wenn es keine Prinzipien des bürgerlichen Rechts gibt. Es gibt keine Kultur, wenn es keine Ehrfurcht vor gewissen Grundwahrheiten der Erkenntnis gibt. (Wenn sich unser Partner in der Diskussion nicht darum kümmert, ob er bei der Wahrheit bleibt, wenn er nicht den Willen zur Wahrheit hat, ist er ein geistiger Barbar.) Es gibt keine Kultur, wo die wirtschaftlichen Beziehungen von keiner Verkehrsordnung beherrscht werden, unter deren Schutz man sich stellen kann. Es gibt keine Kultur, wo ästhetische Polemiken es nicht für notwendig erachten, das Kunstwerk zu rechtfertigen. »

Der Massenmensch

« Europa glaubt an keine sittlichen Normen mehr. Der Massenmensch hat den Anspruch ohne moralische Bindungen zu leben. Europa hat sich damit einer glänzenden aber wurzellosen Kultur verschrieben. Der Massenmensch bildet die Verneinung der Zivilisation. »

Das lahme Bein sitzt mit zu Pferde

Kultur statt Fortschritt !

Das „Psychologische“ an dieser Krise ist vielleicht, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte des modernen Fortschritts richtig zurückstecken müssen. Dass es einer Umkehr bedürfen könnte, die nicht nur vorübergehend ist, es also kein Zurück zum Wachstums- und Fortschritsmodell der Zeit seit der Aufklärung zu geben scheint... Der moderne Mensch erlebt damit eine narzisstische Kränkung. Der Fortschritt ist keiner mehr. Der Grenznutzen sinkt. Die Nach/Nebenwirkungen steigen. Auch Umverteilung ist keine Lösung mehr, weil immer weniger da ist.

Von der subjektiven Lebensqualität könnte es für manche sogar eine Verbesserung darstellen – aber für viele ist es eine Enttäuschung falscher Vorstellungen – haben uns eben für reicher und mächtiger/fähiger gehalten als wir zu sein scheinen… Wir bräuchten etwas ganz Neues. Eine Renaissance, Kulturrevolution, neue Form der Spiritualität, neue "Gesellschafts-Verträge"...?

Wir stoßen an Grenzen: Bevölkerung; Ressourcen, Abfälle – aber auch Sinn, Gesundheit, Lebensqualität… Durch Globalisierung beißt sich die Katze in den Schwanz: Wohin soll man noch verdrängen, flüchten, die Schuld schieben? Alles kommt zurück... „Der Fortschritt“ fand oft auf Kosten anderer, von Natur, Kultur und Nachwelt statt - aber auch die eigene Gesundheit und Lebensfreude / Unabhängigkeit waren betroffen.

Die Aufklärung hat die Götter von ihrem Thron gestoßen. Mit der Zeit haben sich die Menschen selbst an ihre Stelle gesetzt. „Leben heißt, auf den richtigen Knopf zu drücken...“ (Illusion, selbst Gott sein/spielen zu können.)


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