Mehr Subsidiarität
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Vorwort
Was von den einzelnen Menschen mit eigener Kraft und durch eigene Tätigkeit geleistet werden kann, darf ihnen nicht entrissen und der Gemeinschaft übertragen werden. Ebenso ist es eine Ungerechtigkeit und zugleich eine schwere Verletzung und Störung der rechten Ordnung, wenn Aufgaben, die von den kleineren und untergeordneten Gemeinschaften bewältigt und ausgeführt werden können, der höheren und übergeordneten Gesellschaft zugeschrieben werden.
- Oswald von Nell-Breuning
Leitgedanken
- Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist. Paracelsus
- Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben. Konfuzius
- Hilf dir selbst, so hilft dir Gott ! Justus Georg Schottelius / Friedrich Wilhelm Raiffeisen
- In der Kürze liegt die Würze. Volksmund
- Jeder für sich und Gott für alle? Die Ersten werden die Letzten sein. Gemeinschaft der Individuen – statt Kollektiv der Egoisten. Individualismus und Mitgefühl! Christoph Bösch
- tres faciunt collegium (Drei bilden die Gemeinschaft) Marcus Tullius Cicero
- Vielfalt, die nicht auf Einheit zurückgeht, ist Wirrwarr; Einheit, die nicht auf Vielfalt gründet, ist Tyrannei. Blaise Pascal
- Was der Einzelmensch aus eigener Initiative und mit seinen eigenen Kräften leisten kann, darf ihm nicht entzogen und der Gesellschaftstätigkeit zugewiesen werden. Subsidiarität
- Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, wenn man ihn wohl zu pflegen weiß. Johann Wolfgang von Goethe
Sonstiges
Was ist die Krise ?
Eine Enttäuschung, die zu hysterischen Überreaktionen zu führen droht…
Also einerseits eine Täuschung durch Überschwang; andererseits die Gefahr, erneut über zu reagieren – und in Panik zu geraten.
Wir haben ja nicht weniger menschliche oder natürliche Ressourcen als vor zwei Jahren. (Im Gegenteil, sie werden jetzt sogar gezielter eingesetzt.) Aber es ist uns wieder einmal bewusst geworden, dass alle Ressourcen begrenzt sind… Ein Schock. (Heilsam? Notwendig jedenfalls.)
Konsum besteuern, Nutzenstiftung belohnen. (Der subjektive Nutzen, die individuelle Zufriedenheit, die konkrete Problemlösung zählt – nicht Geld oder gar Statistiken…) Staatliche Leistungen nur zur Existenzsicherung, das dafür ordentlich. Alles andere ist eher kontraproduktiv, weil sonst weiter verschwendet wird. Echte Bedürftigkeit als Kriterium. Subsidiarität. Keine „Rechte auf…“, sondern Holschuld seitens der Bürger - wenn sie sich wirklich nicht mehr selbst helfen können. (Schutznetz statt Hängematte.)
Sparen statt konsumieren! Ressourcen gezielter einsetzen, gezielter investieren: Grenznutzen beachten. Wer kann was am besten? Wer braucht was am wichtigsten? Was bringt wem den größten Nutzen? Individualismus plus Humanismus. (Ethos, Kultur, „Menschengerechtigkeit“…) Weg von Ersatz (Konsum) und Kompensation („Fortschritt“), zurück zum Wesentlichen, zum Wesenskern des Einzelnen. Menschen wachsen lassen. Ergebnisoffenheit statt „Plangesellschaft“. Visionäre können Ideen projizieren - die konkrete Gestaltung der Zukunft sollte dann aber aus möglichst persönlichen Entscheidungen möglichst vieler erwachsen… Freies Spiel der Kräfte ist die größte Wertschöpfungsquelle! Freiheit (aber auch Liebe) kostet an sich nichts. (Kosten sind wirklich eine Falle: Weil sie uns suggerieren, dass dadurch immer auch Wert geschaffen wird.)
Der Wille des Volkes
Stellen wir das politische System auf den Kopf, oder besser: stellen wir es auf eigene Füße!
Derzeit gibt es viele politische Ebenen in Österreich – die alle von den Parteien, genauer: den Spitzen der Parteien, beherrscht werden. Politiker sind daher nicht in erster Linie Volksvertreter, sondern Parteienvertreter! Schließlich werden sie ja großteils nicht direkt gewählt, sondern über Parteilisten. Also „verdanken“ sie ihr Mandat auch der Partei, nicht den eigenen Wählern…
Dies könnte, sollte man umdrehen: Indem eine „Kette unmittelbarer Stellvertreter“ durch persönliche Direktwahl gebildet wird. Das hieße, die Bürger organisierten sich selbst „von unten her“ neu; wählten, immer nur aus ihrer eigenen Mitte, persönliche Stellvertreter - die wiederum auf der „nächsthöheren“ Ebene weitere Vertreter direkt wählten usw. (Auch wenn sich ein solches System vielleicht nicht konsequent durchziehen lässt – aus praktischen, vor allem aber politischen Gründen – es sollte zumindest als Modell, als Ziel dienen, das möglichst weitgehend umgesetzt werden könnte… Und dies könnte ähnlich auch für einen längst fälligen Verfassungskonvent, für Staats- und Verwaltungsreform gelten: Bürger- statt Parteienvertreter!)
So entstünde eine Pyramide, deren Fundament wirklich der Wille des Volkes ist! Theoretisch könnte auch ein und derselbe Mandatar in Gremien auf verschiedenen Ebenen die eigenen Wähler vertreten. (Man bräuchte dann weniger Funktionäre.) Entscheidend aber ist, dass die Kette unmittelbar gewählter Vertreter nie durchbrochen wird. Parteien gäbe es trotzdem, aber sie hätten dann den Platz, der ihnen wirklich zusteht: Eine Klammer für politische Bewegungen zu bilden – nicht deren Richtungen vorzugeben. Das Ende der Parteienoligarchie, ein Neustart für Österreich.
Individualität und Mitgefühl
Das Zeitalter des Glaubens an institutionelle Plan- und Machbarkeit geht zu Ende
Wir dürfen die Kräfte des Individuellen, von Vielfalt, Eigenverantwortung und Kreativität nicht schwächen. Aber wir sollten die Kräfte des Mitgefühls, von Empathie und Gemeinsinn stärken. Das ist kein Widerspruch, im Gegenteil: An Stelle eines Kollektivs von Egoisten, könnte eine Gemeinschaft der Individuen treten.
Das "Zeitalter der Institutionen", der (Illusion von allgemeiner) Plan- und Machbarkeit, geht zu Ende. Subsidiarität wäre das Gebot der Stunde: Hilf Dir selbst - und dann hilf Deinem Nächsten. (Aber hoffe, warte, nicht immer auf anonyme Dritte - auf Staat, Experten und andere Autoritäten.) Wir müssen uns selbst neu organisieren. Von "unten her" und, jeder für sich, von innen heraus. Ein neues Fundament - statt sich auf die brüchige Basis überforderter Institutionen zu verlassen.
Umverteilung ist Verschwendung. Sie schöpft keine Werte, maximiert nur die Wählerstimmen für die jeweils regierenden Parteien.
Wir können uns auch nicht aus der Krise konsumieren. Nicht das Sparen macht uns kaputt, sondern unsere Konsum- und Verschwendungssucht. Dies betrifft nicht nur um Geld, sondern auch um natürliche Ressourcen. (Aber auch menschliche Ressourcen werden vergeudet, wenn nicht kreative und produktive Wertschöpfung, sondern ständig zunehmender Konsum - als Kompensation und Ersatzbefriedigung - im Zentrum steht.)
Schwerpunkt nach unten
« Es muss alles getan werden, um den Schwerpunkt der Lebensverantwortung wieder zu verlegen vom staatlichen Zentrum an die Stelle, die gesundes Denken und geschichtliche Erfahrung als die natürliche Stelle verlangt, hin zum einzelnen inmitten seiner Familie, zu den dezentralisierten staatsfreien Organisationen, zu den breiten Schichten der Völker. An dieser Aufgabe entscheidet sich das Schicksal unserer Kultur deren Wesen Freiheit und Persönlichkeit sind. »
- Gerd Habermann, Das Mass des Menschlichen, Wilhelm-Röpke-Brevier 1999, S34
Jeder Mensch ein Medium
Sachgerechtigkeit durch Vielfalt
Objektivität ist (nicht nur für Medien) schwer erreichbar – und vielleicht auch gar nicht immer wünschenswert. Es gäbe ja viele subjektive Sichtweisen, die ein vielfältiges Gesamtbild ergeben können. Leider werden viele davon ausgeblendet - wenn sie nicht gerade der gängigen Mode, dem Zeitgeist entsprechen.
Ein gutes Medium ist Sender und Empfänger zugleich. Dasselbe kann und sollte eigentlich auch für jeden mündigen Bürger gelten. Sich nicht nur außen orientieren, sondern auch am eigenen Empfinden, Gewissen, Verstand. Und sich dann mit anderen austauschen. Statt einfach vorgefertigte Meinungen zu übernehmen. (Pro und Contra ist zu wenig. Es kommt auch auf die Zwischentöne an, aufs Differenzieren.) Dazu bräuchte man viele Medien – und die neuen Kommunikationsmittel erlaubten es auch fast jedem, selbst ein Medium zu sein! Dies hätte überdies große Auswirkungen auf die Politik (ganzheitlicherer Diskurs - statt Polarisierung durch Parteiideologien) und auf den Markt (weniger Manipulation durch geschicktes Marketing - dafür höhere Bedürfnisgerechtigkeit; viel bessere Ressourcenallokation.)
Promis und „Experten“, Fanatiker und Spinner (und natürlich die Medienleute selbst!) beherrschen die veröffentlichte Meinung. Dies liefert ein ziemlich verzerrtes, dafür aber umso unverrückbareres, Bild der Wirklichkeit. Wenn wir uns daher nicht länger bevormunden lassen wollen, müssten wir beginnen, uns selbst als Medien zu verstehen - und entsprechend zu betätigen.
Einigung durch Teilung
Welteinigungspläne [...] sind todernste Propositionen, humorlos und einem Menschentypen angepaßt, den man sich als ein Kollektivwesen vorstellt und als Vieh niederer Gattung; und sie erinnern mich mit all ihren seriösen Ausführungen immer an den Professor für Statistik, der dem Satan vorschlägt, wie er die Hölle organisieren soll. Worauf ihm Satan mit felsenerschütternden Gelächter zur Antwort gibt: "Die Hölle organisieren? Mein lieber Herr Professor! Organisation ist die Hölle."
Freiheit verlangt Vielfalt
Das Missverhältnis zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung wächst.
Freiheit verlangt Vielfalt – auch im Bereich der Medien. (In der Politik könnte man Vielfalt übrigens eher durch persönlich gewählte Volksvertreter erreichen – nicht durch mehr Parteien.)
Die veröffentlichte Meinung in Österreich scheint etwa eine Zweidrittelmehrheit für Rot-Grün zu ergeben – bei der EU-Wahl war es hingegen nicht einmal ein Drittel… (Alle reden von Demokratie - Wahlen oder gar Wähler scheinen sie aber weniger zu interessieren…)
Wie(so) schaffen es die "Grünlinken" eigentlich, so viele Positionen in den Medien zu besetzen? Interessieren sich Konservative und Liberale denn nicht für öffentliche Diskurse und kulturelle Entwicklungen?
Ein österreichisches Phänomen?
Zumindest was die Wahlen betrifft, gibt es derzeit europaweit einen Trend zu gemäßigten Konservativen. (Sicherheit scheint den Menschen wichtiger zu sein als „Gleichheit“.)
Selbst Obama ist ja, wenn schon kein Konservativer, so doch ein Gemäßigter (Liberaler?)
Mut statt Gier
Gier ist die Angst, zu kurz zu kommen…
Wovor haben wir Angst? Angst ist letztlich meist eine Angst vor Leid und Schmerz.
Gier entsteht, wenn wir nicht haben, was wir wirklich brauchen. Dann suchen wir nach Kompensation, nach Ersatzbefriedigung. Die Dosis muss ständig gesteigert werden, bis zur Sucht.
Dagegen hilft der Mut, sich selbst zu (ver)trauen. Nur zu nehmen, was man wirklich braucht – und zu geben, was man hat und kann.
Der Mut, zu sich zu stehen, zur eigenen Wesensart, zu eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Sich nicht zu genieren, kein schlechtes Gewissen zu haben - weil man so ist, wie man eben ist… Sich nicht zu verstellen, zu verlieren, zu verkaufen.
Wenn jeder möglichst gibt, was er hat oder kann – und nur nimmt, was er (dazu) braucht, verliert Gier ihre wichtigste Basis… Eine Vertrauensfrage. Natürlich funktioniert so etwas nicht gleich. Aber man könnte es einmal als Ideal postulieren; sich bemühen, selbst als Vorbild zu fungieren. Statt also etwa Konsum als „Statussymbol“ – lieber einmal Charakterstärke, Sparsamkeit, Einsatzbereitschaft. Kleinere Einheiten, Subsidiarität, Ergänzung in Vielfalt.