Menschliche Reife

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einfachheit ist das Resultat der Reife. Friedrich Schiller

Leitgedanken

  • Derjenige, der sich mit Einsicht für beschränkt erklärt, ist der Vollkommenheit am nächsten. Johann Wolfgang von Goethe
  • Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
  • Die Größe eines Menschen erkennen wir daran, wie viel Gegensätze er in sich vereinigt. Nikolaus von Kues
  • Die Weisheit eines Menschen mißt man nicht nach seinen Erfahrungen, sondern nach seiner Fähigkeit, Erfahrungen zu machen. George Bernard Shaw
  • Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen. Pearl S. Buck
  • Menschen, die viel von sich sprechen, machen - so ausgezeichnet sie übrigens sein mögen - den Eindruck der Unreife. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Menschliche Reife beginnt dort, wo die Sorge um andere größer wird als um die eigene Person. Charles Talleyrand
  • Reife hat erreicht, wer auf sich selbst nicht mehr hereinfällt. Heimito von Doderer
  • Unglückliches Geschick der Menschen! Kaum ist der Geist zu seiner Reife gelangt, beginnt der Körper dahinzuwelken. Charles de Montesquieu
  • Weisheit ist nichts als eine Bereitschaft der Seele,eine Fähigkeit, eine geheime Kunst, jeden Augenblick, mitten im Leben, den Gedanken der Einheit denken, die Einheit fühlen und einatmen zu können. Hermann Hesse

Sonstiges

Leben im Hier und Jetzt

Im Buddhismus erzählt man sich immer wieder eine Geschichte, die ausdrücken soll, wie wichtig das Leben im Hier und Jetzt ist:

Einige Schüler gingen zu Ihrem Meister. Sie wollten wissen, warum er immer so glücklich, zufrieden und ausgeglichen sei. Sie wären gerne so wie er. Der Meister sagte zu ihnen: "Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich mich setze, dann setze ich mich. Wenn ich esse und trinke, dann esse und trinke ich." Die Schüler schauten sich verdutzt an, weil sie mit der Antwort nichts anfangen konnten. Einer nahm seinen ganzen Mut zusammen und sagte zum Meister: "Meister, was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, gehen, essen und trinken. Doch wir sind nicht glücklich. Was also ist das Geheimnis?" Der Meister wiederholte das soeben Gesagte. Über diese Antwort waren die Schüler leicht verärgert. Sie waren im Begriff zu gehen, als der Meister sagte: "Sicher liegt auch ihr und ihr geht auch und ihr esst und trinkt auch. Aber während ihr liegt, denkt ihr schon ans Aufstehen. Während ihr aufsteht, überlegt ihr, wohin ihr geht, und während ihr geht, fragt ihr euch, was ihr essen und trinken werdet. So sind eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo ihr gerade seid. Das Leben findet immer im Jetzt statt. Lasst euch auf diesen Augenblick ganz ein und ihr habt die Chance, wirklich glücklich zu sein.

Grundwahrheiten der Erkenntnis

Wer Ideen haben will, muss zuerst die Wahrheit wollen und sich die Spielregeln aneignen, die sie auferlegt. Es geht nicht an, von Ideen oder Meinungen zu reden, wenn man keine Instanz anerkennt, welche über sie zu Gericht sitzt, keine Normen, auf welche man sich in der Diskussion berufen kann. Diese Normen sind die Grundlagen der Kultur. Es kommt mir nicht auf den Inhalt an. Was ich sagen will ist, dass es keine Kultur gibt, wenn es keine Normen gibt, auf die wir und unsere Gegner zurückgreifen können. Es gibt keine Kultur, wenn es keine Prinzipien des bürgerlichen Rechts gibt. Es gibt keine Kultur, wenn es keine Ehrfurcht vor gewissen Grundwahrheiten der Erkenntnis gibt. (Wenn sich unser Partner in der Diskussion nicht darum kümmert, ob er bei der Wahrheit bleibt, wenn er nicht den Willen zur Wahrheit hat, ist er ein geistiger Barbar.) Es gibt keine Kultur, wo die wirtschaftlichen Beziehungen von keiner Verkehrsordnung beherrscht werden, unter deren Schutz man sich stellen kann. Es gibt keine Kultur, wo ästhetische Polemiken es nicht für notwendig erachten, das Kunstwerk zu rechtfertigen.

  • Ortega y Gasset, Aufstand der Massen

Im Ungemach der Welt

Der Weise ist gelassen im Ungemach der Welt, heiter inmitten von Unsinn und Ungerechtigkeit und liebend in aller Verlassenheit. Warum aber kann der Weise weise sein? Weil er die Erfahrung einer ganz anderen Wirklichkeit in sich trägt als der gewöhnliche, der unreife Mensch, der das von ihm begreifbare Leben noch für das wirkliche hält. Der Weise steht auf einem anderen Grund, auf dem ihn die Gefährlichkeit des Daseins sowenig wie sein Widersinn und seine Grausamkeit erreicht und von dem aus er gerade im Tode das Leben, im Unsinn den Sinn und in der Verlassenheit die bergende Einheit eines größeren Lebens erfährt und bekundet.

  • Karlfried Graf Dürckheim, Der Durchbruch zum Wesen, S121

Wahre Stärke kommt durch die Demut

Kenjô no bitoku (jap.): sinngemäß: "Wahre Stärke kommt durch die Demut"

Das Lebensziel vieler Menschen besteht im Streben nach Macht und Position, mittels deren sie sich durchsetzen und über anderen stehen wollen. Nur selten fragen sie dabei nach dem Maß, nach der Verantwortung oder nach dem lebensgültigen Sinn, sondern nur nach dem praktischen Vorteil. In allen Lebensaspekten bemühen sich Menschen darum, in irgendeiner Weise die Ausnahme zu sein, sich im Überschreiten einer Norm vom Durchschnitt abzuheben und dadurch Vorteile zu erreichen. Dies ist auch die Grundlage der westlich geprägten Gesellschaft, deren Rang und Bedeutung in der Welt sich einzig auf ihrer Machtwirkung begründet.

Doch Wirkungen ohne lebensgültigen Sinn sind menschenunwürdig und verderben das Leben. Dieser Erkenntnis nicht fähig, hängen Menschen in den oberen wie in den unteren Etagen der Gesellschaft dem Machtstreben nach und üben durch die ihnen jeweils zur Verfügung stehenden Mittel eine destruktive Wirkung auf das Leben aus. Dies ist ein naiver und unreifer Selbstbestätigungskomplex, der jedoch viele zu solchen Demonstrationen von Stärke treibt. Schläger und Rowdies unterscheiden sich darin nur durch die Methode von manch hohem Beamten, der in der selben primitiven Gesinnung die Macht zur Verwirklichung seines persönlichen Geltungsdrangs verwendet.

Doch dies ist keine Stärke, sondern ein Zeugnis der Unreife, die im Besitz von Macht zur gefährlichen Waffe werden kann. Erst die Demut kann sie überwinden und innere Stärke hervorbringen. Menschliche Reife äußert sich nie durch den Geltungsdrang, sondern durch Harmonie und Frieden. Wahre Stärke kommt erst mit der Demut. Wahre Demut entsteht im Kampf gegen das Ich und führt zu der Erkenntnis, daß wir mit allem Lebendigen auf intensive Weise verbunden sind. Sie macht bewußt, wie klein und unbedeutend wir einerseits sind und wie gefährlich wir andererseits sein können, wenn wir die Verantwortung für unser Handeln ablehnen. Demut bezeugt sich in der Bewunderung für die Welt und in der Dankbarkeit, daß wir in ihr Leben dürfen.

Demut kommt mit der Erkenntnis, daß wir trotz allem, was wir erreichen können, dennoch klein und unwichtig bleiben. Doch der unreife Mensch setzt sich immer darüber hinweg. Erhält er Macht, wird seine aus der Dummheit geborene Überheblichkeit zur Gefahr für andere.

Dies ist einer der Gründe, warum die Übung der Kampfkünste die Demut erfordert. Auch übermäßiges Lautsein, Angeberei, Arroganz und Unmaß sind Merkmale eines Menschen, dem es an Demut fehlt. Sie wirken in jeder Handlung mit und beeinflussen, unscheinbar im kleinen und wirkungsvoll im großen, das Leben in der Welt. Sie sind weder harmlos noch ungefährlich, sondern ein Zeugnis dafür, wie der Mensch in persönlicher Unschuld zu jener Kettenreaktion von lebensbedrohlichen Wirkungen beitragen kann, für die kein einzelner, sondern nur die Summe der einzelnen verantwortlich ist. Die Übung des Budô macht darauf aufmerksam. Die aus der Demut entstehende Stärke führt zum Geist des Budô. Übung, die das nicht berücksichtigt, verletzt die Grundregeln des Weges.

Mangelnde Reife

Um dies als Hindernis auf dem Weg zu einem Bewusstseinsprung zu erkennen, sind einige Erklärungen notwendig. Was bedeutet es, ein reifer Erwachsener zu sein? Der Erwachsene unterscheidet sich vom Kind vor allem dadurch, dass er unabhängig ist. Das bedeutet auch, dass er selbst die Verantwortung für sein Handeln und sein Leben zu übernehmen hat. weiter

Menschliche Reife

Menschliche Reife ist nach der Psychologin Boglarka Hadinger etwas anderes als kognitive, soziale oder emotionale Intelligenz, denn hohes Intelligenz- und Kompetenzniveau gepaart mit geringer menschlicher Reife kann verheerende Folgen haben. Sie nennt in einer Liste acht Punkte, die einen reifen Menschen kennzeichnen: weiter

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