Mehr Toleranz

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Toleranz ist ein anderes Wort für Gleichgültigkeit.

Leitgedanken

  • Wer Fehler finden will, findet sie auch im Paradies. Henry David Thoreau
  • Als der chinesische Philosoph und Religionsstifter Konfuzius (511-479 v. Chr.) von seinem jungen Kaiser gefragt wurde, was er tun müsse, um sein zerrüttetes Reich wieder in Ordnung zu bringen, antwortete er kurz und bündig: "Stelle die Bedeutung der Begriffe wieder her und dulde keine Unordnung in den Worten." Damit wurde ein bis heute wichtiger Grundsatz der Staatslehre formuliert, der im Laufe der Jahrhunderte immer wieder bestätigt worden ist: Daß zwischen sprachlicher und politisch-gesellschaftlicher Ordnung ein enger Zusammenhang besteht. Große Reiche sind nicht nur durch militärische oder revolutionäre Gewalt zusammengebrochen, sondern auch durch einen langsamen Prozeß einer "babylonischen Sprachverwirrung". Quelle
  • Der Klügere gibt nach. Volksmund
  • Die unbegrenzte Toleranz führt fatalerweise zum Verschwinden der Toleranz. Karl Popper
  • Ein bißchen gesunder Menschenverstand, ein bißchen Toleranz, ein bißchen Humor - wie behaglich es sich dann auf unserem Planeten leben ließe. William Somerset Maugham
  • Gleichgültigkeit ist die mildeste Form der Intoleranz. Karl Jaspers
  • Man möge bedenken, daß man andere ertragen soll, wie man selbst ertragen zu werden wünscht. Aber das ist eben der Teufel der Menschen, daß selten jemand glaubt, daß die anderen auch etwas an ihm zu ertragen hätten. Jeremias Gotthelf
  • Nicht ärgern, nur wundern. Sinnsprüche
  • Toleranz besteht nicht darin, daß man die Ansicht eines anderen teilt, sondern nur darin, daß man dem anderen das Recht einräumt, überhaupt anderer Ansicht zu sein. Viktor Frankl
  • Toleranz ist die Tugend des Mannes, der keine Überzeugungen hat. Gilbert Keith Chesterton
  • Toleranz ist nicht eine bestimmte Überzeugung, sondern eine bestimmte Art, mit Überzeugung umzugehen. P. Engelbert Recktenwald
  • Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein, sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen. Johann Wolfgang von Goethe
  • Wehret den Anfängen ! Cicero
  • Wer die Menschen behandelt wie sie sind, macht sie schlechter. Wer sie aber behandelt wie sie sein könnten, macht sie besser. Lebensweisheiten & Zitate
  • Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket? Martin Luther ?

Sonstiges

Vom falschen Gebrauch eines Begriffs

Tolerieren? Toleranz üben? Was bedeutet das eigentlich genau? Das Dulden oder das Hinnehmen fremder Gebräuche oder als fremdartig empfundener Weltanschauungen, metaphysischer oder religiöser Ideen? Oder ist es ein großzügiges Verhalten jener, welche eigentlich die Macht oder das Recht haben, zum ungewohnten oder unerwünschten Verhalten Anderer nein sagen zu können, es aber dennoch zulassen? Ist tolerantes Verhalten freiwilliger oder unfreiwilliger Natur oder ist Toleranz nur ein Dulden oder gar ein Erdulden von Handlungen, die - genau betrachtet - Gesetze verletzen?

Die Grenzen der Toleranz

Wenn wir unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.

  • Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Bern – München 1957
  • Stephan Bauer

Paradox der Toleranz

« In der "Offenen Gesellschaft und ihre Feinde" habe ich vom Paradox der Toleranz gesprochen. Die unbegrenzte Toleranz führt fatalerweise zum Verschwinden der Toleranz. Wenn man sogar gegenüber den Intoleranten tolerant ist, wenn man nicht bereit ist, die Gesellschaft der Toleranz gegen die Angriffe der Intoleranten zu verteidigen, dann werden die Verfechter der Toleranz vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen. Ich will damit nicht sagen, daß man die Äußerung von Theorien, die die Intoleranz predigen, immer verhindern muß. Solange es möglich ist, sie mit rationalen Argumenten zu bekämpfen und sie mit Hilfe der öffentlichen Meinung im Zaum zu halten, wäre es falsch, sie zu verbieten. Aber man muß das Recht beanspruchen, ebendies zu tun, wenn nötig, sogar mit Gewalt. Denn es kann sein, daß die Verfechter dieser Theorien die Diskussion ablehnen und ihre Schüler lehren, auf Argumente mit Fäusten oder Waffen zu antworten. Im Namen der Toleranz müßten wir dann das Recht in Anspruch nehmen, die Intoleranz nicht zu dulden. »

Moderne Toleranz und Offenheit

- Deckmantel für Intoleranz und Verschlossenheit ?

Werden Meinungs- und Gewissensfreiheit durch moderne Tugenden bedroht ?

Der Begriff Toleranz gehört seit einigen Jahrzehnten zum allgemeinen Wortschatz des modernen Menschen. Wahrscheinlich sind sich die wenigsten Menschen bewusst, welch gefährlicher Tugend sie sich verschrieben haben, wenn sie die Toleranz zu ihrem höchsten Leitsatz gemacht haben, der immer dann zur Anwendung kommt, wenn sie anderen Meinungen und Ansichten begegnen. Bei den einen wirkt sich Toleranz so aus, dass sie ihre eigenen Ansichten sofort angleichen. Andere hüten sich, zu widersprechen, um nicht als intolerant zu gelten. Und wieder andere fordern von jeder abweichenden Meinung, dass sie in Anwendung der Tugend Toleranz preisgegeben werde, um einer Auseinandersetzung auszuweichen, um den Scheinfrieden nicht zu stören. Wer sich darauf versteift, seine Überzeugung gegen alle anderen aufrechtzuerhalten, der wird schnell einmal als intolerant und als Störfaktor ausgemarcht. Besonders wird jeder Versuch, eine feststehende Ansicht zu begründen als Vereinnahmung und als totalitäre Indoktrinierung angeschwärzt und als gesellschaftsschädigend geahndet.

Toleranz – ein brauchbarer Begriff im interreligiösen Dialog?

Gegenwärtig verweist die Frage nach Toleranz auf ein Überlebensproblem der Weltgesellschaft. Wie ist ein Zusammenleben der unterschiedlichen Nationen, Kulturen, Ethnien, Religionen, Konfessionen, Weltanschauungen möglich? Wie kann eine friedliche Koexistenz erreicht und ein clash of civilisations verhindert werden? Wie können die jeweils prägenden, handlungsleitenden Überzeugungen und Formen der Lebensgestaltung in ihrer Verschiedenartigkeit und manchmal auch Gegensätzlichkeit wechselseitig toleriert werden?

Toleranz ist eine Zumutung

Innerhalb moderner pluralistischer Gesellschaften leben Menschen unterschiedlicher Herkunftskulturen und Religionen Tür an Tür, stoßen täglich verschiedene, teilweise sich widersprechende Werte und Lebensentwürfe aufeinander. Die Frage, wie in solchen Gesellschaften ein friedfertiges Miteinander möglich ist, lässt den Ruf nach (mehr) Toleranz lauter werden.

Missbrauchte Toleranz

Apropos: Toleranz. Selbst dieser Begriff ist heute nicht mehr vor politischem Missbrauch gefeit.

Man müsse anderen Meinungen gegenüber tolerant sein, heisst es. Gewiss, das tönt christlich und menschenfreundlich; denn schliesslich ist kein Mensch frei von Irrtümern und Vorurteilen. Aber das schliesst keineswegs aus, eine eigene Meinung, eigene Vorstellungen und Überzeugungen zu haben und diese Andersdenkenden gegenüber zu verteidigen. Im religiösen Bereich halte ich mich an das Wort von Hans Carossa: «Man soll keinen Glauben zerstören, den man durch keinen schöneren ersetzen kann». Aber politisch heisst Toleranz durchaus nicht, alles dulden und gutheissen. Toleranz schliesst Kritik an anderen Meinungen nicht aus. Sie verbietet uns nicht, gegen Anschauungen zu protestieren, die den unsern widersprechen. Wir müssen in solchen Auseinandersetzungen ja nicht gleich zum Revolver greifen. Man kann auch mit Worten und Argumenten trefflich streiten. Ein klares, unzimperliches Widerwort ist allemal erlaubt. Wo kämen wir hin, wenn wir alles, was in dieser Welt läuft – alle Dummheiten und Verrücktheiten, alle Greuel und Gemeinheiten – tolerieren würden!

Der Begriff Toleranz hat nur einen sehr begrenzten Sinn. Wir dürfen ihn nicht überfordern. Mit dem Ideal der Toleranz wird heute oft ein raffinierter Missbrauch getrieben. Er wird dazu benutzt, die Leute «weich zu spülen». Indem man an ihre Toleranz appelliert, erzeugt man Gleichgültigkeit gegenüber politischen Ansichten, auch wenn diese noch so falsch sind. Die absolute Forderung nach Toleranz ist geeignet, das Wertebewusstsein der Leute zu verunsichern und ihren Willen zur eigenen Meinung lahmzulegen. Man lasse sich nicht täuschen, auch wenn noch so grosse Namen zur Verteidigung einer unbedingten Toleranz aufgeboten werden. Das berühmte Wort von Voltaire – «Ich bin zwar nicht Ihrer Meinung; aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie Ihre Meinung zum Ausdruck bringen können» - hat Voltaire überhaupt nie gesagt und nirgends geschrieben. Es hätte ja auch gar nicht zu ihm gepasst. Der grosse, geistreiche Spötter konnte sehr intolerant sein, wenn etwas seiner eigenen Meinung zuwiderlief. Wenn schon, dann sollten wir uns besser an Worte halten wie:

« Toleranz ist die Tugend des Mannes, der keine Überzeugungen hat » Gilbert K. Chesterton, oder von Somerset Maugham: « Toleranz ist ein anderes Wort für Gleichgültigkeit », und von Karl Jaspers: « Toleranz kann nicht bestehen gegen Intoleranz... Es darf keine Freiheit geben zur Zerstörung der Freiheit. »

Prinzipien der Toleranz

« Entschlossen, alle positiven Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um den Gedanken der Toleranz in unseren Gesellschaften zu verbreiten - denn Toleranz ist nicht nur ein hochgeschätztes Prinzip, sondern eine notwendige Voraussetzung für den Frieden und für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung aller Völker, erklären wir: »

Muss Toleranz auch Intoleranz tolerieren ?

« Nein, das ist dann Dummheit und nicht Toleranz. »


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