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Inhaltsverzeichnis

Adi F

Erkenne dich selbst! - Werde, der du bist!

Über den Ursprung philosophischen Denkens

Christoph Bösch

Der Fluch der Gleichheit

Eine weltfremde Gleichheitsideologie ist der ideale Nährboden für Nationalismus

Keine zwei Menschen waren jemals ganz gleich. Menschen sind einander nur mehr oder weniger ähnlich. Die Gleichheitsideologie ist im Grunde nicht viel mehr, als eine kollektive Wahnvorstellung. (Der Sozialismus lebt von der „Ehrfurcht vor der Masse“. Wenn viele etwas sagen oder glauben, dann muss es wohl stimmen. Da darf ich doch nicht wagen, etwas anderes zu glauben…) Wenn aber wirklich alle Menschen gleich wären, würde ja ein Mann nicht einmal seine eigene Ehefrau auf der Straße erkennen... Da müssten sie sich ja ein Passwort ausmachen. (Ist aber beachtlich, dass es unermüdlichen Ideologen gelungen ist, dies dennoch so vielen Menschen einzureden.)

Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass in der Bibel stehe, vor Gott seien alle Menschen gleich. (Ohne Ansehen der Person.) Dazu lässt sich aber einiges sagen:

  1. Dies muss noch lange nicht heißen, dass alle Menschen untereinander gleich sind. Denn es ist wohl viel eher gemeint, dass Gott nicht diskriminiert, dass Gott also Gleiches nicht ungleich behandelt – also eben GERECHT ist. (Speziell wird ja immer wieder darauf abgestellt, dass Gott sozusagen keine „Vorurteile“ hat.) Es steht hingegen nirgends, dass alle Menschen AN SICH gleich seien.
  2. In der Bergpredigt heißt es auch, dass die Ersten die Letzten - und die Letzten die Ersten sein werden. Das deutet zwar auf eine gewisse Nivellierung hin – allerdings erst im Jenseits! – dies ergäbe andererseits aber wenig Sinn, wenn ohnehin schon alle im Diesseits gleich wären…
  3. Aus Sicht der Vollkommenheit Gottes, mögen auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen als relativ gering erscheinen. Man könnte also sagen: aus Sicht der Größe Gottes, sind wir alle sehr klein – selbst die Größeren unter uns. (Eine der wichtigsten Funktionen von Religion mag ja gerade darin liegen, Menschen zu mehr Demut und Bescheidenheit anzuregen – uns unsere Fehlbarkeit bewusst zu machen und der Tendenz zur Hybris entgegenzuwirken.)

Die Asyl- und Flüchtlingsfrage ist nach wie vor das beherrschende Thema in Europa. Leider wird viel zu wenig konstruktiv und pragmatisch damit umgegangen. Es herrschen Ideologien - und deren polare Gegenideologien…

Fest steht wohl eines: je größer eine Gruppe von Menschen ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass alle gleich sind. „Globale Gleichheit“ wird es wohl niemals geben. Und dies ist wahrscheinlich auch gut so. Auch auf nationaler Ebene gibt es natürlich keine echte Gleichheit – höchstens in der Theorie oder eben in der Vorstellung. Aber auf nationaler Ebene sind die Unterschiede sicherlich geringer. Man wird sich also zum Beispiel letztlich entscheiden müssen: opfern wir unsere Gleichheitsideologie – oder opfern wir etwa lieber das Leben vieler Flüchtlinge, denen wir im Grunde helfen könnten? Denn eines steht fest: Österreich, ein Land das etwa ein Promille der Weltbevölkerung darstellt (Deutschland stellt etwa ein Prozent dar) – und das überdies einen der am besten ausgebauten Sozialstaaten weltweit hat, kann unmöglich alle Menschen aufnehmen, die gerne (aus welchen Gründen auch immer) hier herkommen würden. Zumal eine große Mehrheit der Bürger dies ziemlich offensichtlich nicht will.

Andererseits ist Österreich ein reiches Land und viele Menschen sind sehr wohl bereit, anderen zu helfen und dafür auch selbst gewisse Opfer zu erbringen. Wird den Bürgern der relativ reichen europäischen Länder hingegen gesagt, dass jeder der hier her kommt, automatisch und sofort die gleichen Rechte hat, wie jeder einzelne Bürger, der hier seit Jahrzehnten beziehungsweise seit Generationen lebt, dann reagieren sehr viele so, dass sie sagen: dann sollen sie lieber erst gar nicht kommen. Hier müsste man sich also eigentlich entscheiden. Will man weiter an ideologischen Dogmen festhalten – also für eine möglichst ungezügelte Zuwanderung plädieren und zugleich jegliche Form von Nationalismus verdammen; oder möchte man lieber möglichst pragmatisch möglichst vielen Hilfesuchenden beistehen? Pragmatismus führt oft zu mehr Menschlichkeit, als fixe Ideen. Es hat wenig Sinn zu sagen, „man kann doch nicht, man wird doch wohl, man muss doch bitte – und das darf doch alles nicht wahr sein!“ Denn in der Realität darf schlicht und einfach alles wahr sein…

Wunschdenken bringt uns nicht weiter. Nichts hat den Nationalismus in den letzten Jahren mehr genährt, als die, von vielen Politikern, Intellektuellen und Medien nach wie vor zum Teil fanatisch vertretene Gleichheitsideologie. Gleichheitsideologie und Nationalismus sind gewissermaßen geradezu kommunizierende Gefäße. Wer es wirklich ehrlich meint mit der Bekämpfung des Nationalismus, der müsste endlich bereit sein, die vollkommen weltfremde Vorstellung aufzugeben, dass alle Menschen gleich sein, gleich gemacht werden könnten – oder auch nur gleich gemacht werden dürften. Es gibt kaum eine größere Ungerechtigkeit, als Ungleiches gleich machen zu wollen. Gleichheit gibt es nur in der Mathematik. Aber alles, was natürlich gewachsen ist, mag einander zwar ähneln, aber mehr nicht. Wer dennoch weiterhin versucht, alles und alle mit Gewalt zu nivellieren, der sollte sich bitte nicht wundern, wenn dadurch die Gegenkräfte genährt und gestärkt werden. Je offensichtlicher die Ungleichheit ist, die zu verleugnen versucht wird, desto stärkerer Widerstand wird sich fast unweigerlich regen. Ob uns dies nun gefällt oder nicht. Es wird immer Konkurrenz geben, die notgedrungen zu Hierarchien führt; es wird immer Privilegierte und weniger Privilegierte geben; es wird immer Unzufriedene geben; es wird auch immer Konflikte geben. Auch wenn wir dies grundsätzlich akzeptieren, können wir dafür kämpfen, dass die Unterschiede nicht zu groß werden. Denn wenn auch absolute Gleichheit so gut wie nie gerecht sein kann, so kann doch sehr wohl Ungleichheit äußerst ungerecht sein. Und dagegen sollte man kämpfen – und nicht für eine utopische Gleichheit, die erstens nie erreichbar und zweitens völlig ungerecht wäre.

Ungleichheit bedeutet immerhin auch Vielfalt, Ergänzung, Möglichkeit zu wachsen und einander zu ergänzen. Gleichheit hingegen, führt letztlich auch dazu, dass fast nichts mehr echten Wert hat – denn bekanntlich ist meist gerade das Seltene das Wertvolle. Dennoch muss leider davon ausgegangen werden, dass viele bereit sind, weiterhin das Wohl vieler Mitmenschen auf dem Altar ihrer eigenen Vorstellungen und Ideologien zu opfern. Denn das Wohl der anderen ist oft nicht viel mehr, als ein Vorwand zur Rechtfertigung von intellektuellen Eitelkeiten und moralischem Narzissmus. Man sitzt auf dem hohen Ross der Theorie und opfert dafür das in der Realität Mögliche.

Menschlichkeit basiert auf Mitgefühl - und Mitgefühl ist eine Empfindung, keine Ideologie. Hier müsste man sich wirklich entscheiden. Beharren wir auf der eingebildeten „Stärke“ unserer Ideologien - oder akzeptieren wir die „Schwäche“ beziehungsweise Verwundbarkeit unserer eigenen Empfindungen? Dies ist vor allem auch eine Frage der Ehrlichkeit. Gehen wir selbst mit gutem Beispiel voran oder verlangen wir lieber weiterhin von anderen, dass sie doch das tun mögen, wozu wir selbst keineswegs bereit sind? Der Nationalismus ist genauso eine Ideologie, wie der mitunter fast wahnhafte Glaube an die Gleichheit.

Das Wort Nation hat den gleichen Wortstamm, wie das Wort Natur: nämlich das lateinische „natio“, also Geborenwerden. Nationen sind etwas natürlich Gewachsenes, doch mit der Ideologie des Nationalismus, können Sie zum Problem werden. Nationen unterscheiden sich voneinander; dies sollte (und muss) aber nicht zum Vorwand werden für Diskriminierung. Womit wir wieder bei der Gleichheit wären. Es ist gut und natürlich, Gleiches gleich zu behandeln, dafür aber Ungleiches ungleich. Aus der Idee der Gleichheit eine Ideologie zu machen, ist aber genauso schlecht und gefährlich, wie die Idee der Nation zur Ideologie des Nationalismus zu pervertieren.

Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde…

Oder: warum es in Politik und Medien immer weniger um die Sache selbst – und fast nur noch um die Macht geht!

Die Gegner unserer politischen Gegner (wie sehr wir sie – und vor allem ihre Anschauungen, Ziele und Verhaltensweisen - auch bisher abgelehnt haben mögen), werden zu unseren Freunden. Wenn wir damit unsere Gegner zu treffen hoffen…

Bei vielen Diskussionen im In- und Ausland (etwa betreffend Donald Trump oder auch die FPÖ) scheint es oft um ganz etwas Anderes zu gehen, als von den Kontrahenten jeweils vorgegeben wird. Und es scheint viel wichtiger geworden zu sein, WER etwas sagt – viel weniger, was dieser sagt.

Aktuelle Beispiele in Österreich wären etwa das Rauchen oder die direkte Demokratie. Es scheint immer weniger um Inhalte zu gehen - und immer mehr um Ideologie und Parteipolitik.

Jemand hat es einmal, bezogen auf Österreich, auf den Punkt gebracht: „Die FPÖ sagt, die Ausländer seien an allem schuld. Und der Rest des Landes sagt, die FPÖ sei an allem schuld!“ Somit scheint zumindest eines fast garantiert zu sein: nämlich dass sich nichts ändern wird – zumindest nicht zum Besseren.

Einer der Hauptgründe dafür, ist wohl der Streit darüber, was als politisch „korrekt“ zu gelten habe oder nicht. Eines der Probleme hier ist wohl, dass man Menschen zwar verbieten kann, bestimmte Dinge zu tun oder zu sagen – dass man sie aber nur schwer dazu zwingen kann, Menschen (oder ganze Gruppen von Menschen) zu respektieren oder gar zu mögen. Gebote für „korrektes“ Verhalten lassen sich nur schwer formulieren oder gar durchsetzen. (Und oft führen entsprechende Versuche sogar eher zur gegenteiligen Wirkung: es werden bereits vorhandene Ressentiments sogar verstärkt.)

Die Sachebene wird jedenfalls immer mehr zum Nebenschauplatz. Es werden auch die Akteure nicht so sehr an ihren konkreten Taten gemessen, sondern eher an deren Worten. Gegenseitige Provokation wird zusehends zur Lieblingsbeschäftigung von Politik und Medien.

Man gibt vor, über ein vermeintliches Fehlverhalten politischer oder ideologischer Gegner tief bestürzt zu sein – kann aber zugleich nur schwer die eigene Freude darüber verhehlen, das eigene Feindbild wieder einmal bestätigt zu sehen.

Dabei scheint der alte Satz: „Was du bekämpfst, das wirst du“, immer mehr an Gültigkeit zu gewinnen. Wir bekämpfen unseren eigenen Schatten, hätte C.G. Jung vielleicht dazu gesagt. Oder wir projizieren das, was wir bei uns selbst nicht wahrhaben wollen, lieber auf die anderen. (Und immer öfter zeigt sich, dass das was vorgeblich bekämpft wurde, dann über die Hintertür erneut eingeführt wird.)

Fast lustig ist es auch, wenn sich derzeit Opposition und Medien darüber beschweren, dass in Österreichs Politik das „große Umfärben“ auf dem Programm stehe. Das Wort Umfärben offenbart doch bereits, dass vorher gefärbt worden ist. Was haben jene, die zuvor gefärbt haben, denn erwartet? Und fällt es da nicht schwer, ihnen – und ihren medialen Sprachrohren - eine ehrliche Sorge um die Republik abzunehmen? Erwecken sie nicht eher den Eindruck, die von ihnen heraufbeschworenen Missstände geradezu herbeizusehnen – um dereinst doch wieder als das „zumindest noch geringere Übel“ dastehen zu können?

In Deutschland gibt es derzeit auch eine Debatte darüber, dass sich die bürgerliche Mitte von den so genannten Mainstream-Medien abwendet. Dennoch belehren diese weiterhin ihre Leser, Hörer und Seher darüber, was jene denn nun tun „müssen“ oder „sollten“. Egal ob es deren Wahl- und Kaufverhalten betrifft - oder die Freizeitgestaltung und das Familienleben. Und es fällt ihnen kaum noch auf.

Vielleicht wäre es besser, Politik mehr als „Hygienefaktor“ (und weniger als Mittel zur allgemeinen Glückseligmachung) zu betrachten? Also einfach Missstände zu bekämpfen, Probleme zu lösen – aber nicht danach zu streben, gleichsam ein Paradies auf Erden zu schaffen…

Oder beschäftigen wir uns vorrangig mit Nebensächlichkeiten, weil wir uns nicht mehr zutrauen, die wirklich drängenden Probleme lösen zu können? Man nehme nur einmal drei Bereiche, die derzeit fast überall auf der Welt als wichtige Themen betrachtet werden könnten:

Die Schulden explodieren, aber die Zinsen bleiben weiterhin relativ niedrig – und es wird angesichts einer kleinen, längst fälligen Korrektur unlängst an den Börsen, bereits wieder von weiteren Maßnahmen zur Bereitstellung von leicht verfügbarem Geld seitens der Zentralbanken gesprochen.

Selbst Tech-Gurus wie Elon Musk warnen vor unkontrollierbaren Folgen der künstlichen Intelligenz und „Roboterisierung“ – aber die meisten Regierungen scheinen lieber den Kopf in den Sand zu stecken. (Obwohl uns unsere immer größere Abhängigkeit von neuen Technologien, ja auch immer verwundbarer macht.)

Es lässt sich auch schwer leugnen, dass die Menschheit der Natur in den letzten Jahrzehnten ziemlich zugesetzt hat. Artensterben, Versiegelung von Böden, Luftverschmutzung, Verschmutzung der Meere usw. Dennoch scheint es für die veröffentlichte Meinung fast nur ein Thema zu geben: CO2.

Es wird an den Symptomen herumgedoktert, aber im Grunde wenig erreicht. Man redet lieber von Freiheit und von Rechten – und meint doch nur die eigenen. Man redet von Demokratie – aber will das Resultat von Wahlen nicht akzeptieren, wenn sie nicht das erwünschte Resultat gebracht haben. (Die einen fechten gleich ganze Wahlen an – die anderen tun so, als seien Wahlergebnisse irgendwie illegitim.) Und um die direkte Demokratie wird überhaupt seit Jahrzehnten ein absurder Eiertanz abgehalten, bei dem es um alles – nur nicht um die Prinzipien der Demokratie zu gehen scheint.

Nirgends wird mehr mit zweierlei Maß gemessen, als im Bereich der Menschenrechte. Es herrscht ein pseudoreligiöses, ideologischen Modetrends unterworfenes Diktat der politischen Korrektheit. Mitunter artet dieses zu einer Art Hexenjagd aus, bei der puritanische Inhalte mit inquisitorischen Methoden verfolgt werden.

(Wobei man manchmal fast den Eindruck haben könnte, die mit der Political Correctness verbundene allgemeine Ideologisierung erfordere eine – bewusste oder unbewusste? - Herabsetzung der Intelligenz…)

Eine winzig kleine Minderheit dominiert derzeit in der westlichen Welt die öffentlichen Diskurse. Veröffentlichte und öffentliche Meinung klaffen immer weiter auseinander. Die veröffentlichte Meinung ruft nach immer mehr Gesetzen und Geboten. Und die öffentliche Meinung – deren freie Äußerung zugleich immer weiter eingeschränkt wird – ruft nach starken Männern. Wäre es nicht besser, verbal etwas abzurüsten – und offen und ehrlich miteinander über konkrete Interessen und Probleme zu reden? Um von der ideologischen Ebene auf die Sachebene zu kommen?

Die Einschränkung der Meinungsfreiheit ist diesbezüglich nicht ungefährlich. Denn wer nicht einmal mehr seine Meinung (gleichsam als „Ventil“) sagen darf, könnte irgendwann gleich direkt zur Tat schreiten. (Und das könnte dann erst recht jenen zum Vorwand dienen, die irgendeine Art von Diktatur etablieren wollen.)

Gleichheit

... gibt es nur in der Mathematik und in der Vorstellung weltfremder Ideologen!

Keine zwei Menschen waren jemals wirklich ganz gleich. Menschen sind einander nur mehr oder weniger ähnlich. Interessanter Weise neigen aber oft gerade jene, die immer und überall nach „Gleichheit“ rufen, mehr und mehr dazu, mit zweierlei Maß zu messen - also zu diskriminieren. Gerechtfertigt wird dies meist dadurch, dass man vorgibt, jene Gleichheit - die es ja vorgeblich „eigentlich von Natur aus geben sollte“ – eben künstlich herstellen zu müssen.

Natur ist überhaupt ein interessanter Begriff. Natur kommt etymologisch ja von „natio“, dem lateinischen Wort für Geburt oder Geborenwerden. (Von dem ja auch das Wort „Nation“ abstammt.) Natur wäre im Grunde ein freies Spiel aller Kräfte; und all das, was mehr oder weniger von selbst wächst... Dennoch werden Begriffe wie „Natur“ oder „natürlich“ immer öfter für ideologische Vorstellungen missbraucht.

Möglich wird dies vor allem dadurch, dass das subjektive Empfinden des Einzelnen systematisch entwertet wird – „objektives“ Wissen, Information, also letztlich auch Ideologien hingegen, tendenziell verherrlicht werden. Das Kollektive wird damit fast automatisch als - dem Individuellen gegenüber - höherwertig dargestellt. Dies stellt allerdings eine konsequente Entmachtung, aber auch Entmündigung des Individuums dar.

Und da man auch bei subjektiven Meinungen gern einen „Objektivitätsanspruch“ stellen möchte, wird generell eben auch das Objekt (also letztlich auch das Materielle) gegenüber dem Subjekt (und dem Immateriellen) aufgewertet. An die Stelle subjektiver Empfindungen soll „objektives“ Wissen treten.

Rechts und links sind definitionsgemäß relative Begriffe…

Ohne Rechte gäbe es keine Linken – und umgekehrt. Dennoch wird immer wieder versucht, Begriffe wie „links“ und „rechts“ als objektiv (oder sogar absolut) gut /richtig bzw. schlecht/falsch hinzustellen. Obwohl es sich dabei ja lediglich um Standpunkte, Perspektiven, Meinungen, subjektive Vorlieben und Interessen handelt. Das Leben ist nicht objektiv. Menschen sind Subjekte, die bestimmten Naturgesetzen und Bedingungen unterworfen sind; von den meisten Ideologien werden (zumindest manche Menschen bzw. Gruppen) dennoch zu Objekten gemacht. Man gesteht ihnen also nicht eine persönliche, innere Autorität zu; sondern ist bemüht, sie einer allgemeinen, „höheren“ Autorität unterzuordnen.

Oft besteht die Freiheit der Menschen dann nur noch darin, ihre Abhängigkeiten wechseln zu können… Logischer Weise sinkt dadurch auch die Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen – was wiederum als weiterer Vorwand dafür dienen kann, den Menschen noch weniger Freiraum zuzugestehen. Und da sich fast niemand mehr traut, sich am eigenen Urteil, den eigenen Maßstäben zu orientieren, orientiert man sich generell immer mehr an den jeweils anderen… Dadurch werden aber natürlich auch alle immer abhängiger.

Im Grunde sollten alle Meinungen frei sein - sofern dadurch nicht willentlich anderen Menschen geschadet wird. Längst erleben wir aber, dass bestimmte Meinungen gegenüber anderen (oder jenen von anderen!) diskriminiert werden. Die eine Meinung (auch wenn sie wertend, ja sogar verletzend sein mag), darf man haben – eine andere hingegen keinesfalls. Vorurteile werden so gleichsam „institutionalisiert“… Logischer Weise führt jedoch dieses Messen mit zweierlei Maß dazu, dass gerade wieder die „verbotenen“ Meinungen interessant und für viele attraktiv werden. Statt hier jedoch die Ursache zu bekämpfen (eben dass längst mit zweierlei Maß gemessen wird), werden lieber umso mehr Symptome bekämpft. (Man könnte also sagen, dass dann die Folgen des eigenen Denkens und Handelns, noch zusätzlich als Vorwand genommen werden, dieses sogar weiter zu verschärfen. Statt nach weniger, wird nach immer mehr Diskriminierung gerufen. Aber natürlich nach der „richtigen“…)

Bürgerkonvent

WARUM SICH NICHTS ÄNDERT – WARUM ÄNDERT SICH NICHTS ?

Zunächst einige Fragen: Warum erleben wir in Österreich schon so lange einen politischen Stillstand? Warum scheint es nahezu unmöglich zu sein, das System zu reformieren? Warum sollte irgendjemand freiwillig auf Macht verzichten – wenn er dies ja schon sehr lange hätte tun können? Wie können Bürger Politiker dazu bringen, freiwillig auf einen Teil ihrer Macht und ihrer „Pfründe“ zu verzichten?

AUSGANGSLAGE: Hauptursache für den politischen Stillstand in Österreich, ist wohl nach wie vor der unverhältnismäßig starke Parteieneinfluss – vor allem der (nach wie vor) „Großparteien“ SPÖ und ÖVP.

Den meisten Bürgern ist nicht bewusst, wie wichtig Themen sind, wie: Wahlrecht und direktere Demokratie; Verwaltungsreform, Kompetenzverteilung, Föderalismus und Finanzausgleich; Gewaltentrennung; Parteien- und Medienfinanzierung; Einfluss von Kammern, Gewerkschaften und Lobbys aller Art…

Es wird über die Symptome geschimpft und an ihnen herumgedoktert – statt die Ursachen zu analysieren, zu beschreiben – und zu beheben.

Reformen scheitern in Österreich nicht in erster Linie daran, dass es keine guten Ideen und Lösungsansätze gäbe; bereits seit Jahrzehnten lägen für die wichtigsten Probleme des Landes ausgezeichnete Lösungskonzepte in allen möglichen Schubladen – ihre Umsetzung wird jedoch vom Machtkartell der Etablierten systematisch blockiert. Zumeist aus purem Eigennutz. Aber die meisten Wähler lassen sich blenden – bzw. durch machtpolitisches und ideologisches Geplänkel zwischen den Kartellparteien ablenken… (Oder sie glauben bzw. hoffen, selbst von der Parteienwirtschaft profitieren zu können.) Die Bürger müssten sich verbinden – um der Parteienoligarchie endlich Grenzen zu setzen, damit überfällige Reformen überhaupt möglich werden. (Es müssten also einmal die Wähler sein, die die Parteien auseinander dividieren – statt umgekehrt. Und zwar, indem man den Systemerhaltern signalisiert: wir wählen nur noch jene, die aktiv gegen den Reformstau auftreten! Also die Ermöglicher, nicht die Verhinderer.)

Wie aber, könnte man nun die guten Ideen aus den Schubladen herausbringen? Wie können Bürger ausreichenden Druck auf die Parteipolitik ausüben?

Einer der Hauptgründe dafür, dass sich nichts ändert, ist der wohl Umstand, dass vielen Bürgern gar nicht bewusst ist, wie wichtig Fragen der Demokratie-, Staats- und generell der Systemreform letztlich sind! Themen wie Wahlrecht, Finanzausgleich, Verfassung und Verwaltung etc., legen letztlich die Rahmenbedingungen und Spielregeln für unser Zusammenleben fest. Es sind abstrakte Themen, die für viele Menschen nicht leicht verständlich sind – und die sich auch von den Medien schwer für emotionales Themensetting beziehungsweise für Kampagnen aller Art verwenden lassen.

Dennoch wäre es extrem wichtig, möglichst vielen Menschen entsprechende Zusammenhänge zu erklären – und deren Bedeutung sowie Auswirkungen besser bewusst zu machen. Denn sonst wird sich kaum jemals etwas ändern! Speziell Wahlrecht und Steuern zählen zu den wichtigsten Materien im Staat: bestimmen sie doch letztlich darüber, wie Macht und Geld im Gemeinwesen verteilt werden. (Oft ereifern sich Medien – aber natürlich auch deren Konsumenten – mit großer Emotion über Fälle von vergleichsweise harmlosem Machtmissbrauch oder vergleichsweise unbedeutender Geldverschwendung. Die wirklich großen Skandale – nämlich den strukturellen Machtmissbrauch und die systematische Geldverschwendung, in zum Teil wirklich ungeheurem Ausmaße – scheinen hingegen fast niemanden aufzuregen... Nur so ist es erklärbar, dass die Bürger und Wähler letztlich seit vielen Jahrzehnten zusehen, wie ein Parteienkartell – das, was den Zugang zum Geld, vor allem aber den Einfluss auf die Macht betrifft, noch immer überwiegend aus SPÖ und ÖVP besteht - unser Land langsam aber sicher herunterwirtschaftet.)

Es müsste einer großen Zahl an Bürgern bewusst werden, wie viel uns (also alle Steuerzahler!) unsere ineffizienten, intransparenten und korrupten Strukturen kosten (etwa der Mangel an echter „direkter“ Demokratie und der immense Parteieneinfluss auf Medien, Schulen, Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft usw.) – und wie hoch der Fehlsteuerungsaufwand durch Inkompetenz, Ideologie und strukturelle Korruption in Österreich tatsächlich ist! Wie große menschliche, finanzielle, aber auch natürliche Ressourcen ständig vergeudet werden; wie viel besser es uns gehen könnte, wie viel erfolgreicher wir sein könnten – und wie viel Aufwand wir uns ersparen könnten! Und was jeder einzelne dagegen tun kann…

BÜRGERRAT / REFORMKONVENT Wenn sich nun die (System)-Parteien, die eigentlich ja die Interessen der Bürger zu vertreten hätten, so hartnäckig gegen jegliche längst überfällige Reformen zur Wehr setzen – so könnten engagierte Bürgern - auch absolute Laien, die einen konstruktiven Beitrag zur Reform des Gemeinwesens und Verbesserung des Zusammenlebens leisten möchten – selbst aktiv werden. Dabei könnten sie eventuell durch eine „Bürger-Reformagentur“ unterstützt werden – bestehend zum Beispiel aus einer Art „Weisenrat“ ehemaliger Politiker, Richter, Experten etc. (Hierbei sollte es sich möglichst um Initiatoren handeln, die selbst „nichts mehr werden wollen“ - und möglichst auch keine eigene politische Agenda verfolgen! Denn zu große persönliche Egos, aber auch ideologische Fixierungen, könnten einen konstruktiven Reformprozess verhindern.) Also Persönlichkeiten, die vorab gewisse Rahmenbedingungen festlegen – sowie später die Einhaltung gemeinsam beschlossener Spielregeln überwachen.

Natürlich braucht man auch Experten, vor allem aber auch kreative Vermittler, die imstande sind, zu hochtrabende, zu ausgefallene, aber auch untereinander unvereinbare Ideen und Vorschläge zu identifizieren – und praktikable Alternativen oder Kompromisse vorzuschlagen, beziehungsweise umzusetzen. Mediation bedeutet ja nicht zuletzt, dass man Konflikte kreativ auflöst, den größten gemeinsamen Nenner findet, WIN-WIN-Situation schafft…

Für die meisten Probleme gäbe es jedoch bekanntlich bereits ausgezeichnete Ideen und Lösungsvorschläge – die allerdings bisher am Widerstand der machthabenden Parteien, Lobbys und anderer Nutznießer gescheitert sind. Eigentlich wäre also die Ausarbeitung von Konzepten wahrscheinlich fast weniger wichtig, als die Formulierung realisierbare Kompromisse – vor allem aber dann deren Durchsetzung! (Hier liegt ja im Grunde genommen der Hund begraben. Und es kann sich nur etwas ändern, wenn die wirklichen Ursachen möglichst vielen Menschen bewusst werden; wenn sie die Wichtigkeit der Sachverhalte erkennen; und wenn sie dann auch selbst Zivilcourage und Einsatzbereitschaft aufbringen, um endlich einmal eine echte Veränderung zu erzwingen.) Eine wichtige Voraussetzung dafür wäre es schließlich, sich nicht länger von diversen Parteien- und Ideologien-Vertretern - mittels Drohungen und Versprechungen aller Art – gleichsam gegeneinander ausspielen zu lassen…

Wie aber kann es konkret gelingen, den nötigen öffentlichen Druck auszuüben, um auf gute Ideen auch entsprechende Taten folgen zu lassen? (Dies gilt übrigens bereits für die Mobilisierung zur Teilnahme an einem eventuellen Bürgerkonvent; mehr noch dann aber natürlich für die Durchsetzung der gewonnenen Ergebnisse.) Wie also können komplexe Zusammenhänge einfach und verständlich dargestellt werden – sodass möglichst vielen Menschen einerseits ihre Betroffenheit, andererseits aber auch die Wichtigkeit der entsprechenden Materien bewusst wird? Hier ginge es nicht zuletzt auch darum, verständlich zu machen, warum es besser ist, Ursachen zu bekämpfen – also die Rahmenbedingungen des Systems zu reformieren – statt weiter kompensatorischen und mit immer höheren Aufwand, an den Symptomen herumzudoktern.

Und was auf keinen Fall vergessen werden sollte: es sollte nicht darum gehen, gleichsam „das Rad neu zu erfinden“ - sondern all die ja ohnehin schon längst vorhandenen Konzepte (von Rechnungshof, IHS, WIFO, aber auch vom letzten Reformkonvent und diversen Think Tanks) zu sichten, gegebenenfalls zu ergänzen, vor allem aber zu einem einigermaßen konsistenten und praktikablen Gesamtkonzept zu formen.

Die Zusammensetzung eines eigentlichen Bürgerrates oder Konvents, könnte dann – angelehnt an die Dogenwahl im alten Venedig - durch eine Kombination aus Los und Wahl bestimmt werden. Das Los hat den Vorteil, dass sich nicht so leicht Cliquen und Lobbys bilden können; Wahlen haben andererseits natürlich wiederum den Vorteil, dass man doch besser qualifizierte Persönlichkeiten finden kann. (Es könnten auch engagierte Bürger – im Internet oder auch „physisch“ - Unterschriften, also Unterstützer sammeln, um dann sozusagen als deren Stellvertreter in einem Reformkonvent oder Bürgerrat zu agieren – oder selbst wiederum Stellvertreter auf der „nächsthöheren“ Ebene der Vertretung zu wählen. Oder aber es könnte jeder Bürger, der z.B. 100 oder auch mehr Unterstützer sammelt, an der Verlosung der Plätze im Rat oder Konvent teilnehmen. Hier bestünde allerdings auch das Risiko der „Unterwanderung“ durch etablierte Parteien.

Bei der reinen Verlosung der „Sitze“ unter Interessierten, besteht andererseits die Gefahr, dass diese größere Zusammenhänge schlecht durchschauen können – oder dass sie durch Ideologien zu stark in eine gewisse Richtung hin „vorgeprägt“ sind. Schließlich werden sich wohl eher Menschen für so einen Konvent melden, die bereits mehr oder weniger starke politische Vorstellungen oder sogar Vorurteile haben – ob diese nun im klassischen Sinne eher „links“ oder „rechts“ seien – selbst wenn sie dabei völlig parteiunabhängig sein mögen. Wobei es eigentlich fast klar ist, dass die etablierten Parteien versuchen würden, einen Konvent oder Bürgerrat zu unterwandern – was sich jedenfalls nur sehr schwer verhindern lässt.)

Sowohl die Rekrutierung der Mitglieder eines Bürgerrates – als auch dann die Themen- und Inhaltsfindung - kann auf jeden Fall auch über das Internet erfolgen. Letztlich könnte nach abgeschlossenem Reformprozess natürlich auch der Bürgerrat sozusagen als Reformpartei mit der gefundenen und beschlossenen Reformagenda, selbst zu Wahlen antreten. (Genauso gut könnten natürlich alle vorhandenen Parteien diese Reformagenda – oder auch nur Teile davon – zu ihrer Wahl-Plattform machen.)

Oder aber man unterzieht das Ergebnis des Reformprozesses einer „Volksabstimmung“ im Internet. (Besser als ein zahnloses „Volksbegehren“ – diese haben bisher noch so gut wie nie konkrete Veränderungen gebracht.) Die Wähler werden danach auf jeden Fall sehen, welche der etablierten Parteien der Reformagenda in welchen Punkten am nächsten kommt.

Und letztlich sollte eines nie vergessen werden: WAS ZÄHLT, SIND RESULTATE! (Denn gute Ideen liegen ja wie gesagt bereits in ausreichendem Maße in diversen Schubladen…) Also lieber letztlich auch einen Kompromiss formulieren oder aushandeln (die „Idealforderungen“ können ja daneben ohne weiteres bestehen bleiben) – als wieder keine konkreten Veränderungen zu erreichen... Es soll ja eine VERBESSERUNG erzielt werden. Und da sind eben meist nicht gleich 100% möglich.

Harmagedon

... (auch Harmageddon, Armageddon oder Har-Magedon, griechisch Ἁρμαγεδών) bezeichnet in der Offenbarung des Johannes den Ort der endzeitlichen Entscheidungsschlacht im „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“. Im erweiterten Sinn bezeichnet der Begriff in der Theologie den eschatologischen Entscheidungskampf, säkular wird er für sehr große, alles zerstörende Katastrophen überhaupt verwendet.

Gutmenschen oder gute Menschen?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen guten Menschen und Gutmenschen? Gibt es ihn überhaupt? „Gutmensch“ ist ja ein ambivalent besetzter Begriff: er impliziert zumeist, dass jemand nicht unbedingt wirklich so gut sei, wie er gerne erscheinen möchte… Und dass möglicher Weise Worte, Symbole oder Gesten, wichtiger sein könnten, als konkrete Taten.

Ob jemand ein wirklich guter Mensch ist, ist nicht nur eine Frage der Kriterien – es lässt sich überhaupt nicht gar so leicht erkennen. So genannte Gutmenschen machen sich hingegen meist von selbst bemerkbar, werden jedenfalls bemerkt – aber auch dann gilt natürlich die Frage: handelt es sich hierbei auch um einen guten Menschen? Oder schließt das einander a priori aus: KANN ein Gutmensch überhaupt ein guter Mensch sein – oder müsste er dann viel bescheidener und zurückhaltender auftreten? Man könnte ja andererseits auch sagen: die Sichtbarkeit, eine mögliche Vorbildwirkung, verstärken ja noch die Wirkung der „guten Taten“. Hier gälte es dann aber fein zu unterscheiden, ob wirklich die Sache selbst im Mittelpunkt steht – oder eher das Ego und die Eitelkeit der handelnden Personen?

„Gute Menschen“ erkennt man vielleicht eher an ihrer Demut und Bescheidenheit, „Gutmenschen“ vielleicht eher daran, dass sie selbstgerecht und überheblich sind.

Gute Menschen sind vielleicht eher bereit zu verzeihen und um Verzeihung zu bitten. Sie sind eher großzügig, aber selbstkritisch. Man erkennt sie vielleicht am ehesten an ihrem eigenen Charakter: ihrem Verhalten, ihren Eigenschaften, ihrem Leben. An ihren Taten. Gutmenschen hingegen, vielleicht eher an ihren Worten…

Gutmenschen scheinen viel weiter über den Dingen zu stehen – über Kritik gleichsam erhaben zu sein. Für sie muss es genügen zu wissen, was richtig ist. (Wirklich tun, sollen und können es ruhig andere.) Sie sehen sich eher als Richter: entscheidend ist, das richtige Urteil zu fällen. (Die für schuldig Befundenen, sollen dann die „Opfer“ entschädigen. Für die Gutmenschen fällt gleichsam nur eine Art „Provision“ ab: in Form von Stolz, Einfluss, manchmal auch in Form eines Honorars.)

Den Gutmenschen scheint es eher darum zu gehen, besser zu sein, als andere. Es scheint weniger um das Gute an sich zu gehen; mehr darum, sich selbst für irgendwie „besser“, überlegen, besonders zu halten. (Diese Frage könnte sich ja eigentlich jeder selbst stellen: bilde ich mir etwas darauf ein, ein guter oder gar besserer Mensch zu sein? Oder handle ich einfach nach bestem Wissen und Gewissen – und denke weiter nicht viel darüber nach?)

Vielleicht möchte man gerade auf jene Menschen herabblicken, die man um etwas beneidet? Etwa, dass sie wirklich an etwas glauben können; dass sie eigene Wurzeln und eine unverwechselbare Identität haben; vielleicht auch einfach, dass sie glücklich sind?

Gutmenschen haben oft eine Vorliebe für Exotisches. Andererseits propagieren sie aber zumeist Gleichheit. (Folglich sind sie fast immer damit beschäftigt, Ungleiches irgendwie nivellieren zu wollen.) Wenn es allerdings darum geht, sich selbst für „besser“ zu halten, hört es sich mit der Gleichheit bisweilen auf: „Alle Menschen sind gleich – aber wir sind besser!“, scheinen sich dann manche zu denken...

In meiner Alltagsbeobachtung stelle ich allerdings fest, dass jene, die sich als zB ‘Allwissende’ wähnen (also Gutmenschen im ü. Sinne), oft andere als Gutmenschen bezeichnen, und zwar im Sinne von ‘Sozial-Romantikern’ usw. AB
Ja, danke: besser UND klüger… CB
Ein guter Beitrag! Ich würde noch hinzufügen, daß Gutmenschen sich einer rationalen Argumentation entziehen. Entweder werden Allgemeinfloskeln wie "Kein Mensch ist illegal" skandiert, die nötige Präzisierung dieses Satzes aber unterbunden, oder der rationale Diskurs wird durch übertriebene Emotionalisierung verhindert. GH

Radikale Mitte

Ganz habe ich es auch nie verstanden – aber vielleicht kann es jemand erklären ?

Aus meiner Sicht heißt es: aus SICH heraus, der eigenen Mitte, der Gegenwart, dem eigenen Empfinden. Also nicht reaktiv (vor allem nicht reaktiv bezogen auf die Vergangenheit, das Vorhandene…), sondern schöpferisch. Und vor allem wahrhaftig. Aber natürlich kann man auch die Realität(en) nicht leugnen…

…und muss man sich auch politisch „positionieren“. Gesunder Menschenverstand. Statt Ideologie, überkommener Vorstellungen…

Natur-, Kultur- und Menschenschutz

Zuerst war die Natur, dann der Mensch, dann die Kultur, könnte man vielleicht sagen. Der Mensch ist Teil der Natur.

Konservativ zu sein, kann bedeuten, Kultur, Natur, aber auch Menschen zu schützen. Dies sollte aber kein Selbstzweck sein. Schon allein deshalb, weil einander diese drei Zielsetzungen zum Teil widersprechen. Man könnte etwa sagen, im Mittelpunkt stehe der Mensch. Aber selbst dann ist der Mensch immer noch auf die Natur angewiesen.

Man könnte natürlich auch sagen, dass Kultur den Schutz von Natur, aber auch von Menschen fast automatisch beinhaltet. Eine Natur ohne Menschen ist – aus Sicht der Menschen – relativ uninteressant. Und Kultur kann es ohne Menschen eigentlich gar nicht geben. Eine Kultur, die den Bezug zur Natur verliert, droht zu degenerieren. Vielleicht sind gerade deshalb die „höchsten“ Kulturen irgendwann wieder untergegangen.

Kultur ist natürlich nicht dasselbe wie Zivilisation. Zivilisation ist sozusagen „künstlicher“. Zivilisation bietet mehr Komfort, Bequemlichkeit. Zivilisation birgt aber auch größere Gefahren für Dekadenz. Kultur hingegen, hat immer eine geistige, man könnte sogar sagen, eine spirituelle Dimension. (Teil von Kultur ist die Kunst – und da stellt sich dann auch die Frage nach der Spannung zwischen dem NATÜRLICHEN und KÜNSTLICHEN.).

Natur ist sozusagen das von selbst Gewachsene; vielleicht auch ein freies Spiel der Kräfte. Menschen können jedoch durch bewusste Entscheidungen in die Natur eingreifen. Viele Menschen haben im Laufe der Geschichte sogar ihr Leben geopfert, um Natur oder Kultur zu schützen… „Menschlichkeit“ beinhaltet aber selbstverständlich auch menschliche Schwächen und Fehler.

Der Begriff Natürlichkeit wiederum, wird meist aus Sicht von Menschen definiert. (Interessant vielleicht, dass ja sowohl der Begriff „Natur“ als auch der Begriff „Nation“, ursprünglich mit dem lateinischen Wort „natio“, also „Geborenwerden“ zu tun haben... Und auch, dass der Begriff „Natur einer Sache“, das Wesen einer Sache bezeichnet.)

Kultur ist an sich nicht „natürlich“ – auch wenn der Begriff sich ja ursprünglich aus der Agrikultur entwickelt hat. Letztlich geht es aber selbstverständlich auch um die Kultivierung des Menschen. (Ursprünglich: Pflege von Körper und Geist.) Also auch um den Umgang der Menschen miteinander.

Natur, Mensch und Kultur stehen also miteinander in Verbindung – mitunter aber auch in Konkurrenz. Die Natur setzt Mensch und Kultur Grenzen. Die Kultur setzt auch den Menschen Grenzen – wenn auch keine zwingenden.

Ernst Heim

Brot der Freundschaft

Freundschaft ist das Brot, wovon Menschen leben. Noch im Morgengrauen, sogar am Regentag, lässt Freundschaft die Sonne aufgehen. Und am Abend baut sie eine Leiter zu den Sternen. Sie lässt den Garten blühen, wo sonst nur Steppe ist. Sie gibt den Geräuschen des Tages den Tonfall der Sorge.

Auch die Sprache des Alltags wird auf Noten gesetzt, aus gewöhnlichen Worten wird ein Lied. Sie lässt das Lachen nicht alt werden und hält die Seele klar wie eine Quelle. Leichten Fusses geht man den Weg in das Haus des Freundes. Von der Freundschaft leben die Menschen: wovon aber lebt die Freundschaft? Von der Gemeinsamkeit der Wege. Von der Offenheit des Erzählens. Von der Aufmerksamkeit des Hörens. Von der Behutsamkeit der Sorge. Von der Freude des Teilens. Von der Sanftmut des Trostes. Von der Beharrlichkeit des Verzeihens. Von der Unerschöpflichkeit des Vertrauens. (Joop Roeland)

Wesentlich werden

Dr. Monika Renz: Von der Chance, wesentlich zu werden. Reflexionen zu Spiritualität, Reifung und Sterben

Für wen gehst du?

In Rabbi Naftalis Stadt, in Robschitz, pflegten die Reichen, deren Häuser einsam am Ende der Stadt lagen, Leute zu beschäftigen, die nachts über ihren Besitz wachen sollten. Als Rabbi Naftali eines Abends spät am Rande des Waldes ging, begegnete er solch einem auf und ab wandelnden Wächter. „Für wen gehst du?“ fragte der Rabbi. Der andere beantwortete es. Danach stellte er die Gegenfrage: „Und für wen geht ihr, Rabbi?“ Die Frage traf, wie ein Pfeil. Lange schritt der Rabbi schweigend neben dem anderen auf und ab. „Willst du mein Diener werden?“, fragte er nach langer Zeit den Mann. „Das will ich gern“, antwortete der andere, „aber was habe ich zu tun?“ „Mich zu erinnern“, sagte Rabbi Naftali. (Nach einer Erzählung von Martin Buber aus den Chassidische Geschichten)

Ockhams Rasiermesser

– auch Prinzip der Parsimonie, lex parsimoniae oder Sparsamkeitsprinzip – ist ein heuristisches Forschungsprinzip aus der Scholastik, das bei der Bildung von erklärenden Hypothesen und Theorien höchstmögliche Sparsamkeit gebietet. Das nach Wilhelm von Ockham (1288–1347) benannte Prinzip findet seine Anwendung in der Wissenschaftstheorie und der wissenschaftlichen Methodik. Vereinfacht ausgedrückt besagt es:

  1. Von mehreren möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.
  2. Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und wenn diese in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt.

Sieben Wege zur Effektivität

Verlorene Väter - verlassene Kinder

Anton Rotzetter

Der Verlust des Vaters ist für die betroffene Familie eine schwere Erschütterung, sei es ein Unfall, eine unheilbare Krankheit, die Scheidung oder der Tod aus Verzweiflung. Immer hinterlässt er bei den Angehörigen einen tiefen Schmerz, eine fast unheilbare Wunde.

Bei der Begegnung mit dem erfahrenen Seelsorger Kapuzinerpater Anton Rotzetter aus Freiburg / CH wollen wir ungelösten Fragen nachgehen. Wir bieten Interessierten die Gelegenheit, über eigene Erfahrungen und Wünsche zu sprechen.

Magdalena B

In wachsenden Ringen

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang; und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.

Aus der Reihe tanzen

Der Meister sagt: Heute wäre ein guter Tag um etwas Außergewöhnliches zu tun. Zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit auf der Straße tanzen. Einem oder einer Unbekannten in die Augen schauen und von Liebe auf den ersten Blick sprechen. Dem Chef gegenüber eine Idee vorbringen, mit der wir uns vielleicht lächerlich machen, an die wir jedoch glauben. Ein Instrument kaufen, das wir schon immer spielen wollten, es aber nicht wagten.

Die Krieger des Lichts gestehen sich solche Tage zu. Wir können den Tag auch dazu benutzen, um alte Wunden zu lecken, die immer noch weh tun. Wir können jemanden anrufen, den nie wieder anzurufen wir uns geschworen haben (obwohl wir uns über eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter riesig gefreut hätten). Heute könnte ein Tag sein, der nicht ins Pensum passt, das wir jeden Morgen aufsetzen. Heute ist jeder Fehler erlaubt und verziehen. Heute ist ein Tag der Lebensfreude!

  • Paulo Coelho (Der Wanderer, Geschichten und Gedanken, Diogenes)