Menschliche Reife

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einfachheit ist das Resultat der Reife. Friedrich Schiller

Leitgedanken

Neu

  • Dieses Leben ist nicht ein Wesen, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Martin Luther

A - G

  • Alle menschliche Weisheit liegt in den zwei Worten "Harren und Hoffen!" Alexandre Dumas d.Ä
  • Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsse im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen. Antoine de Saint-Exupéry
  • Das Verbindende über das Trennende stellen. Volksmund
  • Der aus Büchern erworbene Reichtum fremder Erfahrung heisst Gelehrsamkeit. Eigene Erfahrung ist Weisheit. Gotthold Ephraim Lessing
  • Der beste Beweis für Weisheit ist beständig gute Laune. Michel Montaigne
  • Der höhere Mensch sieht auf den inneren Wert, der gewöhnliche nur auf das Ansehen. Chinesischer Spruch
  • Der Tor hält sein eigenes Urteil für richtig, / der Weise aber hört auf Rat. Spr 12,15
  • Der Vollendete gleicht dem Wasser: Allen Wesen spendet es willig Erquickung und Segen. [...] Weil er sich streitlos einfügt / lebt er ohne Feindschaft und Widerstand. K.O.Schmidt: Lao-Tse, Tao-Teh-King, 8.Spruch
  • Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
  • Die Größe eines Menschen erkennen wir daran, wie viel Gegensätze er in sich vereinigt. Nikolaus von Kues
  • Die Spielregeln des Lebens verlangen von uns nicht, daß wir um jeden Preis siegen, wohl aber, daß wir den Kampf niemals aufgeben. Viktor Frankl
  • Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen. Pearl S. Buck
  • Die Weisheit eines Menschen misst man nicht nach seinen Erfahrungen, sondern nach seiner Fähigkeit, Erfahrungen zu machen. George Bernard Shaw
  • Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung. Heinrich Heine
  • Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewußtseins. Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach
  • Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Reinhold Niebuhr

H - Z

  • Je länger man lebt, desto deutlicher sieht man, dass die einfachen Dinge die wahrhaft größten sind. Romano Guardini
  • Jeder Narr kann kritisieren, verurteilen, reklamieren - und die meisten Narren tun es auch. Dale Carnegie
  • Klein ist der Mensch, der Vergängliches sucht, groß aber, wer das Ewige im Sinn hat. Antonius von Padua
  • Menschen, die viel von sich sprechen, machen - so ausgezeichnet sie übrigens sein mögen - den Eindruck der Unreife. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Menschliche Reife beginnt dort, wo die Sorge um andere größer wird als um die eigene Person. Charles Talleyrand
  • Merkmal großer Menschen ist, daß sie an andere weit geringere Anforderungen stellen als an sich selbst. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Nach dem Sparer kommt ein Zehrer. Sprichwort
  • Nur die Weisen sind im Besitz von Ideen; die meisten Menschen sind von Ideen besessen. Samuel Taylor Coleridge
  • Reife hat erreicht, wer auf sich selbst nicht mehr hereinfällt. Heimito von Doderer
  • Sanftmut ist der Himmel, Zorn die Hölle, die Mitte zwischen beiden ist diese Welt. Darum, je sanftmütiger du bist, desto näher bist du dem Himmel. Martin Luther
  • Unglückliches Geschick der Menschen! Kaum ist der Geist zu seiner Reife gelangt, beginnt der Körper dahinzuwelken. Charles de Montesquieu
  • Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt. Hermann Hesse
  • Weisheit ist der Lohn dafür, daß man ein Leben lang zugehört hat, obwohl man viel lieber selber geredet hätte. Unbekannt
  • Weisheit ist nichts als eine Bereitschaft der Seele, eine Fähigkeit, eine geheime Kunst, jeden Augenblick, mitten im Leben, den Gedanken der Einheit denken, die Einheit fühlen und einatmen zu können. Hermann Hesse
  • Wenn jeder von jedem alles wüsste, würde jeder jedem gerne verzeihen. Rabindranath Tagore

Sonstiges

Über das Leiden

Durch Leiden, Erfahrungen erwerben wir uns Seelenkräfte: das Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir schwierige Situation erfolgreich bewältigt haben, sind wir wieder ein Stück gewachsen.

Ein Augenblick Ewigkeit

Ein Weiser wurde gefragt, wie es gelingen könnte, den Augenblick voll auszukosten, um etwas davon festzuhalten zu können. Schließlich sei der Augenblick wertvoll und unwiederbringlich, dass niemand ihn einfach so entschwinden lassen könne. „Was denkst du“, fragte der Weise den Fragesteller, „wenn du versuchst, den Augenblick festzuhalten?“ „Ich denke: Jetzt!“, antwortete dieser. „Und dann?“, fragte der Weise. „In dem Moment, in dem ich: Jetzt! denke, ist er auch schon vorbei und ich habe nichts mehr davon. Festhalten kann ich nichts.“ „Du hast recht“, erwiderte der Weise.

„In dem Moment, in dem du: Jetzt! denkst, ist das jetzt schon vorüber. Jetzt! sagen nützt gar nichts.“ „Aber was soll ich tun?“ fragte der andere. „Ganz gleich, was ich denke, es ist sofort verflogen.“ „Du täuschst dich“, sagte der Weise. „Ich will dir ein Geheimnis anvertrauen. Versuch es einmal ganz anders: Atme tief ein und tief aus. Höre auf den Schlag deines Herzens. Denk in aller Ruhe an einen Menschen, den du liebst und erinnere dich an eine Freude, die er dir gemacht hat. Und dann sag ganz einfach und ruhig: „Ja“. In diesem kleinen „Ja“ kostest du den gegenwärtigen Augenblick voll aus. Viele vergangene Augenblicke und viele Augenblicke, die noch kommen werden. Das kleine „Ja“ verfliegt nicht wie das flüchtige „Jetzt!“ Es bleibt bei dir. Das kleine „Ja“ ist stärker als die Zeit. Es hat Teil an dem, was nicht vergeht.“

Der Weise lächelte: „In jedem "Ja" wohnt ein Augenblick Ewigkeit.“

Der Zweifel galt ihm viel

Mit kleinen Tricks ein gutes Leben führen

Unkonventionell. Michel de Montaigne, der Philosoph des Alltags, lebte im 16. Jahrhundert. Doch das, was er zu sagen hat, ist aktuell.

Was ist ein gutes Leben? Worauf kommt es für mich an? Was kann ich tun, um es zu erreichen? Zu allen Zeiten – angefangen bei den Philosophen der Antike – haben Menschen sich das gefragt. Allerdings noch nie so intensiv wie heute, das zeigen nicht nur Literatur und Kunst, sondern der Alltag in Internetforen und Ratgeberliteratur. Aus dieser Welt der „Nabelschau“, der Schau in das persönliche Innere, sticht einer besonders heraus: Michel Eyquem de Montaigne, Adeliger, Staatsbeamter, Besitzer eines Weinguts samt Turm, Reisender und Essayist, der zwischen 1533 und 1592 im Périgord im südwestlichen Frankreich lebte. Er zog sich mit 37 Jahren von seiner unruhigen Zeit in seinen Turm zurück und begann, sich selbst zu beobachten, sich Fragen zu stellen und darüber zu schreiben. Nicht moralisierend, nicht urteilend, ganz pragmatisch.

107 solcher „Essais“ hat er hin terlassen. Die ungewöhnlichen Texte waren damals eine Sensation. Montaigne war der Blogger der Renaissance.

Dass die Schriften heute noch gefragt sind, verdanken sie Autoren wie Sarah Bakewell. Die britische Schriftstellerin hat kürzlich einen Band veröffentlicht, in dem sie auf kluge Weise und pragmatisch wie Montaigne selbst dessen Leben, Erfahrungen und unkonventionelle Ansichten in „einer Frage und 20 Antworten“ vor dem Leser ausbreitet.

Diesen auffordert, einzutauchen in ein fremdes und fernes Leben, das trotzdem seltsam nah und vertraut ist. „Wie soll ich leben“, das ist die Frage, um die Montaigne kreist. Hier sind einige Antworten: Lebe den Augenblick!

Montaigne war nicht der Erste, der versuchte, sich auf den Augenblick zu konzentrieren. „Hier und jetzt“ war eine Grundregel der antiken Philosophen. Zen-Meister verbringen ihr Leben damit, es zu lernen. Montaigne half es, mit dem Gedanken an Alter und Tod, auch mit Orientierungslosigkeit in der Mitte seines Lebens fertig zu werden. „Wenn man versäumt, das Leben festzuhalten, wird es einem entwischen. Aber auch wenn man es festhalten will, wird es entfliehen. Also muss man gegen den schnellen Lauf der Zeit ankämpfen und wie aus einem reißenden Gießbach geschwind trinken“, hielt er fest. Sein Trick bestand darin, sich in jedem Augenblick ein kindliches Staunen zu bewahren. Sei es über alltägliche Vorkommnisse, sei es über sich selbst oder über Land und Leute, wenn er auf Reisen war. Bediene dich kleiner Tricks!

Jeder Mensch könne sich das Leben ein wenig einfacher machen, wenn er in schwierigen Situationen den „Lichtstrahl der Vernunft“ umlenke, schrieb Montaigne. Er selbst versuchte, sich abzulenken. Als er einen geliebten Freund verlor, fand er es hilfreich, seine Aufmerksamkeit auf anderes zu richten: „Ein quälender Gedanke bedrängt mich – und schon habe ich ihn ausgetauscht, denn das finde ich einfacher, als ihn zu bändigen. Jede Veränderung tut wohl und erleichtert, erlöst und zerstreut.“

Seiner Ansicht nach funktionierte das nicht nur bei Trauer, sondern auch bei Zorn oder Langeweile. Im Sinne der griechischen Stoiker und Epikureer hielt er solch geistiges Training für effektiv. Der griechische Philosoph Plutarch etwa empfahl zudem Gedankenspiele: Man solle sich zum Beispiel vorstellen, man habe alles verloren, wenn man seines Besitzes überdrüssig sei. Das mache wahren Wert bewusst. Auch darin übte sich Montaigne. Er wollte ein gelassenes Leben führen. Erwache aus dem Schlaf der Gewohnheit!

Auch wenn wir Routine brauchen, um den Alltag zu bewältigen: Gewohnheit stumpft ab und schläfert ein. Montaigne ging es damit nicht anders. Sein Trick war, zu einem anderen Blickwinkel zu wechseln. Ihm half, an Gebräuche und Sitten anderer Länder zu denken. Er informierte sich, er war neugierig, er staunte, er ließ sich begeistern, er blieb sein leben lang aufgeschlossen. Wie viele seiner Generation war er von dem fasziniert, was man damals über Amerika wusste. „Die weite Welt ist der Spiegel, in den wir schauen müssen, um uns aus dem rechten Blickwinkel zu sehen“, schrieb er. Stelle alles infrage!

Montaigne sagte von sich selbst immer, er sei ein ganz normaler Mensch. Allerdings einer, der nichts als selbstverständlich hinnehmen und einen klaren Blick gewinnen wollte. Also fragte er und dachte nach. Er war der Ansicht, dass wir aufgrund unserer Natur gar nicht in der Lage sind, etwas so zu sehen, wie es wirklich ist. Seiner Meinung nach verzerrt schon eine einfache Erkältung die Sicht und vernebelt den Geist – abgesehen davon, dass dann nicht einmal mehr das Essen so schmeckt wie immer. Der Zweifel galt ihm viel. Er war sein Weg zu innerer und äußerer Freiheit.

  • Salzburger Nachrichten 27.10.2012

Leben im Hier und Jetzt

Im Buddhismus erzählt man sich immer wieder eine Geschichte, die ausdrücken soll, wie wichtig das Leben im Hier und Jetzt ist:

Einige Schüler gingen zu Ihrem Meister. Sie wollten wissen, warum er immer so glücklich, zufrieden und ausgeglichen sei. Sie wären gerne so wie er. Der Meister sagte zu ihnen: "Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich mich setze, dann setze ich mich. Wenn ich esse und trinke, dann esse und trinke ich." Die Schüler schauten sich verdutzt an, weil sie mit der Antwort nichts anfangen konnten. Einer nahm seinen ganzen Mut zusammen und sagte zum Meister: "Meister, was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, gehen, essen und trinken. Doch wir sind nicht glücklich. Was also ist das Geheimnis?" Der Meister wiederholte das soeben Gesagte. Über diese Antwort waren die Schüler leicht verärgert. Sie waren im Begriff zu gehen, als der Meister sagte: "Sicher liegt auch ihr und ihr geht auch und ihr esst und trinkt auch. Aber während ihr liegt, denkt ihr schon ans Aufstehen. Während ihr aufsteht, überlegt ihr, wohin ihr geht, und während ihr geht, fragt ihr euch, was ihr essen und trinken werdet. So sind eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo ihr gerade seid. Das Leben findet immer im Jetzt statt. Lasst euch auf diesen Augenblick ganz ein und ihr habt die Chance, wirklich glücklich zu sein.

Grundwahrheiten der Erkenntnis

Wer Ideen haben will, muss zuerst die Wahrheit wollen und sich die Spielregeln aneignen, die sie auferlegt. Es geht nicht an, von Ideen oder Meinungen zu reden, wenn man keine Instanz anerkennt, welche über sie zu Gericht sitzt, keine Normen, auf welche man sich in der Diskussion berufen kann. Diese Normen sind die Grundlagen der Kultur. Es kommt mir nicht auf den Inhalt an. Was ich sagen will ist, dass es keine Kultur gibt, wenn es keine Normen gibt, auf die wir und unsere Gegner zurückgreifen können. Es gibt keine Kultur, wenn es keine Prinzipien des bürgerlichen Rechts gibt. Es gibt keine Kultur, wenn es keine Ehrfurcht vor gewissen Grundwahrheiten der Erkenntnis gibt. (Wenn sich unser Partner in der Diskussion nicht darum kümmert, ob er bei der Wahrheit bleibt, wenn er nicht den Willen zur Wahrheit hat, ist er ein geistiger Barbar.) Es gibt keine Kultur, wo die wirtschaftlichen Beziehungen von keiner Verkehrsordnung beherrscht werden, unter deren Schutz man sich stellen kann. Es gibt keine Kultur, wo ästhetische Polemiken es nicht für notwendig erachten, das Kunstwerk zu rechtfertigen.

  • Ortega y Gasset, Aufstand der Massen

Im Ungemach der Welt

Der Weise ist gelassen im Ungemach der Welt, heiter inmitten von Unsinn und Ungerechtigkeit und liebend in aller Verlassenheit. Warum aber kann der Weise weise sein? Weil er die Erfahrung einer ganz anderen Wirklichkeit in sich trägt als der gewöhnliche, der unreife Mensch, der das von ihm begreifbare Leben noch für das wirkliche hält. Der Weise steht auf einem anderen Grund, auf dem ihn die Gefährlichkeit des Daseins sowenig wie sein Widersinn und seine Grausamkeit erreicht und von dem aus er gerade im Tode das Leben, im Unsinn den Sinn und in der Verlassenheit die bergende Einheit eines größeren Lebens erfährt und bekundet.

  • Karlfried Graf Dürckheim, Der Durchbruch zum Wesen, S121

Wahre Stärke kommt durch die Demut

Kenjô no bitoku (jap.): sinngemäß: "Wahre Stärke kommt durch die Demut"

Das Lebensziel vieler Menschen besteht im Streben nach Macht und Position, mittels deren sie sich durchsetzen und über anderen stehen wollen. Nur selten fragen sie dabei nach dem Maß, nach der Verantwortung oder nach dem lebensgültigen Sinn, sondern nur nach dem praktischen Vorteil. In allen Lebensaspekten bemühen sich Menschen darum, in irgendeiner Weise die Ausnahme zu sein, sich im Überschreiten einer Norm vom Durchschnitt abzuheben und dadurch Vorteile zu erreichen. Dies ist auch die Grundlage der westlich geprägten Gesellschaft, deren Rang und Bedeutung in der Welt sich einzig auf ihrer Machtwirkung begründet.

Doch Wirkungen ohne lebensgültigen Sinn sind menschenunwürdig und verderben das Leben. Dieser Erkenntnis nicht fähig, hängen Menschen in den oberen wie in den unteren Etagen der Gesellschaft dem Machtstreben nach und üben durch die ihnen jeweils zur Verfügung stehenden Mittel eine destruktive Wirkung auf das Leben aus. Dies ist ein naiver und unreifer Selbstbestätigungskomplex, der jedoch viele zu solchen Demonstrationen von Stärke treibt. Schläger und Rowdies unterscheiden sich darin nur durch die Methode von manch hohem Beamten, der in der selben primitiven Gesinnung die Macht zur Verwirklichung seines persönlichen Geltungsdrangs verwendet.

Doch dies ist keine Stärke, sondern ein Zeugnis der Unreife, die im Besitz von Macht zur gefährlichen Waffe werden kann. Erst die Demut kann sie überwinden und innere Stärke hervorbringen. Menschliche Reife äußert sich nie durch den Geltungsdrang, sondern durch Harmonie und Frieden. Wahre Stärke kommt erst mit der Demut. Wahre Demut entsteht im Kampf gegen das Ich und führt zu der Erkenntnis, daß wir mit allem Lebendigen auf intensive Weise verbunden sind. Sie macht bewußt, wie klein und unbedeutend wir einerseits sind und wie gefährlich wir andererseits sein können, wenn wir die Verantwortung für unser Handeln ablehnen. Demut bezeugt sich in der Bewunderung für die Welt und in der Dankbarkeit, daß wir in ihr Leben dürfen.

Demut kommt mit der Erkenntnis, daß wir trotz allem, was wir erreichen können, dennoch klein und unwichtig bleiben. Doch der unreife Mensch setzt sich immer darüber hinweg. Erhält er Macht, wird seine aus der Dummheit geborene Überheblichkeit zur Gefahr für andere.

Dies ist einer der Gründe, warum die Übung der Kampfkünste die Demut erfordert. Auch übermäßiges Lautsein, Angeberei, Arroganz und Unmaß sind Merkmale eines Menschen, dem es an Demut fehlt. Sie wirken in jeder Handlung mit und beeinflussen, unscheinbar im kleinen und wirkungsvoll im großen, das Leben in der Welt. Sie sind weder harmlos noch ungefährlich, sondern ein Zeugnis dafür, wie der Mensch in persönlicher Unschuld zu jener Kettenreaktion von lebensbedrohlichen Wirkungen beitragen kann, für die kein einzelner, sondern nur die Summe der einzelnen verantwortlich ist. Die Übung des Budô macht darauf aufmerksam. Die aus der Demut entstehende Stärke führt zum Geist des Budô. Übung, die das nicht berücksichtigt, verletzt die Grundregeln des Weges.

Mangelnde Reife

Um dies als Hindernis auf dem Weg zu einem Bewusstseinsprung zu erkennen, sind einige Erklärungen notwendig. Was bedeutet es, ein reifer Erwachsener zu sein? Der Erwachsene unterscheidet sich vom Kind vor allem dadurch, dass er unabhängig ist. Das bedeutet auch, dass er selbst die Verantwortung für sein Handeln und sein Leben zu übernehmen hat. weiter

Menschliche Reife

Menschliche Reife ist nach der Psychologin Boglarka Hadinger etwas anderes als kognitive, soziale oder emotionale Intelligenz, denn hohes Intelligenz- und Kompetenzniveau gepaart mit geringer menschlicher Reife kann verheerende Folgen haben. Sie nennt in einer Liste acht Punkte, die einen reifen Menschen kennzeichnen: weiter

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